Auf der Isolierstation müssen Mitarbeiter Schutzanzüge tragen.
Auf der Isolierstation müssen Mitarbeiter Schutzanzüge tragen. Bild: Soeren Stache/dpa
Wissenschaft
Zustand von Berliner Ebola-Patient war lebensbedrohlich

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Ein Arzt infiziert sich im Kongo mit Ebola. Charité-Ärzte und Pflegekräfte retteten vermutlich sein Leben. Was ein neues Medikament damit zu tun haben könnte und wie Christian Drosten ins Spiel kam.

Berlin.

Der Zustand des mittlerweile genesenen Ebola-Patienten in der Berliner Charité war zwischenzeitlich lebensbedrohlich. Vor allem die Stunden zwischen dem Abflug des US-amerikanischen Arztes aus Uganda und der Ankunft in Deutschland seien kritisch gewesen, sagte Charité-Arzt Leif Erik Sander, der Direktor der Klinik für Infektiologie und Intensivmedizin ist, bei einer Pressekonferenz. "Das sind Stunden, wo wir Sorge hatten, dass es sich so rasch verschlechtern könnte, dass er den Transport nicht mehr überlebt." 

Nach gut zwei Wochen Behandlung in der Berliner Charité wurde der US-amerikanische Ebola-Patient vor wenigen Tagen aus dem Krankenhaus entlassen. Er war in der Demokratischen Republik Kongo als Arzt tätig und hatte sich dort bei einer Patientin angesteckt. Auch seine Frau und seine vier Kinder kamen in die Charité, hatten aber keine Symptome und befanden sich in einem getrennten Teil der Station in Quarantäne. Die Frau sei ebenfalls Ärztin und hätte im Kongo die gleiche Patientin wie ihr Mann behandelt, erklärte Sander. Bei Kindern könne Ebola "sehr rasch" zum Tode führen. Deswegen sei die Familie täglich untersucht worden. 

Behandlung mit experimentellem Medikament 

Vater, Mutter und Kinder wurde den Angaben nach mit einem experimentellen Medikament mit dem Namen MBP134 behandelt. Das ist ein Antikörper-Präparat, das noch nicht zugelassen ist und derzeit klinisch getestet wird. Weltweit seien erst sechs gesunde Menschen damit getestet worden, sagte Sander. "Das heißt die Datenlage ist sehr gering." Außerdem erhielt der Mann das Medikament Remdesivir, das auch zur Behandlung von Menschen mit Covid-19 eingesetzt wird. 

Die Ärzte hätten den Eindruck gehabt, dass der Gesundheitszustand des Mannes sich mit dieser kombinierten Therapie sehr rasch stabilisiert habe, so der Infektiologe. "Allerdings unter der Einschränkung: Wir wissen nicht, was passiert wäre, wenn diese Medikamente nicht verabreicht worden wären, so ist das bei individuellen Heilversuchen." Man könne daher nicht sicher sagen, ob das Präparat helfe. 

Die Charité wäre bereit, weitere Ebola-Patienten zu behandeln, sagt Sander.
Die Charité wäre bereit, weitere Ebola-Patienten zu behandeln, sagt Sander. Bild: Soeren Stache/dpa

Ein Mittel für die Menschen im Kongo?

Im Kongo gibt es inzwischen mehr als 100 bestätigte Todesfälle, hunderte Menschen sind infiziert. Könnten diese dort ebenfalls mit MBP134 behandelt werden? Es wäre wichtig, diese Art von Präparaten Menschen in den Endemiegebieten zur Verfügung zu stellen, vor allem Helfenden, sagte der Infektiologe. Die Voraussetzungen seien aber schwierig. "In den Ausbruchsgebieten fehlt es teilweise an allem." Die medizinische Ausstattung sei schlecht. Außerdem würden die Regionen zum Teil von Milizen kontrolliert. "Deswegen wäre meine Hoffnung, dass man das Medikament wirklich vor Ort bekommt, nicht so hoch." 

Christian Drosten entwickelte PCR-Tests 

Der Ausbruch im Kongo blieb relativ lange unbemerkt, auch weil es laut Sander keine geeigneten Tests gab, die auf das Virus ansprangen. Der Charité-Virologe Christian Drosten habe maßgeblich daran mitgearbeitet, einen passenden PCR-Test zu entwickeln. Die Tests seien Laboren weltweit zur Verfügung gestellt worden. 

Das Zimmer des US-amerikanischen Patienten auf der Sonderisolierstation der Charité ist nun wieder leer. Anfragen für die Aufnahme weiterer Ebola-Patienten gebe es derzeit nicht, sagt Sander. "Wenn wieder Patienten Hilfe brauchen, stehen wir natürlich zur Verfügung." (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
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