Bauern wollen die Milliarde nicht

Die Bundesregierung hat viel Geld für die Landwirte bereitgestellt. Doch die wollen lieber faire Bedingungen und ein exaktes Nitratmessnetz.

Waldenburg.

Eine zusätzliche Milliarde Euro hat die Bundesregierung kürzlich für die Landwirte bereitgestellt. Die Summe soll dabei helfen, die Herausforderungen zu meistern, die bei der Umsetzung einer zum wiederholten Male verschärften Düngeverordnung und Maßnahmen für den Artenschutz auf die Betriebe zukommen.

Bewilligt wurde das Geld, nachdem bundesweit Zehntausende Landwirte demonstriert hatten. Doch zufrieden sind sie nicht. "Wir wollen kein Schweigegeld", sagt Rainer Stauch, Vorsitzender der Agrargenossenschaft Langenchursdorf und des Regionalbauernverbandes Westsachsen. Der Verband hat eine Petition unter der Überschrift "Wir wollen eure Bauernmilliarde nicht!" gestartet. Sie ist an den Bundestag gerichtet und habe bisher knapp 5000 Unterzeichner.

Formuliert wurde darin nicht nur, was die Bauern nicht wollen, sondern auch eine konkrete Forderung: Das Geld soll lieber in die Überprüfung und den Ausbau des bundesweiten Messnetzes gesteckt werden, mit dem unter anderem ermittelt wird, wie viel Nitrat im Grundwasser ist. Die Nitratkonzentration, die unter anderem von der Intensität der Düngung abhängt, gilt in Deutschland vielerorts als zu hoch, was Strafen durch die Europäische Union nach sich zieht. Deshalb wurde die Düngeverordnung verschärft, was aus Sicht der Landwirte wiederum Einbußen bringen dürfte, weil beispielsweise die geforderte Qualität des Getreides nicht mehr erreicht werde. "Das deutsche Messnetz taugt nichts", kritisiert Rainer Stauch. Zu wenige Messstellen, meist an Punkten, die er als nicht repräsentativ sieht, seien ein Aspekt. Außerdem gebe es europaweit keine einheitlichen Vorgaben, sodass andere Länder ohne große Mühe zu viel besseren Werten als Deutschland kommen.

Das müsse zunächst einmal korrigiert werden, damit wirklich aussagekräftige Werte als Grundlage für Vorschriften genutzt werden. Im Rahmen des Qualitätsmanagements muss die Agrargenossenschaft Langenchursdorf selbst die Wasserqualität messen, unter anderem wenn sie Wasser für die Tiere im Rinderstall in Langenchursdorf aus Brunnen fördert. Dort ist der Nitratwert laut Stauch nur halb so hoch wie der Grenzwert, der derzeit Anlass für so viele Debatten ist.

Von der Politik sehen sich die Landwirte im Stich gelassen. "Vor der Landtagswahl wurde viel geredet und versprochen, aber passiert ist nichts", beklagt Stauch. Er vermutet, dass die Politik die Bauern noch ein paar Wochen vertrösten will, bis sie auf den Feldern wieder so viel zu tun haben, dass keine Zeit mehr für Demos oder andere Protestmaßnahmen ist.

Georg Stiegler von der Waldenburger Agrar GmbH ist in Sachen Demonstrationen mittlerweile erfahren, nicht nur als Teilnehmer, sondern auch als Organisator. "Wir stehen in den Startlöchern. Wenn nötig, können wir ganz schnell wieder etwas auf die Beine stellen", betont er. Stiegler und seine Mitstreiter fordern einen fairen Umgang, der auch auf exakten Messwerten basieren soll. Der Sächsische Bauernverband hat deshalb ebenfalls ein Gutachten beauftragt. "Wenn sich herausstellt, dass wir als Landwirte wirklich schuld sind, werden wir uns auch an der Lösung beteiligen", sagt Stiegler mit Blick auf die bundesweit geführte Nitratdebatte.


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