Auch als junger Chef hoch hinaus für soziale Belange

Ehrensache! Engagiert in Westsachsen. Heute: Paul Kummer aus Waldenburg, derzeit Vorsitzender bei den Wirtschaftsjunioren Glauchau.

Waldenburg.

Es reichte ihm nicht, in einer Kleinstadt wohlbehütet in einem Familienunternehmen Schritt für Schritt die Geschäftsleitung zu übernehmen. "Meine Eltern wussten, dass ich vorerst eigene Erfahrungen sammeln musste. Für meine Ideen war Waldenburg zu klein", sagt Paul Kummer rückblickend. Er lehnt sich zurück und ist offenkundig zufrieden mit seinem Lebenslauf. "In Frankfurt bei meiner Ausbildung zum Groß- und Handelskaufmann und einem anschließenden BWL-Studium wurde ich geformt. Es war hart, aber ich konnte mich entwickeln", sagt der 36-Jährige. Trotz dass er Konzernarbeit und die Großstadt mochte, zog es ihn in seine Heimat zurück, denn der erwünschte Einfluss bei Entscheidungsfragen blieb beschränkt und die Sehnsucht, eigenverantwortlich zu handeln, blieb.

Mit einer gewissen Routine im Gepäck, Dinge von außen zu betrachten, sah er seine Aufgabe daheim unter neuen Gesichtspunkten. "Als zuverlässiger Lieferant von Flüssiggasen ist unser Unternehmen bekannt. Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit sind wichtige Faktoren, ich setze zudem auf regenerative Ideen." Das allein reicht dem Jungunternehmer nicht, er ist begeistert, als er vom Glauchauer Kreis des Vereins Wirtschaftsjunioren angesprochen wurde. "Ich war direkt von der Art der Kommunikation angetan, schnell war ich interessiert." Ein Verein, viel mehr ein Netzwerk von jungen Unternehmern und angestellten Führungskräften aus der Region Glauchau, Lichtenstein, Meerane, Waldenburg und näherer Umgebung. "Der Bekanntheitsgrad ist nicht sehr hoch, trotz dass der Verein deutschlandweit vertreten ist. In Kreise aufgeteilt und unter Führung der örtlichen Industrie- und Handelskammer agieren ungefähr 10.000 aktive Mitglieder in unserem Land." F


Festgelegte Ziele verfolgen derzeit 25 Mitglieder im Kreis: Es gilt, junge Menschen zu fördern, neue Netzwerke zu bilden, Persönlichkeiten zu entwickeln und vor allem positive gesellschaftliche Projekte umzusetzen. "Man kann nur für ein Jahr Vorstandsvorsitzender sein. So bekommt jeder in seiner Laufbahn als aktives Mitglied bis zum 40. Lebensjahr die Chance auf Selbstverwirklichung." Auch David Pohle als derzeitiger Stellvertreter konnte frischen Wind als Kummers Vorgänger einbringen. "Es ist ein großer Vorteil für die Vereinsarbeit, eingeschliffene Strukturen werden aufgebrochen, neue Gedanken werden umgesetzt, sodass innovative Projekte entstehen. Paul führt das Amt gebührend weiter", sagt Pohle.

Ein regelmäßiger Termin steht für die Wirtschaftsjunioren zum Glauchauer Spieletag an. "Präsent sein, angesprochen werden, das ist wichtig. Wir waren auch am Georgius-Agricola-Gymnasium in Glauchau, dort sprachen wir mit Schülern der höheren Jahrgänge, erzählten ihnen unseren Werdegang. Wir wollen einfach zeigen, welche Möglichkeiten die Heranwachsenden haben. Impulse setzen. Im Moment scheint vieles noch für sie abstrakt, aber den Jugendlichen zu zeigen, welches Potenzial in ihnen steckt, dass sie auch etwas bewegen können." Aber es wird nicht nur mit den Kindern gesprochen, die Wirtschaftsjunioren sorgten beispielsweise für die Verschönerung des Schulhofes der Niederlungwitzer Grundschule. Gemeinsam mit Hilfe von Eltern und Lehrer entstand einen neuer Fußballplatz.

Auch persönliche Unterstützung ist den Wirtschaftsjunioren ein Anliegen: "Als bei einem Brand in Langenchursdorf ein junger Mensch ums Leben kam, konnten wir nur wortlos helfen. Es war auch für unsere Vereinsmitglieder unfassbar. Auch das sehen wir als Hilfsprojekt, Spendengelder ohne Zuordnung an die richtige Adresse zu vermitteln. Gemeinsam haben wir unglaublich viele Möglichkeiten."


"Ehrenämter sind unbezahlbar"

Was macht Ehrenamt aus und was hat man davon? Nicole Seidel sprach mit Paul Kummer (36) über Wünsche, Wertschätzung und Teamwork.

Zählt man die Stunden, die man für sein Ehrenamt aufbringt?

Es gibt Wochen, da führt man ein Telefonat. Aber es gibt auch Wochen, da hat man gefühlt 20 Stunden mit Vereinsarbeit zutun. Aber das einmalige Treffen aller Mitglieder im Monat zum "Stammtisch" ist quasi Pflicht.

Was bedeutet ein Ehrenamt?

Ehrenämter sind unbezahlbar. Man kann sie mit nichts umrechnen. Für Deutschland haben sie unendlichen Mehrwert, weil es immer etwas zurückführt. Menschen, die aus reinem Herzen etwas geben, entfalten ihr Potenzial. Vor allem, wenn Menschen zusammen kommen.

Was wünscht sich ein Vorstandsvorsitzender?

Ich wünsche mir vom Staat Unterstützung für die Ehrenämter. Ich habe im Beruf eine Führungsposition, auch da wird konstruktiv beurteilt, gelobt und wertgeschätzt. Ein positives Menschenbild entsteht. Sobald einem Knüppel zwischen die Beine geworfen werden, entstehen Trägheit und Monotonie. Neugier und Mut müssen gefördert werden.

Was springt für einem selbst heraus?

Die eigenen Motive, warum man ein Amt annimmt, sind verschieden. Die Zwischenmenschlichkeit und die Kraft, Projekte umzusetzen, sind für mich wichtig. Aber auch der hohe Lerneffekt, agiert man in einer Gruppe, gelten gewisse Anforderungen. Sollte man die managen, dann zeigt man, was in einem schlummert. Erst die innere Reife erlaubt eine Potenzialentfaltung.

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