Auszeit: "Grüner Daumen" geht nach unten

Teilnehmer und Mitglieder der Jury reagieren enttäuscht auf den neuen Rhythmus für den traditionsreichen Wettbewerb.

Glauchau.

Der Balkonpflanzenwettbewerb bekommt eine Zwangspause verordnet. In diesem Jahr wird auf die Prämierung der Blütenpracht verzichtet. Die Verantwortlichen im Rathaus haben festgelegt, dass die Prämierung nur noch alle zwei Jahre stattfinden soll. Die Entscheidung sorgt für ganz unterschiedliche Reaktionen.

Organisatoren: Die Westsächsische Entwicklungs- und Beratungsgesellschaft (kurz: Weberag) hat im letzten Jahr rund 60 Arbeitsstunden in den Wettbewerb investiert. Die Mitarbeiter kümmerten sich um Ausschreibung, Preise und Abschlussveranstaltung. "Unter Berücksichtigung des zurückgegangenen Interesses haben wir uns für die Veränderung des Rhythmus' entschieden", sagt Rathaussprecherin Bettina Seidel. Im vorigen Jahr gab es 33 Teilnehmer. Zum Vergleich: 2011 waren es 51. 2008 schaute sich die Jury noch bei 67 Teilnehmern die Blütenpracht an. Der Wettbewerb fand bisher 22-mal statt.

Jury: Wolfgang Neubert kann seine Enttäuschung über die Entscheidung im Rathaus nicht verbergen. Der Inhaber einer traditionsreichen Gärtnerei gehörte in der Vergangenheit stets zur Jury. "Ich bedauere, dass der Wettbewerb in diesem Jahr nicht stattfindet", sagt Wolfgang Neubert. Offen sei, welche Auswirkungen die Zwangspause auf das Interesse der Teilnehmer in den nächsten Jahren haben wird. Neubert will sich noch nicht festlegen, ob er 2018 wieder als Jury-Mitglied zur Verfügung steht. Er sagt: "Mal sehen, wie die Reaktion von Kunden und Teilnehmern ausfällt."

Teilnehmer: Ramona und Gerhard Simmet haben bisher keinen Balkonpflanzenwettbewerb verpasst. Sie wollen - trotz der Absage - auch in diesem Jahr wieder für eine bunte Blütenpracht vor ihrem Haus an der Fritz-Reuter-Straße sorgen. "Wir ziehen unser Programm unabhängig von einem Besuch der Jury durch", sagt Gerhard Simmet. Der Ruheständler schüttelt über die Zwangspause den Kopf: "Man sollte eigentlich froh sein, dass sich die Teilnehmer und die Inhaber der Gärtnereien noch dafür begeistert haben." Die Simmets schätzten vor allem die Abschlussveranstaltung, die zuletzt im "Weißen Gewölbe" im Schloss stattfand. Dort habe es stets einen Erfahrungsaustausch zwischen den Leuten mit dem grünen Daumen gegeben. Elke-Gudrun Heber, die für die Linken im Ortschaftsrat von Wernsdorf sitzt, hat in den letzten Jahren kräftig die Werbetrommel für den Balkonpflanzenwettbewerb gerührt. "Es ist traurig und stimmt bedenklich, wenn man so etwas Positives langsam einschlafen lässt", sagt Heber.

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