1976: Vierlinge aus Karl-Marx-Stadt

Zum dritten Mal nach 1950 und 1956 kamen 1976 in der DDR Vierlinge auf die Welt.

19. März 1976:Carsten, Jürgen, Birgit und Holger heißen die Vierlinge, die in der Universitäts-Frauenklinik in Leipzig per geplantem Kaiserschnitt in der 35. Schwangerschaftswoche das Licht der Welt erblicken. Mutter Ute Seidel ist Betriebsärztin der "Freien Presse", des Druckhauses und des Centrum Warenhauses Karl-Marx-Stadt, Vater Wolfgang Architekt im Stadtbauamt.

Gesunde Vierlinge sind zu dieser Zeit, als Eltern ihre frühgeborenen Kinder wochenlang nur am Klinikfenster gezeigt bekommen, eine Sensation. Mit einem Geburtsgewicht zwischen 1540 Gramm und 2180 Gramm, 44 und 45 Zentimeter groß, sind die vier nach heutigen Maßstäben recht große und schwere Frühchen.

Wenige Tage nach der Geburt schickt die "Freie Presse" einen Journalisten und einen Fotografen für eine Art Homestory in die Leipziger Uniklinik. Auf die Frage, wie sie ich gefühlt habe, als sie erfuhr, dass es Vierlinge werden, sagte Ute Seidel: "Bekannt war das eigentlich schon seit dem 5. Monat der Schwangerschaft, als durch eine Untersuchung mit dem Ultraschallgerät die Vierlinge festgestellt wurden. Erst muss man sich natürlich mit dem Gedanken vertraut machen, dass zu den zweien, die schon in der Familie sind, noch vier dazukommen. Aber diese Gedanken, wie es eigentlich weitergehen soll, waren sehr schnell vorbei."

In der Universitäts-Frauenklinik und der Kinderklinik der Leipziger Universitätsklinik wurde für die Geburt ein umfangreiches Programm vorbereitet, zu der auch eine besondere Ernährung für die Mutter gehörte. "Am 18. März waren dann rund 35 Mediziner und Angehörige des medizinisch-technischen Personals im OP-Saal der Leipziger Universitäts-Frauenklinik an der Geburt beteiligt. Kurz nach 8 Uhr erblickte Carsten, der größte und ,älteste' der vier, das Licht der Welt. Innerhalb weniger Minuten war die Geburt der Vierlinge beendet", heißt es im "Freie Presse"-Artikel.

Anfang April 1976 kann Ute Seidel ihre Vierlinge erstmals in den Armen halten - ganz anders als das heute üblich ist. "Dann ist noch eine Kur nötig, während der sie ihre vier in Leipzig in der Klinik noch in guter Obhut weiß. Ende Mai werden die beiden Zwillingswagen, die ihr das Centrum-Warenhaus schenkte, dann auch in Karl-Marx-Stadt zu sehen sein", notiert der "Freie Presse"-Reporter in seinem Bericht.

Seitdem sind 45 Jahre vergangen: "Alle vieren geht es gut", sagt Ute Seidel, die mit ihrem Mann immer noch in Chemnitz wohnt. Ihre Vierlinge Carsten, Jürgen, Birgit und Holger sind dagegen im ganzen Land verstreut. Auf die Vierlingsgeburt werden die heute erwachsenen Kinder nicht mehr angesprochen. "Das Thema hat sich irgendwann verlaufen und jeder der Vier ist seinen Weg gegangen", erzählt Ute Seidel. Die meisten Eltern können es vermutlich nachvollziehen, wenn Ute Seidel davon berichtet, dass es nicht immer leicht gewesen sei, vier Kinder auf einen Schlag großzuziehen. Die Kinder hat das aber offensichtlich nur noch enger zusammengeschweißt. In der Familie lief vieles Hand in Hand, keiner der Vier habe einen Aufstand geprobt. "Das hat mir vieles erleichtert", sagt Ute Seidel rückblickend. (cw)

Im Mai 2017 wurde ein Paar aus Kirchberg ebenfalls Eltern von Vierlingen - dabei hatte Familie Stejskal bereits vierjährige Zwillinge. Die Wahrscheinlichkeit für eine Vierlingsschwangerschaft beträgt rund 1:600.000.

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