Zeichen, Codes, Parolen - Immer wieder Ärger um Graffiti

An mehreren Orten im Stadtgebiet sind in den vergangenen Tagen erneut großformatige Schmierereien aufgetaucht. Sogar die Polizei selbst zählt zu den Betroffenen.

Auf dem Papier sieht es so schlecht nicht aus: Mit 630 polizeilich bearbeiteten Fällen im vergangenen Jahr gab es laut Kriminalstatistik in Chemnitz zuletzt so wenige Sachbeschädigungen durch Graffiti wie seit 2014 nicht mehr. Doch beim Gang durchs Stadtgebiet mehren sich derzeit einmal mehr die Zweifel, ob die Bilanz weiterhin ähnlich günstig ausfallen wird. Seit Wochen tauchen immer wieder neue Schmierereien auf - vom kleinen Gekrakel, das für Uneingeweihte oft uninterpretierbar bleibt, über mehrzeilige Botschaften politischen Inhalts bis zum großformatigen, gut lesbaren Schriftzug ist alles dabei. Künstlerische Ansprüche indes lassen sich in den seltensten Fällen erkennen.

Zu Beginn dieser Woche meldete die Polizei erneut zwei Vorfälle, die sich nur Tage zuvor ereignet haben. In einem Fall erwischte es die Beamten selbst - an der Fassade der Polizeidirektion an der Hartmannstraße wurde zwischen Samstagnachmittag und Sonntagmorgen in großen Ziffern großflächig die vierstellige Zahlenkombination "1312!" gesprüht. Der Code steht für eine international gängige polizeifeindliche Parole. Bis zu 4,50 Meter lang waren die Schriftzüge, die ebenfalls am Wochenende in Pink an die Fassade des Keplergymnasiums auf dem Sonnenberg aufgebracht wurden. "Scheiß Schule!", heißt es dort auf Englisch.

Dass es auch noch größer geht, zeigte Mitte Mai eine weithin sichtbare Buchstaben-Kombination an einer Fassade der Ermafa-Passage an der Limbacher Straße. Die Lettern erstreckten sich dort gleich über zwei Stockwerke in die Höhe. Allerdings nur für kurze Zeit. Der Eigentümer ließ das Ganze umgehend wieder entfernen. Schon tags darauf war nichts mehr zu sehen.

Auch die Chemnitzer Siedlungsgemeinschaft (CSg), mit mehreren Tausend Wohnungen einer der größten Vermieter der Stadt, hat immer wieder mit derlei Vorfällen zu kämpfen. "Für uns ist das höchst ärgerlich", sagt Ringo Lottig, vom Vorstand der Genossenschaft. Der Schaden gehe in die Tausende. Einer der Schwerpunkte war zuletzt der Außenbereich einer neu entstehenden Wohnanlage auf dem Kaßberg, die unter anderem mit einer lang gezogenen Mauer eingefasst ist - eine Reminiszenz an das historische Vorbild aus Natursteinen. Doch nicht nur dort hinterlassen Sprayer immer wieder ihre Spuren, auch die nahe gelegene, äußerlich ähnlich gestaltete Stützwand der Kaßbergauffahrt ist regelmäßig Mode. "Kaum war die Straße nach monatelanger Sperrung wieder offen, waren dort schon die ersten Schmierereien zu sehen", schimpfen Passanten.

Dass derlei illegale Aktionen tendenziell wieder häufiger zu verzeichnen sind, will die Polizei trotz der jüngsten Vorkommnisse nicht bestätigen. Zum einen, weil längst nicht jedes Graffito umgehend angezeigt wird. Zum anderen, weil oft nur besonders außergewöhnliche Fälle - großformatige Graffiti oder Schriftzüge strafbaren Inhalts - Eingang in die Berichterstattung der Medien finden, erläutert eine Sprecherin.

Mit der Aufklärung der Fälle beschäftigt sich bei der Polizeidirektion Chemnitz eine eigene Ermittlungsgruppe. Um politische Parolen und Zeichen kümmert sich, sofern strafrechtlich relevant, der Staatsschutz. So zum Beispiel im Falle antisemitischer Schriftzüge und eines Hakenkreuzes, die Mitte vergangener Woche auf einem Spielplatz im Yorckgebiet festgestellt wurden, oder eines großen Hakenkreuzes, das Ende Mai auf einem Vereinsgelände in Röhrsdorf an die Wand eines Containers geschmiert worden war. Die Ermittlungserfolge allerdings halten sich - wie bundesweit - eher in Grenzen. Selbst in guten Jahren konnte zuletzt nur für jeweils eine von vier Sachbeschädigungen durch Graffiti ein Tatverdächtiger gefasst werden.

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