Anschlag auf Asylheim: Bewährungsstrafe für Werdauer

Erst vor einer Woche hatte ein 25-Jähriger einen Brandsatz über den Zaun eines Asylheims in der Stadt geworfen. Nun stand er vor Gericht.

Werdau.

Das Amtsgericht Zwickau hat am Donnerstagvormittag in einem beschleunigten Verfahren einen 25-jährigen Werdauer zu acht Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Die Bewährungszeit wurde auf drei Jahre festgelegt. Außerdem muss er 100 Stunden gemeinnützige Arbeit verrichten. Der Arbeitslose hatte erst vor einer Woche zwei selbst gebastelte Molotowcocktails auf das Asylbewerberheim an der Unteren Holzstraße geworfen. Verurteilt wurde er wegen Volksverhetzung und Bedrohung. Der Vorwurf der versuchten Brandstiftung wurde fallengelassen.

Der Täter stand am Donnerstagvormittag nicht das erste Mal vor Gericht. Der junge Mann, der sich bisher mit Gelegenheitsjobs über Wasser hielt und derzeit von Hartz IV lebt, musste sich unter anderem schon wegen Diebstahls, Sachbeschädigung oder Körperverletzung verantworten. Mit dem Urteil blieb Richterin Eva-Maria Ast unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die hatte auf zehn Monate Haft ohne Bewährung plädiert.

Laut Anklage des Staatsanwalts soll der 25-Jährige am Abend des 27. Septembers gegenüber Bewohnern und dem Sicherheitspersonal des Asylbewerberheimes an der Unteren Holzstraße in Werdau angedroht haben, das Haus samt Bewohnern anzubrennen. Dabei sollen mehrfach Sätze wie "Haut ab, ihr Kanaken. Ich fackel euch alle ab" gefallen sein. Kurze Zeit später habe der Angeklagte einen selbst gebauten Molotowcocktail über das Eingangstor des Asylheimes geworfen. Dieser sei von den Sicherheitsbeamten gelöscht worden. Der Angeklagte habe dann versucht, den Anschlag mit einem zweiten Brandsatz zu wiederholen.

Der Angeklagte bejahte die Frage der Richterin, ob die Vorwürfe stimmen. Die Frage nach dem Warum beantwortete er so: "Ich kann mir das Ganze auch nicht erklären." Er habe zuvor Zoff mit seiner Freundin gehabt und sich schon mehrfach über Müll, den die Asylbewerber aus den Fenster werfen würden, geärgert. Außerdem habe er an dem Abend zwischen acht und zehn Flaschen Bier getrunken.

Die beiden Sicherheitsbediensteten, die an dem Abend ihren Dienst verrichteten, bestätigten die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Allerdings sagten beide unabhängig voneinander übereinstimmend aus, dass sie nicht gesehen haben, wer den Molotowcocktail geworfen hat. Gefertigt war einer der Brandsätze aus einer leeren Bierflasche, in die ein Papiertaschentuch gestopft war, das mit Haarlack besprüht und danach angezündet wurde. Er richtete keinen Schaden an. Bei einer polizeilichen Untersuchung nach der Festnahme konnten am Körper des Mannes jedoch keine brandtechnisches Spuren festgestellt werden.

Der Staatsanwalt machte in seinem Schlussplädoyer deutlich, dass der 25-Jährige eine ausländerfeindliche Einstellung habe. Dem widersprach die Verteidigerin. Die Richterin bewertete in ihrem Urteil unter anderem als strafmindernd, dass der Mann zum Zeitpunkt 1,4 Promille intus hatte und fast die gesamte knapp zweistündige Verhandlung unter Tränen verfolgte. "Die Tränen kaufe ich Ihnen als echt ab", sagte sie. "Sie haben außerdem Glück, dass eine Whatsapp-Nachricht, die Sie nach der Tat verschickt haben und in der Sie über die Tat berichteten, ohne Wirkung blieb. Nicht auszumalen, was hätte passieren können, wenn es in der Nacht noch zu einem größeren Auflauf mit ausländerfeindlichem Hintergrund gekommen wäre."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...