Der einst jüngste Discjockey kehrt zur Ost-Disko zurück

Da ist Musik drin Westsachsen, wie es singt und klingt. Heute: Detlef "Det" Fischer, der nicht nur Stadionsprecher ist.

Zwickau.

Im Personalausweis ist der Name Detlef Fischer eingetragen. Bekannt ist der 63-Jährige aber nur unter dem Namen Det. Wer in den 70er und 80er Tanzen ging, weiß, dass er der DJ der Effekt-Disco war. "Ich hatte schon immer einen Draht zur Musik", sagt er. Speziell die Pop-Musik hat ihn Anfang der 70er Jahre brennend interessiert.

Bayern 3 war damals sein Sender. Es war die Zeit, als Thomas Gottschalk und Fritz Egner ihre Radiokarriere starteten. "Ich hing damals viel am Radio", sagt Fischer. Da war es kein Wunder, dass er Radiomoderator werden wollte. Doch in der DDR war das nur Auserwählten möglich, zu denen er nicht gehörte. Er lernte Betriebsschlosser. Die Musik wollte er jedoch nicht aufgeben. 1972 wurde er zum jüngsten Disc- jockey im damaligen Bezirk Karl-Marx-Stadt. Er brauchte noch die Genehmigung seiner Mutter, um die begehrte Zulassung vom Bezirks- kabinett für Kulturarbeit zu bekommen. Zwei Tage vor seinem 18. Geburtstag legte er zum ersten Mal in der "Linde" in Planitz auf. "Auflegen ist da eigentlich nicht das richtige Wort", sagt Fischer. In der DDR war man auf Tonbänder angewiesen, die meisten Titel wurden vom Westradio aufgenommen. Er erinnert sich noch an seine erste Langspielplatte, die er aus dem Westen geschenkt bekam - Simon and Garfunkel: "Bridge Over Troubled Water".

Fast jedes Wochenende war Det Fischer mit seiner Disco "Effekt" im Einsatz. Wie er zu diesem Namen kam, kann er heute nicht mehr erklären. "Die Disco musste einen Namen haben", sagte er. Effekt ist ihm wohl spontan eingefallen. Es wurde zu einem Markennamen. Aber das hört Fischer nicht so gern. "Ich war einer von vielen DJs in Zwickau." Und auch als Legende sieht er sich nicht, obwohl er nach der Wende im Geschäft blieb. Jetzt konnte auch Musik aufgelegt werden, die vorher keiner kannte. Dennoch absolvierte er 1996 eine Journalistenausbildung. Die ermöglichte ihm, für Fernsehsender und Radiostationen über Sportveranstaltungen zu berichten.

2006 zog er sich aus dem Discogeschäft zurück. Nur noch ab und zu ließ er sich zu einem Auftritt überreden. Der Pop-Musik ist er treu geblieben, auch wenn er inzwischen auch Jazz und Soul ganz gut findet. 2010 begann eine neue Karriere für Det Fischer. Gerhard Neef machte ihn quasi im Handstreich zum Stadionsprecher bei den Heimspielen des FSV Zwickau. Mit dem Umzug in das Sportforum "Sojus" stand er erstmals mit dem Mikrophon in der Hand am Spielfeldrand. Sein Credo ist die Sachlichkeit. "Mir liegt es nicht, auf dem Spielfeld herum zu hampeln", sagt er. Er glaubt, dass auch die Fans das gar nicht sehen wollen. "Sie wollen informiert werden." Sein Vorbild ist dabei der Stadionsprecher der Allianz-Arena in München, Stefan Lehmann. Direkte Höhepunkte in seiner Karriere als Stadionsprecher fallen ihm gar nicht ein. "Jedes Spiel macht Spaß." Dann aber doch: "Das Spiel der U-20-Nationalmannschaft ist schon eine besondere Erfahrung gewesen."

An diesem Samstagabend gibt es tatsächlich eine Art Revival. Det Fischer steht wieder am Mischpult und legt zur Ost-Disko in der Zwickauer "Mocca-Bar" auf. "Ich war schon etwas überrascht, als mich Michael Uhlig anrief", gibt Fischer zu. Eigentlich hatte er schon mit dem Gedanken gespielt abzusagen. Jetzt freut er sich aber, dass er zugesagt hat, immerhin kann er dann noch einmal die Songs auflegen, die ihn viele Jahre in seinem Leben begleitet haben. "Ich habe auch schon viel Zuspruch zur Veranstaltung erfahren", sagt er.

Auch heute noch hat Det Fischer Lampenfieber. "Das wird auch vor der Ost-Disko so sein", sagt er. "Wenn das Lampenfieber nicht mehr kommt, wird es Zeit aufzuhören."


Fünf Fragen an Det Fischer

1. Sie wollten das Angebot, als DJ an der Ost-Disko mitzuwirken, zunächst ablehnen. Warum haben sich anders entscheiden?

Es war schließlich das Konzept. Ich kann noch einmal in die Zeiten eintauchen, in denen ich jede Woche hinter dem Mischpult stand und auch noch einmal das Flair der damaligen Zeit erleben. Ich hoffe, da auch einige alte Bekannte wieder zusehen. Eine Art Alt-Disko-Treffen.

2. Was ist der Song, den sie sich selbst zur Ost-Disko wünschen?

"Am Fenster" von City, der Klassiker der DDR-Musik darf nicht fehlen. Aber auch die deutsche Fassung des Wishful-Thinking-Hits "Hiroshima" von den Puhdys ist wohl ein Muss.

3. Welche Musik wird zu hören sein?

Natürlich werden wir alle Musikwünsche erfüllen. Und natürlich habe ich ein paar Überraschungen, auch mit einem Aha-Effekt.

4. Wird Det Fischer zur Party auch in einem typischen Look aus den 70er oder 80er Jahren auflegen?

Da muss ich erst mal sehen, was mein Kleiderschrank so hergibt.

5. Wird es weitere Ost-Diskos mit Det Fischer geben?

Das wird sich zeigen.

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