1946: Die wichtigsten Urteile der Nachkriegszeit bei den Nürnberger Prozessen

Die Urteile in den Nürnberger Prozessen gegen die Kriegsverbrecher wurden in Auszügen auch von der "Freien Presse" gedruckt.

30. September 1946: In Nürnberg werden an diesem Montag und dem darauffolgenden Dienstag die Urteile gegen die Hauptkriegsverbrecher des nationalsozialistischen Regimes verkündet. Die "Freie Presse" druckt in ihrer Ausgabe vom 2. Oktober das Urteil in Auszügen ab. Vor allem die Aussagen von Überlebenden des Holocausts während der Prozesse vermittelten die für viele bis dato unvorstellbaren Ausmaße der verbrecherischen Politik des "Dritten Reiches".

Die Anklageschrift gegen die Beschuldigten (unter anderem Reichsmarschall Hermann Göring, Außenminister Joachim von Ribbentrop und Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß) sowie einige Organisationen (unter anderem Geheime Staatspolizei (Gestapo) und Schutzstaffel (SS) wurde im Oktober 1945 in Berlin eingereicht. Die vier Anklagepunkte lauteten: Verschwörung, Planung und Führung von Angriffskriegen, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die vier Alliierten stellten sowohl die Richter (Vorsitz Großbritannien) als auch die Ankläger. Der Prozess begann am 20. November 1945 und endete am 31. August 1946. In dieser Zeit fanden 403 öffentliche Sitzungen statt. Mehr als 300 Zeugen sagten aus. Hinzu kamen rund 1800 eidesstattliche Erklärungen. Darüber hinaus beruhte das Verfahren gegen die Angeklagten "in großem Maße auf den von ihnen selbst angefertigten Dokumenten", heißt es in der abgedruckten Zusammenfassung des Urteils. Die Alliierten hatten diese Dokumente unter anderem in Armeehauptquartieren und Regierungsgebäuden sichergestellt.

In ihrer Urteilsverkündung gingen die Ankläger auch auf das seinerzeit vorgebrachte Argument ein, das Völkerrecht sei auf Einzelpersonen nicht anwendbar und diese als hohe Staatsbeamte von jeder Verantwortlichkeit befreit. "Der Gerichtshof erklärt, daß die Lehre der Unverletzlichkeit von Staatsoberhäuptern in Fällen, wo ein Staat das internationale Recht verletzt, keine Anwendung finden kann", heißt es in der "Freien Presse". Der Kriegs-Ächtungsvertrag von 1928 war bei Ausbruch des Krieges im Jahre 1939 auch für Deutschland bindend.

Insgesamt wurden im Prozess zwölf Angeklagte zum Tode verurteilt, sieben erhielten langjährige oder lebenslange Haftstrafen, drei wurden freigesprochen. Von den zwölf Todesurteilen wurden zehn am 16. Oktober vollstreckt. Nach Angaben der Stiftung "Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland" wurden in Nürnberg vor US-Militärgerichten bis 1949 zwölf weitere Prozesse gegen deutsche Ärzte, Juristen, Industrielle, SS- und Polizeiführer, Militärs, Minister, Beamte und Diplomaten geführt. "Von 185 Anklagen werden 177 Urteile gesprochen, davon 142 Haftstrafen oder Todesurteile. Vier Personen begehen Suizid, vier werden krankheitsbedingt für verhandlungsunfähig erklärt. Neben den Nürnberger Prozessen finden in allen vier Besatzungszonen weitere Verhandlungen gegen Kriegsverbrecher statt", heißt es im Lebendigen Museum Online der Stiftung.

Das Memorium Nürnberg informiert heute am Originalschauplatz über die Prozesse. Teile der originalen Anklagebank sowie historische Ton- und Filmdokumente sollen den Besuchern einen lebendigen Eindruck vom Prozessgeschehen vermitteln. (cw)

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