290 harte Kilometer zum Glück

Das Team "Steile Wand" hat den anspruchsvollen Rundkurs unter die Räder genommen. Schöne Aussichten und tolle Landschaften haben die Hobbyradfahrer für die 13,5-stündige Anstrengung entschädigt.

Stollberg.

Es ist Samstag, kurz nach Sonnenaufgang in Oberwiesenthal. Noch haben die neun Fahrer des Radteams "Steile Wand" nur eine vage Vorahnung, was an jenem Tag vor einer Woche auf sie zukommen würde. Die ambitionierten Hobbyradfahrer hatten sich vorgenommen, den Stoneman Miriquidi Road unter die Räder zu nehmen: 290 Kilometer, 13 Anstiege, 4900 Höhenmeter rund um den Erzgebirgskamm auf deutscher und tschechischer Seite. Die gute Nachricht vorab. Das komplette Team hat die Rundfahrt wohlbehalten und pannenfrei geschafft. In der Abenddämmerung hatte auch der letzte Fahrer den letzten Anstieg zum Fichtelberg geknackt. "Ich bin schon den 300 Kilometer langen Radklassiker Mailand-Sanremo gefahren. Aber diese Runde ist noch einmal eine ganz andere Herausforderung. Es geht ständig bergauf und bergab", fasst Teamleiter Dirk Dießel die Tour zusammen.

Organisiert hatte die Fahrt Tim Marienfeld aus Meinersdorf. Eine gute Planung ist bei einer solchen Tour unumgänglich. Die Strecke führt über öffentliche Straßen und ist nicht ausgeschildert. "Ein Navi ist unumgänglich. Wenigstens die Gold-Kategorie kann man sicher nicht anhand des Roadbooks fahren, das der Veranstalter herausgibt", sagt Marienfeld. Schließlich führt die Route auch über Abschnitte, die Autofahrer eher nicht kennen. Körperlich verlangt der Stoneman den Fahrern einiges ab. "Es handelt sich um eine sehr anspruchsvolle Strecke auf der jeder hart kämpfen muss", sagt Diesel. Die Fahrt in der Gruppe helfe jedem einzelnen, die Tortur durchzuziehen. "Man kann sich über die Eindrücke austauschen und gegenseitig motivieren", erläutert Diesel. An den Anstiegen bringe die Gruppe hingegen keinen Vorteil - da müsse jeder sein Tempo finden.

Die Streckenführung entschädigt allerdings für die körperliche Anstrengung. "Gerade auf der deutschen Seite haben sich die Veranstalter viel Mühe gegeben, touristische Hotspots einzubinden", lobt Dießel. Auf der tschechischen Seite sei das eher rudimentär gelungen. Dort gebe es an den Stempelstellen auch keine großen Infotafeln. Es gebe meist Stempelzangen an Verkehrsschildern. Manche Stoneman-Tafel sei komplett verschwunden.

Ein Reiz der Tour sind die unterschiedlichen Landschaften mit den jeweils typischen klimatischen Bedingungen. "Es ist ein grandioser Ausblick, wenn man von Altenberg nach Zinnwald fährt und vor einem sich das Tal von Komotau/Chomutov auftut", schwärmt Dießel, der sich vorgenommen hat, den ein oder anderen Ort nochmals besuchen zu wollen. "Bei dieser Tour hat man das Erzgebirge noch einmal ganz neu kennengelernt - eine sehr schöne Tour mit tollen Eindrücken", pflichtet André Schlosser bei.

Eine wesentliche Rolle spielt bei einer solchen 13,5-Stunden-Herausforderung die Verpflegung. Das Team hatte rund 45 Liter Wasser, neun Liter Apfelsaft und vier Liter Himbeerbrause dabei. Essen hatten einige Freundinnen in der Nacht vorbereitet. Es gab Nudeln mit Soße und Kartoffelsuppe, die aus dem Begleitfahrzeug bei der großen Rast in Zámek Valdštejnu/Wallensteiner Schloss ausgeschenkt wurde. "Das hat die Tour angenehmer gemacht", sagt Marienfeld. Unterwegs verpflegten sich die Radfahrer zudem mit Energieriegeln und Gels. "Die Anstiege machen hungrig, alle 30 Minuten braucht man neue Energie", weiß Dießel. Jeder Fahrer hat auf der Tour knapp 10.000 Kilokalorien verbraucht. Ebenso sei eine regelmäßige Salzzufuhr unumgänglich. Da müssen die Reserven ständig aufgefüllt werden.

