Container-Terminal: Baustelle vermasselt Betreiber das Geschäft

Seit zweieinhalb Jahren läuft das Insolvenzverfahren beim Güterverkehrszentrum in Glauchau, und ein Ende ist nicht in Sicht. Das hat auch Folgen für den Betreiber des Umschlagplatzes.

Glauchau.

Zielsicher steuert der Greifstapler auf den Container zu, packt ihn der Länge nach zwischen seine Greifarme und hebt ihn auf den Sattelschlepper. Genauso schnell werden zwei andere Behältnisse umgestellt auf dem Terminalgelände in Glauchau. Dann verschwindet das Staplerfahrzeug in einer Lücke zwischen den Container-Türmen. Es geht vergleichsweise ruhig zu an diesem Nachmittag. Doch der Betrieb läuft - obwohl der Eigentümer des Umschlagplatzes seit zweieinhalb Jahren in einem Insolvenzverfahren steckt.

"Wir haben genug zu tun", sagt Heinrich Kerstgens, Pressesprecher beim Logistikkonzern Contargo, der das Terminal gepachtet hat. Aus wirtschaftlicher Sicht sei die Lage jedoch unbefriedigend. Grund: Man könnte mehr Container abfertigen, wenn nicht ein Teil des Geländes Baustelle wäre, die aber aufgrund der Insolvenz brachliegt. So müsse man jeden Zug bis zu viermal aufteilen. "Wären diese Restriktionen nicht, wäre weitaus mehr Geschäft möglich", sagt Robert Sebald, Geschäftsführer bei der Contargo Network Logistics GmbH. Durch die Baustelle könnten etwa nur die Hälfte der Container umgeschlagen werden. Zudem entgeht dem Standort möglicherweise ein lukratives Neugeschäft: Die Abfertigung von Güterzügen aus China sei aktuell ein großes Thema; an anderen Terminals gebe es Anfragen. Auch für Glauchau wäre das vorstellbar, nur eben unter den jetzigen Bedingungen nicht realisierbar. Das könne zu einem Standortnachteil führen.

Der jetzige Betreiber bewirtschaftet das Terminal seit der Eröffnung 2010. Auf dem Umschlagplatz mit einer Kapazität von 30.000 Containern pro Jahr sind knapp zehn Mitarbeiter beschäftigt. Die Kunden kommen aus einem Umkreis von rund 150 Kilometern und aus verschiedenen Branchen.

Die Baustelle war im Zuge einer noch vor der Pleite geplanten Erweiterung entstanden. Der Eigentümer des Terminals, die Güterverkehrszentrum Entwicklungsgesellschaft Südwestsachsen (GVZ-E), hatte den Ausbau in Auftrag gegeben. Dabei wurde der große Portalkran angeschafft, zudem sollte die Abstellfläche vergrößert werden. Kosten: mehr als 10 Millionen Euro. Etwa die Hälfte davon kam über Fördermittel zustande. Der Rest sollte vor allem über Kredite finanziert werden. Das klappte nicht. Versuche der GVZ-E, die Finanzierung doch noch auf die Beine zu stellen, schlugen fehl, sodass Ende 2015 nur noch die Insolvenzanmeldung blieb.

Wie es langfristig weitergeht, ist offen. Es ist derzeit nicht absehbar, wann Insolvenzverwalterin Bettina Schmudde das Verfahren zum Abschluss bringt. Ihr Büro teilt mit, dass man sich nicht zum Stand des Verfahrens äußern könne. Betreiber Contargo würde das Terminal zwar gern übernehmen und hat auch ein Angebot abgegeben. Doch eine Antwort habe man nicht erhalten, so Sebald. "Bei uns stehen alle Türen weit offen. Wir können uns vorstellen, den Standort mit unseren Terminals in Hof und Wiesau weiterzuentwickeln", sagt Contargo-Sprecher Kerstgens. Auch den neu angeschafften Portalkran würde man dann in den Betrieb einbauen, ergänzt Sebald. Seit der Insolvenz dreht sich an dem weithin sichtbaren Kran kein Rad.

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