Brandschutz: Lindenschule muss raus

Wegen fehlender Sicherheitsvorkehrungen sollen die Schüler im Februar 2017 in Container umziehen. Der Hort ist jetzt schon ausquartiert. Die Stadt, der ein Gutachten eklatante Fehler vorwirft, feiert die Lösung als Erfolg.

Meerane.

Die meisten Eltern wissen seit vorgestern Bescheid. Da brachten die Kinder einen Brief mit von der Grundschule, in dem Bürgermeister Lothar Ungerer (parteilos) in kindgerechter Sprache erläutert, dass die Lindenschule umgebaut werden müsse und dass die Kinder solange in Container umziehen werden. Ebenfalls vorgestern veröffentlichte das Stadtoberhaupt die Mitteilung ein zweites Mal, diesmal in einer Wortwahl für Erwachsene. Die Ankündigung ist auf der Internetseite der Stadtverwaltung und auf Facebook zu lesen. Das geschah nach Redaktionsschluss der "Freien Presse".

Nach Ungerers Verlautbarung sollen die Kinder am 27. Februar ihre Container beziehen. In der Schule soll danach der Brandschutz erneuert werden. Die Sanierung soll knapp 1,2 Millionen Euro kosten. Über die Kosten der Container ist nichts bekannt. Damit, schreibt Ungerer, "kann die Stadt Meerane zum jetzigen Zeitpunkt ein positives Zwischenfazit ziehen." Die Sanierung sei "unter Dach und Fach", die Stadt löse gegenüber den Eltern der Lindenschule ihre Zusage ein, das Schulgebäude brandschutzgerecht zu sanieren. Und ferner: "Die Realisierung der Brandschutzsanierung ist ehrgeizig, aber die Entschlossenheit aller Beteiligten vorausgesetzt, machbar." Das klingt so, als hätte das Rathaus lange um die Sanierung gerungen und könnte nun endlich Vollzug melden. Zwar hatte die Verwaltung tatsächlich einen Sanierungsantrag gestellt, aber in Wahrheit brachte erst ein Gutachten die Stadtverwaltung in Zugzwang. In der Gefährdungsbeurteilung für die Lindenschule schreibt eine Arbeitsmedizinerin, dass außer Feuerlöschern keine weiteren Anforderungen des Brandschutzes erfüllt seien.

Die Stadt kam zusätzlich unter Druck wegen folgender Formulierung: "Die Feuerwehr hat ein Konzept, worauf die Stadtverwaltung nicht reagiert." Was das für ein Konzept der Feuerwehr ist? Wehrleiter Kai Götze kann dazu nichts sagen. Er hat von Ungerer einen Maulkorb verpasst bekommen und darf sich nur über aktuelle Einsätze äußern.

Eltern hatten Ungerer schon zuvor wegen der Brandschutzprobleme in der Stadtratssitzung am 24. Mai kritisiert. Der Bürgermeister bezichtigte sie damals der Lüge. Es gebe kein Problem, sagte er, die Schule könne bedenkenlos weiter betrieben werden.

Bedenken hatten offenbar andere. Nach den Ferien waren zunächst zwei Räume des Hortes gesperrt worden. Inzwischen wurde der ganze Hort der Lindenschule ausquartiert. Das bestätigt der Geschäftsführer des Hort-Trägers, der Gesellschaft für Ganzheitliche Bildung (GGB), Thomas School. "Ich habe das Gefühl, dass wir seitdem enger mit der Schule zusammengewachsen sind", sagt er. Zwei Hort-Klassen sind in der Internationalen Oberschule untergebracht, die zum selben Bildungskomplex gehört wie die GGB.

Aber immer noch sind viele Fragen offen. Zum Beispiel, warum das Brandschutzproblem gerade jetzt die Sperrung des kompletten Hortes notwendig macht, wo die Nöte doch schon seit Jahren bekannt sind. Schulleiterin Annette Pohle hatte sie Jahr für Jahr angemahnt. Oder wie es zu der jetzigen Lösung überhaupt gekommen ist, wieso nun plötzlich Geld für die Sanierung da ist, wo die Stadt doch nach eigenen Angaben seit Jahren erfolglos versucht, Fördermittel zu bekommen?

Auf Presseanfragen zu dem Thema hatte Ungerer schon vergangene Woche nicht geantwortet. Auch gestern gab es keine Auskunft. Dafür war das Medienreferat in eigener Sache alles andere als untätig. Es veröffentlichte gleich fünf Artikel zu ganz anderen Themen.


Kommentar: Nochein Graf

Hatte nicht gerade erst ein Graf Geburtstag gefeiert, und war das nicht in Glauchau? Genau. Trotzdem regiert nun in Meerane (wieder einmal) Bürgermeister Ungerer nach dem Vorbild gräflicher Herrschaft aus dem 17. Jahrhundert. Majestät erlassen lieber Verlautbarungen, anstatt auf lästige Fragen zu reagieren, egal ob die Eltern sie stellen oder die Zeitung. Mon dieu.

Eine vor zwei Monaten von der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung veröffentlichte Studie unter Nichtwählern hat ergeben, dass der größte Frust auf die Politik dort erwächst, wo Menschen das Gefühl haben, ihre Anliegen würden nicht gehört. Dazu muss man sagen, dass Politiker Krisenmanagement auf zwei Arten betreiben können: Entweder sie hören den Menschen zu und geben ihnen das Gefühl, ernst genommen zu werden. Oder sie machen es wie Lothar Ungerer. Schotten dicht, Maulkorb für alle, die Entscheidung fällt im Hinterzimmer und wird per Dekret verkündet. Also, liebe Eltern, jetzt bloß nicht noch die Container-Lösung hinterfragen. Das könnte man sonst als Rebellion auffassen.


Das sagen die Beteiligten zu der Container-Lösung

Schulleiterin Annette Pohle begrüßt ausdrücklich die nun besiegelte Brandschutz-Sanierung. Sie sagt: "Das Kollegium der Lindenschule freut sich, dass die Stadt Meerane zur sachgerechten Brandschutzsanierung diese Form der Realisierung ermöglichen wird. Dadurch können wir mit unseren Kindern einen lärm- und staubfreien Unterricht durchführen."

Thomas School, Geschäftsführer des Hort-Trägers GGB, ist zuversichtlich: "Container sind die einzige Möglichkeit. Es gibt keine Bessere." Dass der Hort momentan nicht genutzt werden kann, führe zu keinen größeren Raum-Problemen. "Wir nutzen das Schulhaus und die Internationale Oberschule mit. Von den Eltern bekommen wir große Unterstützung."

Arndt Schubert, Sprecher der Bildungsagentur, hält es grundsätzlich immer für schwierig, wenn eine Schule ausgelagert wird. "Aber Container sind die zweckmäßigste Lösung, auch hinsichtlich des Transports. So können die Busse weiter fahren wie gewohnt. Wir hatten im Vogtland schon häufiger solche Lösungen, es ist also nichts Unmögliches."

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