100 Jahre polstern: Betrieb feiert Jubiläum

Der Familienbetrieb "Möbel Ulbricht" besteht ein ganzes Jahrhundert. Die Polsterei wird mittlerweile in dritter Generation geführt. Georg Ulbricht erhielt dieses Jahr seinen Diamantenen Meisterbrief.

Meerane.

Der Familienbetrieb in der Poststraße in Meerane hat sich behauptet. Ein ganzes Jahrhundert lang. Georg Ulbricht, der älteste Raumausstattermeister der Familie, erhielt vor einigen Tagen von der Handwerkskammer Chemnitz seinen Diamanten Meisterbrief. 1959 bestand er die Meisterprüfung im Tapezierhandwerk. Was hat sich seither alles verändert? Der 88-Jährige erinnert sich an frühere Zeiten und Veränderungen, die der Betrieb durchlebte.

Für den Senior ist ganz klar: Im Verlauf der jahrzehnte hat sich auch der Geschmack der Kunden verändert. "In den 1970er und 80er Jahren waren Eckbänke sehr beliebt. Die sind heute kaum noch gefragt", sagt er. Auch der Kundenandrang sei nicht mehr so groß wie damals. Gern erinnert er sich an die Blütezeit des Betriebs zurück. "Das war in der DDR. Da standen die Leute vor unserem Laden Schlange. Nach der Wende gab es dann Möbel an jeder Ecke zu kaufen."

Doch zurück zum Ursprung. Sein ganzes Leben war der 88-Jährige mit dem Betrieb verbunden, den sein Vater, Georg Ulbricht senior, 1919 in der Poststraße 44 gründete. Schon damals begann die Ulbrichts zusätzlich zum Handwerk mit dem Handel von industriell hergestellten Möbeln. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste wieder von vorn begonnen werden. Das Unternehmen blühte in den folgenden Jahren wieder auf. In der Werkstatt fertigten Georg Ulbricht senior und seine Mitarbeiter traditionelle Polstermöbel mit Handschnürung. "Ich erinnere mich, wie mein Vater beispielsweise aus in rohem Holz eingekaufte Tische und Stühle nach Kundenwunsch beizte und polierte", sagt der 88-Jährige. Nach 43 Jahren übertrug er seinem Sohn Georg junior die Verantwortung für die Firma. In dieser Zeit zeichneten sich bereits durch die Verstaatlichung der Industrie erste Probleme ab. "Anfang der 1970er-Jahre sahen wir uns gezwungen, uns völlig auf das Polsterhandwerk zu konzentrieren", sagt er. Trotz Mangelwirtschaft und der dadurch bedingten Lieferzeiten von über drei Jahren, entwickelte er ständig neue Modelle, wie Elementgarnituren und 'Eckbänke nach Maß'. Mitte der 1980er-Jahre kreierte er ein Rundbett, welches zu einem Verkaufsschlager wurde. In dieser Zeit beschäftigte der Familienbetrieb bis zu acht Polsterer. 1990 kam die Wende. Wie für viele Betriebe begann auch für die Ulbrichts ein geschäftlicher Umsturz. Die Polsterei stand kurz vor dem Aus. "Preiswerte Möbel wurden überall angeboten. Wir mussten uns umorientieren", sagt sein Sohn Matthias Ulbricht, der in den Familienbetrieb einstieg. Ein Teil der Mitarbeiter musste entlassen werden. Der Polsterer stellte den Familienbetrieb wieder auf Handel um, suchte Industrielieferanten und baute Werkstatt und Lagerräume zu einer Ausstellungsfläche um. Schon zu dieser Zeit konzentrierte man sich auf geplante Einbauküchen. 1996 wurde die Ausstellungsfläche komplett umgebaut. Inzwischen - unter Federführung der dritten Generation - erwarb Sohn Matthias das Nachbargebäude mit der Hausnummer 46 und baute dieses komplett um.

Wie sie es geschafft haben, über all die Jahre bestehen zu bleiben? "Dass es unseren Familienbetrieb heute noch gibt, ist der Tatsache geschuldet, dass wir uns auf Veränderungen immer wieder neu eingestellt haben. Wir haben einen Weltkrieg, Wirtschaftskrisen, den Sozialismus, aber auch die Wende überstanden", sagt Matthias Ulbricht. Doch das Jubiläum ist nicht nur ein Tag, um zurückzuschauen, sondern auch in die Zukunft blicken. Wie geht es mit dem Familienbetrieb weiter? "Derzeit interessieren sich meine beiden Enkel noch nicht für den Betrieb. Mal schauen, ob sich das in der Zukunft noch ändert", sagt Georg Ulbricht, der es sich nicht nehmen lässt, trotz Rentnerdasein jeden Morgen die Ladentür aufzuschließen.

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