1971: Karl-Marx-Monument wird aufgestellt

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Der sowjetische Künstler Lew Kerbel gilt als Kopf des Karl-Marx-Monuments. Dass dieses heute noch steht, ist wohl auch neun Schweißern des VEB Germania zu verdanken.

9. Oktober 1971: Unter den Augen von 250.000 Menschen wird das Karl-Marx-Monument nach einem Entwurf des sowjetischen Künstlers Lew Kerbel eingeweiht. Bereits am 10. Mai 1953 war Sachsens drittgrößte Stadt von Otto Grotewohl, dem damaligen Ministerpräsidenten der DDR, von Chemnitz in Karl-Marx-Stadt umbenannt worden.

"Dieses Denkmal wird fortan das Bild des neuen Zentrums dieser Stadt prägen, die zu den ältesten und traditionsreichsten Kampfstätten in der Geschichte der revolutionären Arbeiterbewegung gehört", heißt es in der Ansprache, die Erich Honecker, Erster Sekretär des Zentralkomitees der SED, aus Anlass der Einweihung hält. Das Monument sei der Beweis für die völkerverbindende Kraft des Marxismus-Leninismus. Ausdrücklich lobt Erich Honecker die hohe "Meisterschaft der sowjetische Monumentalkunst".

In der Kunstgießerei Monument Skulptura in Leningrad in Bronze gegossen, wurde das Monument in 95 Einzelteilen nach Karl-Marx-Stadt gebracht. Erich Honecker verliert in seiner Rede kein Wort über die Arbeiter des VEB Germania Karl-Marx-Stadt, die die Bronzeteile zusammenschweißten, weil die sowjetische Technik nicht geeignet erschien. Am 7. Oktober widmete die "Freie Presse" zwei dieser Arbeiter eine Sonderseite. "Eines Tages gehe ich mit meinen Enkeln, in dreißig Jahren vielleicht mit meinen Urenkeln diese Straße entlang und werde zu ihnen sagen: An diesem Monument habe ich mitgewirkt. Sicher stehe ich dann davor, genauso wie heute, ergriffen und beeindruckt von diesem Denkmal und vor allem von der Schöpferkraft des Mannes, den es darstellt", wird der Kupferschmied Gerhard Piltz zitiert. Über Nacht sei ihm und acht anderen Schweißern die Aufgabe übertragen worden, die Einzelteile zusammenzufügen. ",So über Nacht'', werde ich meinen Enkeln sagen, ,musste ich mich entscheiden, eine noch nicht ausprobierte Arbeit zu übernehmen'", erklärt Gerhard Piltz dem "Freie Presse"-Reporter. Auch Heinz Oertel zögert nicht, den Auftrag zu übernehmen. Es mussten 350 Meter Schweißnaht geschafft werden. "Wir hatten verflucht harte Termine. Es regnete oft. Schweißen und Regen, das ist wie Feuer und Wasser. (...) Ich kann mich nicht erinnern, dass einer von uns jemals auf die Uhr gesehen hätte."

Intensiv begleitete seinerzeit der Stadtarchitekt Karl-Joachim Beuchel den langwierigen Prozess von der Idee zum Monument. "Soweit ich mich erinnere, erhielt Lew Kerbel für die mehrjährige Arbeit 100.000 DDR-Mark Honorar. Insgesamt hat das Monument 1,5 Millionen gekostet. Zum Vergleich: ein Elfgeschosser mit acht Eingängen kostete rund 900.000 DDR-Mark", sagte Beuchel 2011 der "Freien Presse".

Zu DDR-Festtagen wie dem Tag der Republik oder dem 1. Mai diente das Monument als Kulisse für die politische Machtdemonstration der SED. Zudem zierte es eine Marke, mit der DDR-Bürger ihre Briefe frankieren konnten. Nach der Wende bekam Chemnitz seinen ursprünglichen Namen zurück, der -Kopf blieb. Er schmökerte seitdem im Katalog eines schwedischen Möbelhauses, bekam ein Trikot der deutschen Fußballnationalmannschaft angezogen und einen Hut aufgesetzt. Eines hat sich in all den Jahren nicht geändert: "Dor Nischl" bleibt ein einmaliges Wahrzeichen der Stadt. (cw)

Karl Joachim Beuchel war zu DDR-Zeiten langjähriger Stadtbaudirektor in Karl-Marx-Stadt. In dieser Funktion war er auch für die städtebauliche Einordnung des Karl-Marx-Monuments in den Wiederaufbau des Stadtzentrums verantwortlich. Wenige Tage vor dem 40. Jahrestag sprach er mit Udo Lindner über das Monument. Zum Beitrag: Beuchel: "Viele Parteifunktionäre waren regelrecht geschockt"

Auch heute heben einige Produkte aus der Stadt auf das Monument ab:

Zum Hinstellen (CWE-Onlineshop)

Zum Anziehen (Karlskopf)

Zum Trinken (Marxstädter)

Zum Lesen (Freie-Presse-Shop)

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