100 Jahre hobeln, leimen, nageln: Tischlerei feiert Jubiläum

Dieser Familienbetrieb hat Tradition: In fünfter Generation hinterlässt Michael Uhlmann Spuren aus Holz in der ganzen Region.

Dennheritz.

Der Nachbau einer Schnelllaufmaschine aus der Tischlerei Uhlmann in Dennheritz hat es auch schon auf eine Theaterbühne geschafft. Das Modell war im Sommer auf der Burg Dagestein im oberpfälzischen Vilseck zu sehen - in der Aufführung "Die falsche Spanierin". Die Theaterleute hatten die hölzerne Schnelllaufmaschine im Internet entdeckt. "Wir haben sie leihweise zur Verfügung gestellt und als Dankeschön einige Karten für die letzte Aufführung bekommen", sagt Firmenchef Michael Uhlmann.

Der 33-Jährige und seine Kollegen hinterließen in der Vergangenheit schon auf verschiedenen Baustellen ihre Spuren: Die Mitarbeiter kümmerten sich unter anderem um die Aufarbeitung von alten und die Anfertigung von neuen Fenstern für das Max-Pechstein-Museum in Zwickau. Zudem stammen die Wandverkleidung der Naturforscher-Akademie "Leopoldina" in Halle und die historischen Türen im Krochhochhaus in Leipzig aus dem Familienbetrieb. In der hiesigen Region waren die Holzwürmer unter anderem mit dem Wiederaufbau des Irish Pub in einem Hotel an der Wettiner Straße in Glauchau beschäftigt.


Ganz klar: Im Verlauf von einhundert Jahren haben sich die Abläufe auch in einer Tischlerei gewandelt. 1918 standen die Kunden ausschließlich noch persönlich in der Werkstatt, um ihre Wünsche vorzutragen. Damals wurde vor allem Holz aus der polnischen Kiefer verarbeitet, welches die Lieferanten mit der Pferdekutsche brachten. Heute setzt das Team um Michael Uhlmann vor allem auf Holz von Eichen aus dem Rhön-Gebiet und Kiefern aus Österreich. Viele Bestellungen von Kunden gehen über das Internet ein. "Für uns als Handwerker ist eine gute Mundpropaganda ganz wichtig. Damals wie heute", sagt Michael Uhlmann. Der kleine Betrieb hat sich vor allem auf den Bau von Möbeln sowie die Restauration von Türen und Fenstern spezialisiert. Zudem übernimmt die Tischlerei die komplette individuelle Innenausstattung von Häusern. "Die Vielseitigkeit ist das Schöne an unserem Beruf", sagt Michael Uhlmann, der das Unternehmen nun schon in der fünften Generation führt. "Das macht mich stolz."

Das Jubiläum wird heute mit einem Empfang für geladene Gäste und einem Tag der offenen Tür gefeiert. Zwischen 14.30 und 18 Uhr dürfen Kunden, Geschäftspartner und interessierte Gäste einen Blick in die Werkstatt werfen. Dort sind verschiedene Arbeitsproben und historisches Werkzeug zu sehen. Zudem wird ein Sarg ausgestellt. "Die Fertigung von Särgen gehörte bis 1973 mit zu den Aufgaben einer Tischlerei", sagt der langjährige Inhaber Jürgen Uhlmann, der die Tischlerei zu Beginn des Jahres an seinen Sohn übergeben hat. Zuletzt wurde unter anderem in die Anschaffung einer neuen Kantenanleimmaschine und von Computertechnik investiert. Eine Breitbandschleifmaschine steht noch auf der Wunschliste.

In den letzten Monaten hat Familie Uhlmann auch viel Zeit in die Aufarbeitung der Firmengeschichte gesteckt. Doris Kattner, Schwester des Inhabers, wälzte alte Unterlagen. Joachim Schnabel vom Heimatverein Dennheritz/Schindmaas gab zuvor den Hinweis, dass sich das Jubiläum in diesem Jahr zum 100. Mal jährt. Im Kreisarchiv Zwickau taucht die Tischlerei erstmals am 5. Dezember 1918 auf. "Wir können aber nicht ausschließen, dass in der Werkstatt an der Lauenhainer Straße auch schon etwas früher mit der handwerklichen Tischlerkunst begonnen wurde", sagt Michael Uhlmann.


Meilensteine der Tischlerei

1918: Betriebsbeginn durch Max Weise in einem Haus an der heutigen Lauenhainer Straße 18 in Dennheritz.

1931: Baugenehmigung zum Einbau einer Tischlerwerkstatt und damit Umzug vom Wohnhaus in die Scheune.

1954: Gewerbeanmeldung durch Siegfried Uhlmann, der die Tischlerei altersbedingt von Max Weise übernimmt.

1971: Bauantrag zum Anbau einer Tischlerwerkstatt und später Umzug des Unternehmens an die heutige Lauenhainer Straße 29.

1982: Jürgen Uhlmann übernimmt die Werkstatt von Siegfried Uhlmann.

1992: Erweiterung der Tischlerei durch Neubau einer Produktionshalle mit Lackieranlage.

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