Arzt kämpft mit Bürokratie und Sprache

Vor drei Jahren kam Mohd Salibi Salibi mit seiner Familie nach Hohenstein-Ernstthal, um eine Hausarztpraxis zu übernehmen. Für den Spanier war vor allem die erste Zeit hart.

Hohenstein-Ernstthal.

Stürmische Zeiten liegen hinter Mohd Salibi Salibi. Und schon wieder stehen Veränderungen im Leben des 58-Jährigen an: Seine jüngere Tochter Sara (19) wird ab Oktober nach Leipzig ziehen, um Sprachwissenschaften zu studieren. Von seiner zweiten Tochter namens Nur (20) hat er sich gerade verabschiedet, sie ist nach Ungarn geflogen, wo sie an der deutschen Universität Medizin belegt.

Die gravierendste Veränderung wagte der 58-Jährige jedoch vor vier Jahren. Mohd Salibi Salibi entschied sich, seinen Arztkittel in einem Madrider Krankenhaus an den Nagel zu hängen und nach Deutschland zu kommen. Er war der erste Spanier, der im Rahmen des Modellprojektes "Bienvenido in Sachsen" eine Hausarztpraxis übernahm. Die Kassenärztliche Vereinigung hatte das Projekt ins Leben gerufen, weil viele sächsische Hausärzte keinen Nachfolger fanden. Die Übersiedlung nach Deutschland war für ihn ein Sprung ins kalte Wasser, sagt Salibi.

Der Mediziner sprach kein Deutsch, als er 2012 nach Sachsen kam. "Die Sprache war komplizierter, als ich dachte", sagt der 58-Jährige. In einen Intensiv-Kurs für Mediziner lernte er zehn Monate lang Deutsch. Im Juli 2013 war es soweit: Doktor Salibi übernahm offiziell die Praxis von Klaus Stiegler, der damals mit 71 Jahren in den Ruhestand ging. Die beiden langjährigen Arzthelferinnen übernahm Salibi.

Vor allem das erste Jahr in Hohenstein-Ernstthal sei hart gewesen. Anfangs sei es ihm schwergefallen, die Patienten zu verstehen. Diagnosen und Behandlungen sind ähnlich wie in Spanien und waren damit kein Problem. "Aber die Bürokratie in Deutschland ist enorm", sagt der 58-Jährige. Smalltalk war anfangs kaum möglich. "Aber die Patienten haben sich darauf eingestellt. Sie waren sehr nett und geduldig", sagt der 58-Jährige. Berührungsängste habe es kaum gegeben, da er in den Monaten vor der Praxisübernahme immer wieder im Behandlungsraum hospitiert hatte.

"Jetzt, nach drei Jahren, ist in meiner Praxis Alltag eingekehrt", sagt Salibi heute. Viele Stammpatienten seines Vorgängers kommen weiterhin in die Praxis am Bahnhof. Mittlerweile suchen ihn nicht nur Patienten aus der Umgebung auf, sondern aus ganz Sachsen, vor allem auch Menschen mit spanischen oder arabischen Wurzeln. Denn der Arzt beherrscht neben Spanisch auch Arabisch. Ursprünglich stammt er aus dem Libanon. Mit 17 Jahren wanderte seine Familie auf die Iberische Halbinsel aus. Daher auch der doppelte Nachname, erklärt er: In Spanien trägt man den der Mutter und den des Vaters. Seine Eltern hießen beide Salibi.

Mittlerweile fühlt er sich heimisch in Hohenstein-Ernstthal. "Die Menschen haben mich nicht nur mit offenen, sondern mit sehr offenen Armen empfangen", sagt er. Mit seiner Familie wird er von Freunden auf Gartenpartys eingeladen.

Seine Frau arbeitet als gelernte Informatikerin mittlerweile in einem Chemnitzer Krankenhaus als Managerin in der Abteilung für Flüchtlinge. Die beiden Töchter hatten das europäische Gymnasium in Waldenburg besucht.

Ob er es bereut, nach Hohenstein-Ernstthal gekommen zu sein? Nein, sagt Salibi ohne zu zögern.

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