Wo Museumspuppen erzgebirgisch reden

Das Erzgebirge ist einzig - auch wegen der Sprache. "Freie Presse" und Erzgebirgsverein schauen dem Volk aufs Maul. Heute: Gelenauer Strumpfmuseum macht sich mit überarbeiteter Ausstellung jetzt auch mundartlich auf die Socken.

Gelenau.

Geschäftigkeit herrscht hinter den verschlossenen Türen zum Ersten Deutschen Strumpfmuseum in Gelenau. Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung und Handwerker sind - von Werbefachleuten unterstützt - dabei, die bereits vor der Corona-Pandemie wegen Umbauarbeiten geschlossene Ausstellung für die im Juli geplante Neueröffnung zu rüsten. "Wir haben die Präsentation überarbeitet, Ausstellungsräume modernisiert und die auszustellende Technik samt den ungezählten Sachdokumenten für die kommende Ausstellungszeit präpariert", so Robby Schubert, der als Projektangestellter im Strumpfmuseum die konzeptionellen Fäden mitzieht.

Nach einer mehr als zwei Jahrzehnte währenden Ausstellungsphase war es Anliegen, das 1992 eröffnete Museum sowohl methodisch als auch technisch aufzufrischen. Dabei dreht sich die Schau mit ihrem Schwerpunkt thematisch um die Textilindustrie, wird das von Strumpfwirkerei und Strickerei bestimmte Leben der Leute auf dem Lande erzählt. "Und dies im wahrsten Sinne des Wortes - sogar zweisprachig", erläutert Robby Schubert.

Nicht nur Anschauen und Anfassen sind demnächst gefragt. Auch Zuhören heißt es künftig. "Ein Herzstück der Ausstellung wird die Strumpfwirkerstube sein. Wir haben eine Kulisse geschaffen, die Einblick in die Lebenssituation der Erzgebirger um 1895 gibt", so der Gelenauer. "Neben zeitgemäßem Mobiliar wurden die Arbeitsgeräte aufgestellt, die von den Familien seinerzeit benutzt worden sind und mit denen sie sich ihren Lebensunterhalt verdient haben."

Die Ausstellungsszene wird per Knopfdruck lebendig: Großmutter Ella, die Enkel Willy und Lotta sowie Vater Lothar plaudern via Digitaltechnik auf Erzgebirgisch los. Die Puppen wurden von Reinhold Uhlig, dem ehemaligen Obergewandmeister am Annaberg-Buchholzer Theater, eingekleidet. Das Publikum wird vom harten Arbeitsalltag erfahren, welchen Wert seinerzeit Lampenöl hatte, wie mühevoll es für Kinderhände war, Strümpfe zu nähen. Die Rede ist von Strümpp und Soksch sowie vom salling genutzten Handkulierstuhl. "In Gelenau wird die Muttersprache noch gelebt, insofern reifte bei den Ausstellungsmachern die Idee, dieses akustische Angebot zu unterbreiten und einen speziellen Höreindruck zu vermitteln", so Robby Schubert. Der fand in Hendrik Seibt, seines Zeichens Autor und Musiker, einen Mitstreiter. Der wiederum konnte als Lehrer an der Freien Oberschule Gelenau auf die dortige Interessengruppe Mundart zählen. "Gemeinsam mit Kerstin und Lina Jonas sowie Albin Dittrich haben wir im Tonstudio des Großolbersdorfers David Brand die knapp fünfminütige Hörspielszene aufgenommen", erklärt Seibt und verweist darauf, dass Auswärtige nicht Bahnhof verstehen müssen. "Mit dem Drücken des zweiten Knopfes wird eine hochdeutsche Version gespielt."

Kerstin Jonas zählt zu den Mitgestaltern dieses Schau- und Hörbildes. "Die Idee hat mich sofort begeistert. Mundart ist immer gut, hat leider an Stellenwert verloren. Es bedarf solcher Angebote, sie weiter zu pflegen", sagt die Verkäuferin, die in diesen Corona-Tagen einen Mundartbegriff für die Wortsammlung vorschlägt: "Schnutendeckel - unser Mund- und Nasenschutz". Und ergänzt ihre Angebote um zwei weitere: Bevor die Ausstellungsmacher rimflameln können (rumlungern), gelte es zum Borschtelwisch, dem Handfeger zu greifen, um "rein Schiff zu machen".


Machen Sie sich einen Reim auf Orte ... und einen Kopf um Worte

Diese Neuauflage der Suche nach dem erzgebirgischen Wort, gemeinsam organisiert von "Freie Presse" und Erzgebirgsverein, hat es in sich:Dieses Mal geht es nicht allein um einfache Worte, sondern auch um Reime und einen Song.

Wie immer gesucht: Ihr Lieblingswort in erzgebirgischer Mundart, diesmal zum Thema Hobby & Freizeit. Zudem gesucht: Strophen für einen neuen Erzgebirgssong. Es könnte das Lied des Jahres werden - wenn Sie, Ihrer Reim-Ader kräftig Zucker geben: für eine Hommage auf Ihren Wohn- oder Lieblingsort im Erzgebirge. Mundart-Musiker Hendrik Seibt hat bereits die Melodie komponiert und einen Beispiel-Reim gemacht - natürlich auf seinen Heimatort Gelenau:

Zwischen Annabarch un Chams, do liecht a Ort mit Sonnenglanz!

Dieser Ort is werklich schie,

ne klare Dorfbooch, Walder grie!

Dieser Ort ist ellenlang,

de Gälner zieh nan änem Strang!

Uhm fällst de hie, es Bäh kaputt, in Niedergäln bist Du schu tud!

Nun ist es an Ihnen! Bringen Sie Ihren Wohn- oder Lieblingsort humorvoll in ebenso lange acht sich reimenden Zeilenin erzgebirgischer Mundart. Eine Jury wird die schönsten auswählen.Ihren Achtzeiler senden Sie an: Freie Presse, Markt 8 in 09456 Annaberg-Buchholz oder per E-Mail an:

red.annaberg@freiepresse.de

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