Angelverbot: Tierschützer fischen mit Forderung im Trüben

Die Organisation Peta hatte die Diesterwegoberschule in Werdau aufgefordert, Angeln aus dem Freizeitangebot zu streichen. Doch die Bildungseinrichtung erhält Rückendeckung aus der Bevölkerung.

Werdau.

Am vergangenen Freitag hatte die "Freie Presse" über ein Schreiben der Tierschutzorganisation Peta berichtet, in dem diese die Diesterwegoberschule in Werdau aufforderte, die Arbeitsgemeinschaft (AG) Angeln aus dem Programm zu nehmen. Daraufhin haben etliche Leser ihr Unverständnis zum Ausdruck gebracht. Auch in den sozialen Netzwerken wurde das Thema heftig debattiert.

Auf Facebook meldete sich unter anderem die Mutter eines elfjährigen Schülers zu Wort. "Mein Sohn ist begeistert, in der AG die verschiedenen Fischarten, die es auf der Erde gibt, kennenlernen zu können. Für ihn ist das Angeln zu einem Hobby geworden. So sitzt er nicht, wie viele andere Kinder in seinem Alter, mit irgendwelchen Spielekonsolen vor dem Fernseher, sondern verbringt seine Freizeit in der Natur. Ich als Mutter werde das weiter unterstützen."

Bernd Schnabel kritisierte am "Freie Presse"-Telefon die Vorgehensweise von Peta. "Waren die schon mal in Werdau und haben sich selbst ein Bild davon gemacht, was die Kinder in der Arbeistgemeinschaft lernen? Auf jeden Fall nichts, was kritikwürdig wäre. Im Gegenteil", sagt der Vater eines zehnjährigen Sohnes.

Stefan Trschka, Mitglied des Anglervereins in Crimmitschau, sieht in der Aktion von Peta eine Kampagne. "Offenbar wollen die Tierschützer deutschlandweit Angeln verbieten. Nachdem sie mit ähnlichen Aktionen in anderen Bundesländern keinen Erfolg hatten, nehmen sie nun Sachsen ins Visier. Doch auch damit werden sie keinen Erfolg haben", sagt Trschka. Er machte den Inhalt der E-Mail, die Peta an die Diesterwegschule gesandt hatte, auch zu einem Thema des Anglerschein-Lehrgangs, den er am Samstag in Zwickau durchführte. Oliver Schirmer aus Werdau, der an der Schulung teilnahm, unterstützt die Arbeitsweise der AG. "In der lernen die Kinder nicht nur das fachgerechte Angeln, sondern auch die Liebe zur Natur."

Kay Wiesenhüter aus Zwickau bezeichnet das Vorgehen von Peta als "Schwachsinn". Luise Zergiebel aus Langenbernsdorf stellt sich ebenfalls hinter die AG. "Mein Freund ist Jugendwart bei den Anglern in Niederalbertsdorf. Daher weiß ich, dass die Kinder sich unter anderem auch mit Gewässerpflege befassen und oft die ganze Familie gemeinsam das Hobby ausübt."

Enrico Mattivi, Leiter der Arbeitsgemeinschaft Angeln an der Diesterwegoberschule in Werdau, zeigt sich wenig beeindruckt von dem Schreiben der Tierschützer und hält an seinem Angebot fest. Das wollen auch seine Schützlinge tun, die sich gestern erneut trafen, um einen Fledermausnistkasten fertigzustellen. "Wir haben die Tiere mal beim Angeln an den Teichen gesehen. Dabei entstand die Idee, denen eine Nisthilfe zu bauen", begründet Enrico Mattivi die Aktion. Für Marlon Müller eine feine Sache. "In der AG haben wir schon viele nützliche Dinge gelernt, die auch mit dem Naturschutz zu tun haben", sagt der 15-Jährige. Nico Sträck, der seit vier Jahren der AG angehört, findet Angeln super. "Mein Bruder angelt auch. Der hat mich mal mitgenommen. Außerdem sind wir eine dufte Truppe." Das findet auch Paul Kunze. "Mein Opa hat gesagt, wir sollen uns von der Kritik nicht beeinflussen lassen und weitermachen. Das tun wir auch", sagt der 14-Jährige.

Der Vorwurf von Peta: Das Töten von empfindlichen Tieren dürfe kein Lernangebot sein und würde das Mitgefühl der Schüler abtrainieren. Fische seien freundliche und neugierige Tiere mit individueller Persönlichkeit.

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