Das Super-Gerüst von Waldenburg

Das Turmdach der Lutherkirche wird saniert. Allein schon das Einrüsten des Gebäudes ist nichts für Leute mit schwachen Nerven.

Waldenburg.

Robert Beyer hat momentan einen Arbeitsplatz mit einem ganz besonderen Ausblick. Der 58-Jährige schaut quasi aus der Vogelperspektive auf das historische Stadtzentrum und das ehemalige Residenzschloss von Waldenburg sowie in das Tal der Zwickauer Mulde. "So eine Baustelle hat einen besonderen Reiz und bleibt lange in Erinnerung", sagt Robert Beyer. Er ist für den Aufbau des Gerüsts am Turm der Lutherkirche in Waldenburg verantwortlich. In einer Höhe von 44 Metern müssen momentan die letzten Teile montiert werden. Mitte der nächsten Woche wird der Staffelstab unter anderem an die Dachdecker und Zimmerleute übergeben - sie beginnen dann mit der dringend erforderlichen Sanierung des Turmes.

Der Einsatz über den Dächern der Töpferstadt ist nichts für Leute mit schwachen Nerven. "Man braucht Respekt, aber keine Angst", sagt Robert Beyer, der seit einem Vierteljahrhundert für ein Unternehmen aus Niederschindmaas die Gerüste aufstellt. Er liebt - neben dem Ausblick - auch die Abwechslung und die Arbeit an der frischen Luft. "Wir schaffen etwas, was am Ende nicht mehr zu sehen ist. Aber: Ohne uns könnte es gar nicht losgehen", sagt der bärtige Mann mit der schwarzen Wollmütze, die über die Ohren gezogen ist.

Seit Mitte Februar läuft der Aufbau des Gerüstes an der Lutherkirche. Die unteren Etagen waren schnell montiert. Danach aber mussten Robert Beyer und seine Kollegen die verzinkten Stahlrohre und Holzträger mit einem Personen- und Lastenaufzug nach oben transportieren. Es handelt sich um einige Tausend Einzelteile.

"Wir haben sie nicht gezählt", sagt Firmenchef Christian Jacob, der seine Mitarbeiter während des Projektes in der Töpferstadt zuletzt auch mehrfach unfreiwillig nach Hause schicken musste. Durch den starken Wind konnten die Helfer an vier Tagen überhaupt nicht auf das Gerüst. "Das Wetter muss mitspielen", sagt Jacob, der auch weitere Baustellen in Westsachsen im Blick hat. Dazu gehören beispielsweise die Kapelle auf dem Friedhof in Meerane und die Kirche in Wolkenburg.

Erst im August oder September geht es für die Mitarbeiter der Gerüstbaufirma wieder an die Lutherkirche in Waldenburg. Dann können sie - wenn bis dahin alles planmäßig läuft - das Gerüst wieder abbauen. "Dann sollen die Arbeiten am Turm zum Abschluss gebracht werden", sagt Architektin Elisabeth Scholz.

Für die Sanierung an der 1823 und 1824 errichteten Lutherkirche stehen insgesamt etwa 233.000 Euro zur Verfügung. Dabei gibt es einen Zuschuss von 100.000 Euro aus den Fördertöpfen für den ländlichen Raum. Aus den Kassen der Landeskirche und der Kirchgemeinde kommen insgesamt noch einmal 133.000 Euro. Der Grund für die aufwendige Maßnahme am Kirchenturm: An mehreren undichten Stellen dringt Wasser in das Gemäuer ein. Deshalb soll das Dach neu gedeckt werden. Zudem müssen die Zimmerer einige Bogensparren austauschen, die beschädigt sind. Weitere Arbeiten machen sich am Naturstein-Sims direkt unter dem Dachbereich sowie an vier Fenstern erforderlich. "Wenn nichts gemacht wird, können Schäden am Dach schnell existenzbedrohend für ein Gebäude werden. Deshalb sind wir froh, dass die Mittel für die Sanierung zur Verfügung stehen", sagt Wolfgang Köhler vom Waldenburger Kirchenvorstand.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...