Brücke ist verschwunden - die Erinnerungen bleiben

Woche für Woche sehen sich Neugierige den Baufortschritt an und dokumentieren ihn. Dabei weiß die Ortschronik eine dramatische Geschichte über das Bauwerk zu erzählen.

Glauchau.

Ein bisschen Wehmut in der Stimme schwingt schon mit, wenn Andreas Winkler über die Brücke spricht. Nichts ist mehr da von ihr. Dabei habe sie über Jahrzehnte hinweg gute Dienste geleistet. "Sie gehört zur Geschichte Wernsdorfs", sagt der Ortvorsteher. Und der Abriss sowie der sich daran anschließende Neubau sollte deshalb in die Chronik einfließen. Genauso wie die Geschichte davon, als nicht nur die Überführung beinahe komplett zerstört wurde, sondern es auch ein paar Schwerverletzte hätte geben können.

Das war während der Hochwasserkatastrophe des Jahres 1954. Dem Blick von Wernsdorf aus in Richtung Schlunzig und Mosel eröffnete sich ein riesiger See. Die Zwickauer Mulde war über die Ufer getreten. Nur noch die Dammkronen schauten aus dem Wasser heraus, und der Wasserspiegel stieg weiter an. Die Dämme drohten zu brechen. In der Nähe der Zwickauer Paradiesbrücke war es schließlich soweit. Die Innenstadt wurde überflutet, und bei Wernsdorf sank der Wasserspiegel etwas ab.


Doch die Gefahr für den Ort war nicht vorbei. Denn bei Zwickau rissen die Wassermassen eine hölzerne Brücke mit und trieben sie flussabwärts, bis sie am Pfeiler der Wernsdorfer Brücke hängen blieb. Sie verkeilte sich mit anderem Treibgut an einem der Pfeiler. Versuche, das Holz zu entfernen, scheiterten. Selbst russische Panzer aus der damaligen Garnison kamen zum Einsatz. Doch es half nichts. Im Gegenteil: Es wurde schlimmer, denn ein Teil der Brücke stürzte ein. "Ein Abschleppseil des Panzers schnellte zurück und riss beinahe einige Schaulustige um", ist in der Chronik zu lesen. Die Brückenwache, die wegen des Hochwassers im Einsatz war, befand sich glücklicherweise nicht mehr auf der Brücke und "sie konnte aus sicherer Entfernung den riesigen Feuerball laufen sehen, der beim Zerreißen des Hauptstromkabels freigesetzt wurde", heißt es weiter. Dieses Kabel war damals über die Brücke verlegt worden. Bis zur Reparatur der Brücke wurde eine lange Leiter angelegt, sodass mutige Fußgänger die andere Muldenseite erreichen konnten.

Die Chronik für Wernsdorf ist anlässlich des 750-jährigen Bestehens des Ortes, das im Jahr 2006 gefeiert wurde, entstanden. Drei Jahre zuvor haben die Arbeiten an diesem Wernsdorfer Geschichtsbuch begonnen.

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