Zumal, wenn der Startpunkt Oberwiesenthal ist. Denn das bedeutet auch, dass die letzte anzufahrende Stempelstelle der Fichtelberg ist, also eine anspruchsvolle Rampe zum krönenden Abschluss. "Man überlegt schon, ob man den Fichtelberg im Halbdunkel noch rauffährt", sagt Dießel über den verfluchten 13. Stempel. Andererseits habe man speziell bei dem Stempel kaum Ausreden, wenn man das Gold-Zertifikat in den Händen halten möchte. Tim Marienfeld hat den Schlussanstieg anders erlebt: "Das Erstrahlen des Fichtelberggebäudes hat einen richtiges Glücksgefühl ausgelöst. Den Anstieg habe ich nicht mehr als so schlimm empfunden." Verständlich, schließlich ist die Rampe Teil seiner regelmäßigen Trainingsstrecke. "Beim Stoneman war es dann für mich eine reine Kopfsache."


Die Strecke

Der Stoneman Miriquidi Road ist eine 290 Kilometer lange Strecke für Rennradfahrer. Die Route verbindet den Erzgebirgskamm mit dem tschechischen Hochmoor und dem Egergraben. Es sind 13 Anstiege mit bis zu 18 Prozent Steigung zu meistern und insgesamt 4900 Höhenmeter zu überwinden.

Die Strecke führt komplett über öffentliches Straßennetz und ist nicht beschildert. Sie verläuft im Uhrzeigersinn und steuert 13 Stempelstellen an. Der Einstieg ist laut Veranstalter an jeder Stelle möglich. Angemeldete Fahrer einen GPS-Track und ein 36-seitiges Roadbook in DIN A 6 zum konkreten Routenverlauf und zur Charakteristik der Strecke. Sie wurde am 16. Juni offiziell eingeweiht.

Der Veranstalter, der Tourismusverband Erzgebirge, bietet den Stoneman Miriquidi Road in drei Kategorien an: Gold als Eintagestour sowie Silber und Bronze als mehrtägige Fahrt. Bisher gibt es 133 offizielle Starter, die die Tour beendet haben. Die meisten davon absolvierten die eintägige Gold-Tour.

Die Gold-Tour wird vom Veranstalter für die Wochen zwischen Juni und August empfohlen, da in dieser Zeit die tägliche Sonnendauer mindestens 13 Stunden beträgt. Gestartet werden sollte direkt nach Sonnenaufgang. Die eintägige Tour ist nur für körperlich fitte, erfahrene Radfahrer geeignet. Ein Jahrespensum von mindestens 5000 Kilometern gilt als Voraussetzung. "Bei der Goldtour ist ein Start an einem Hotel mit Nachtservice unumgänglich", sagt Teamchef Dirk Dießel. "Das ist de facto nur in Oberwiesenthal möglich." Der Startpunkt habe allerdings den Nachteil, dass als letzte Stempelstelle der Fichtelberg anzusteuern sei.

https://road.stoneman-miriquidi.com

 


Die Mannschaft

Das Team "Steile Wand" versteht sich als Hüter der Radsporttradition in Meerane. Die "Steile Wand" von Meerane ist im Radsport Legende und Wahrzeichen, Gradmesser bei Bergwertungen internationaler Radsportveranstaltungen. 1952 wurde die Steile Wand in die Friedensfahrt integriert. Die letzte Friedensfahrt wurde 2006 gestartet und damit die Geschichte des Teams "Steile Wand".

Teamleiter Dirk Dießel und Bastian Falkowsky haben es sich zur Aufgabe gemacht, diese lange Radsporttradition zu erhalten und haben daher dieses Projekt ins Leben gerufen. Es versteht sich als lockere Gemeinschaft von Radbegeisterten.

Es geht darum, an Rad-Touren-Fahren und an Jedermann Rennen teilzunehmen. Wie jeder für sich diese Events angeht, ob sportlich und ehrgeizig oder einfach mit Spaß am Radeln, ist jedem Teilnehmer selbst überlassen. Die Faszination am Fahren und das Gruppenerlebnis stehen immer an oberster Stelle. Gefahren wird in der Gruppe, egal ob mit dem Mountainbike oder dem Rennrad. Auch Rennen im In- und Ausland nehmen Fahrer der Steilen Wand teil.

Kontakt: info@steile-wand.de

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