Adventszeit ist auch Narrenzeit

Viele Westsachsen gehen ungewöhnlichen Freizeitbeschäftigungen nach. "Freie Presse" stellt die Liebhabereien in einer Serie vor. Heute: Faschingsfan Gerd Klotzek

Blankenhain.

Der Startschuss in die aktuelle Karnevalssaison fiel am 11. 11. um 11.11 Uhr. Für Gerd Klotzek bedeutet das, dass auch die Adventszeit ganz unter diesem Einfluss steht. "Natürlich veranstalten wir im Moment kein großes Trara, aber die Vorbereitungen für unsere Veranstaltungen laufen selbstverständlich weiter. Schließlich wollen unsere Gäste am Ende der fünften Jahreszeit von uns gut unterhalten werden", sagt der 48-Jährige. Seit 2008 steht er als Vorsitzender an der Spitze des Faschingsclubs Blankenhain. "Wer hier im Ort in den zurückliegenden Jahrzehnten aufgewachsen ist, kommt am Fasching einfach nicht vorbei", sagt er. 1989 konnte Klotzek dem Lockruf der närrischen Gesellschaft nicht mehr widerstehen und trat dem Verein bei.

Verkleiden und dabei verrückte Sachen anstellen, empfindet er keineswegs als kindisch. Im Faschingskostüm - und mag es noch so ausgeflippt sein - könne man sich gar nicht zum Affen machen. "Für mich gibt es einfach kein überwältigenderes Erlebnis, als in den Saal zu kommen, die Leute spontan zum Lachen zu bringen und sie für ein paar Stunden aus dem Alltag in eine Welt ohne Sorgen zu entführen." Natürlich funktioniere das nur, wenn alle Vereinsmitglieder an einem Strang ziehen und, was für Gerd Klotzek besonders wichtig ist, selbst Spaß an der Sache haben. Er hat davon jede Menge. Immerhin tritt er regelmäßig mit im Männerballett auf. Egal ob er dabei als Frau verkleidet oder im Tutu-Röckchen zu "Schwanensee"-Musik über das Parkett schwebt, ist er mit Leib und Seele bei der Sache. "Auch wenn auf der sprichwörtlichen Zielgeraden vor unseren Veranstaltungen der Stress zunimmt, bleibt uns das Lachen nicht im Halse stecken. Ganz im Gegenteil, denn mit Humor lassen sich viele Sachen einfach besser bewältigen."

Die Vorbereitungen für die neue Faschingssaison beginnen meist schon im Sommer mit dem Festlegen des Faschingsthemas. Diesmal haben sich die Blankenhainer Narren folgendes Motto auf die Fahne geschrieben: "Das gab es ja noch nie: Der FCB fliegt durch die Galaxy". Einen Abklatsch rheinischen Karnevalstreibens gibt es allerdings nicht. "Alles wo es hingehört. Wir haben hier bei uns nicht solche Traditionen wie in Mainz oder Köln, des- halb feiern wir Fasching auf unsere Art und fahren gut damit." Natürlich habe sich nach dem Fall der innerdeutschen Grenzen auch in Sachen Fasching einiges geändert. Als Beispiel führt Klotzek die Büttenreden an. "Zu DDR-Zeiten wurden in Bezug auf unser Dorf wesentlich mehr Seitenhiebe ausgeteilt. Inzwischen kommen sehr viele Gäste aus dem weiteren Umland zu unseren Veranstaltungen, die diese Spitzfindigkeiten kaum verstehen und sich langweilen würden. Das wollen wir auf keinen Fall und nehmen deshalb andere Dinge aufs Korn."


Start in die Fastenzeit

Ob nun als Karneval, Fasching oder Fastnacht bezeichnet: Die fünfte Jahreszeit ist geprägt von einem ausgelassenen Treiben vor einer sechswöchigen vorösterlichen Fastenzeit, die am Aschermittwoch beginnt.

Gefeiert wird Fasching auf die unterschiedlichste Art und Weise. Meist gehören das Verkleiden, Masken, Musik und auch Umzüge dazu. Wie breit die Palette ist, sieht man beispielsweise beim Karneval in Rio, Venedig, New Orleans und Köln.

Seit wann Fasching gefeiert wird, ist nicht bekannt. Vorläufer soll es schon vor 5000 Jahren in Mesopotamien gegeben haben. In deutschen Gefilden gilt das Rheinland als Karnevalshochburg. Allerdings versteht sich die kleine bayerische Marktgemeinde Dollnstein als Wiege des deutschen Karnevals, insbesondere der Weiberfastnacht. Als Grundlage dafür dient den Bayowaren die derzeit älteste bekannte literarische Erwähnung der "fasnaht" in einer Passage im "Parzival" von Wolfram von Eschenbach, datiert auf das Jahr 1206. (awo)

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