Borkenkäfer frisst sich durch die Wälder

Laut Landratsamt liegt die Schadholzmenge im Landkreis derzeit bei etwa 22.000 Kubikmeter. Und ständig werden neue Befallsherde entdeckt. Förster befürchten eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes.

Zwickau/Glauchau.

Herabrieselnde Nadeln und vom Stamm abfallende Rindenstücke zeugen in den heimischen Wäldern davon, dass der Schwarmflug der Borkenkäfer aufgrund der warmen und trockenen Witterung im März und April bereits begonnen hat. Für Revierförsterin Janina Albrecht vom Staatsbetrieb Sachsenfors ist das Problem flächendeckend. Die Dürre, die auch für dieses Jahr wohl erwartet wird, mache den Bäumen zu schaffen. Wenn sie über die Wurzeln kein Wasser mehr aufnehmen können, sei ihr Schicksal besiegelt. Auch wenn es - wie in letzter Zeit sehr häufig - stürmt, verlieren sie ihre Standfestigkeit und mitunter werde die Wasserzufuhr aus der Erde dadurch gekappt. Dann haben Borkenkäfer leichtes Spiel. Förster Holger Buchta prophezeit: "Wir werden eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes erleben."

Im städtischen Wald von Glauchau ist laut Rathaussprecherin Bettina Seidel der Borkenkäfer-Befall punktuell in großen Teilen festgestellt worden. Eine Firma sei damit beschäftigt, befallene Bäume entlang der Forststraße zu beräumen. Sie werden gefällt, entastet und das Holz als Brennholz verkauft. Allein der Stadt Glauchau sei aktuell im April ein zusätzlicher Aufwand von etwa 20.000 Euro entstanden.


Auch im Meeraner Wilhelm-Wunderlich-Park ist der Borkenkäfer aktiv. Bürgermeister Lothar Ungerer (parteilos) spricht von einem komplexen Problem. Die Bäume müssen regelmäßig kontrolliert, gegebenenfalls aus dem Wald geholt und mindestens 500 Meter Luftlinie vom Wald entfernt gelagert werden.

Landkreissprecherin Ilona Schilk sagt, dass die natürlichen Abwehrkräfte der Bäume derzeit gegenüber Forstschädlingen merklich geschwächt sind. Diese Ausgangssituation stelle günstige Bedingungen für eine Massenvermehrung der Borkenkäfer dar. Laut Landratsamt liegt die Schadholzmenge im Kreis derzeit bei etwa 22.000 Kubikmetern. "Das ist das Zehnfache gegenüber den Vorjahren. Und es werden immer neue Befalls-Herde entdeckt", so Ilona Schilk. Hinzu kommen etwa 19.000Kubikmeter Wurf- und Bruchholz durch Schnee und Sturm. Im Kampf gegen die Borkenkäferplage müssen Waldeigentümer mindestens wöchentlich ihre Nadelholzbestände kontrollieren, um frischen Befall durch die Käfer an stehendem und liegendem Holz rechtzeitig zu erkennen, informiert das Landratsamt. Der überwiegende Teil der Waldbesitzer nehme die Sache ernst. Manche würden die Situation aber unterschätzen.

Ist geschädigtes Holz entdeckt worden, müsse es umgehend eingeschlagen und abtransportiert werden. "Es bleibt nur ein kleines Zeitfenster von etwa vier Wochen bis zum Ausflug der neuen Käfergeneration, die dann weitere Bäume im Umfeld zum Absterben bringt", so die Pressesprecherin. Sie schätzt ein, dass sich die Schadholzmengen im Laufe des Jahres drastisch vergrößern könnten, sich eventuell ganze Waldbestände auflösen.

Das Land Sachsen hat Hilfe zugesagt. Allein für den Waldumbau und die Verjüngung natürlicher Wälder stehen im aktuellen Haushaltsjahr insgesamt 3,5 Millionen Euro zur Verfügung, so das sächsische Staatsministerium für Landwirtschaft. Der Waldumbau außerhalb von Schutzgebieten und die Verjüngung natürlicher Waldgesellschaften in Schutzgebieten werden gefördert.

Die Unterstützung zur Ausarbeitung von Waldbewirtschaftungsplänen richte sich vor allem an private Waldbesitzer mit einer Gesamtbetriebsgröße bis zu 50 Hektar. Das Ministerium empfiehlt, vor dem Einreichen der Förderanträge eine Beratung mit dem zuständigen Revierförster.

Mario Fickel von der Regionalgruppe Zwickau des Naturschutzbundes Deutschland sagt, dass es in Ordnung sei, kranke Bäume aus den Wäldern zu entfernen, um die Verbreitung der Borkenkäfer einzudämmen. "Aber wir sind gegen den Einsatz von Chemie. Denn das würde zu dem gleichen Dilemma wie in der industriellen Landwirtschaft führen. Es sterben in Größenordnung Vögel und Insekten", sagt er. "Da der Borkenkäfer nur Nadelbäume befällt, sollte die gegenwärtige Situation als Chance genutzt werden, Mischwald mit Laubbäumen anzulegen."

Die Revierleitung Glauchau berät betroffene Waldbesitzer.

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