Amerikaner begibt sich in Glauchau auf "Brücken-Jagd"

Jason Smith hat ein ungewöhnliches Hobby: Er radelt durch das Land, um die Geschichte von Brücken zu dokumentieren. In Westsachsen ist er bereits auf etliche Fundstücke gestoßen.

Glauchau.

"Über sieben Brücken musst du gehn", hat die DDR-Band Karat gesungen. Für Jason Smith sind es nicht sieben, sondern tausende, die er in seinem Leben überqueren will. Denn der Amerikaner hat sich in seiner Freizeit einem ausgefallenen Hobby verschrieben. Er möchte die Geschichte sämtlicher Brücken dokumentieren, die ihm auf ausgedehnten Radtouren durch ganz Deutschland begegnen. Seine Recherchen veröffentlicht er im Internet auf Englisch.

"Die Leute denken häufig gar nicht über die Brücken nach, die ihnen täglich begegnen", sagt Smith. Für den Englischlehrer, der mit Frau und Kind in Jena lebt, sind sie jedoch wertvolle historische Zeugnisse, die es unbedingt zu erhalten gilt. Vom Glauchauer Bahnhof aus führt ihn sein Weg zunächst zu den beiden Eisenbahnbrücken, die über den Lungwitzbach ragen. Beide seien mindestens vor einem Jahrhundert erbaut worden und etwa 200 Meter lang. "Es ist zwar nicht bekannt, wer sie konstruiert hat, aber sie gelten als Glauchaus längste Brücken und sind ein Muss auf jeder Stadttour", sagt der 40-Jährige. Aber auch die Postbrücke, die Scherbergbrücke, und die Muldenbrücke hat Jason Smith unter die Lupe genommen.


Besonders interessiert ihn auf seiner "Brücken-Jagd" (Englisch: "Bridge hunting"), ob und wie eine Brücke instand gehalten wird. Denn dem Amerikaner fällt immer wieder auf, dass diese Bauwerke in Deutschland oftmals saniert anstatt abgerissen werden. In den USA ersetze man alte Brücken häufig mit modernen Beton-Konstruktionen, wenn diese den Verkehr nicht mehr aushalten. In seiner Heimat Minnesota dokumentierte er sieben historische Brücken. All diese existieren mittlerweile nicht mehr. "Dieses Wissen geht einfach verloren", sagt der Englischlehrer.

Aber auch in Deutschland verschwinden alte Brücken. So wurden vor allem in den beiden Weltkriegen etliche Konstruktionen zerstört. In Glauchau musste zum Beispiel die Nikolaibrücke nach dem Krieg erneuert werden. Ein aktueller Fall ist die Wernsdorfer Brücke, die über die Mulde führt. Diese wird zurzeit durch eine Spannbetonbrücke ersetzt, die nur noch für Fußgänger und Radfahrer gedacht ist.

Die Geschichten dieser beiden Brücken tauchen neben vielen anderen ebenfalls in Jason Smith' Brückenchronik auf. Sein nächstes Projekt ist es, die Brücken von Zwickau bis nach Rochlitz mit Fotos und Texten in seinen Webblog aufzunehmen. "Für mich wäre es ein Traum, einen Vortrag über die Brücken in der Region zu halten", sagt Smith. In den USA kennt er andere "Brücken-Jäger". In Deutschland ist sein Hobby bisher jedoch noch eine Seltenheit.

www.bridgehunterschronicles.wordpress.com

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...