"Der Prüfer guckt in jede Ecke"

Astrid Peiker, Chefin der Gersdorfer Glückauf-Brauerei, über den Zertifizierungsmarathon

Gersdorf.

Die Glückauf-Brauerei hat erneut das Lebensmittel-Gütesiegel nach dem international anerkannten Standard IFS Food (International Features Standards) bekommen. Über den zweitägigen Prüfmarathon sprach Hans-Peter Kuppe mit Brauereichefin Astrid Peiker.

Freie Presse: Glückwunsch zum Prüfsiegel. Sie machen einen erleichterten Eindruck?


Astrid Peiker: Oh ja, mit dem Prüfzertifikat waren zweieinhalb Tage Stress verbunden. Vor dieser Prüfung haben wir immer großen Respekt. Aber wir haben die Prüfung mit 98,23 Prozent der möglichen Punktzahl abgeschlossen. Das ist ein sehr gutes Ergebnis.

Ab wieviel Prozent müssen Sie sich denn Sorgen machen?

Wenn wir unter 95 Prozent sinken, dann kann es passieren, dass uns die großen Marktketten nicht mehr listen oder unsere Produkte billiger verkaufen. Bei dem Siegel geht es aber in erster Linie um Verbraucherschutz. Die Ansprüche der Verbraucher werden immer höher. Deshalb wachsen auch die Anforderungen an die Lieferanten von Fertigerzeugnissen. Für uns ist die Zertifizierung deshalb auch eine Art freiwillige Selbstkontrolle.

Was passiert eigentlich bei so einer Prüfung?

Bei so einer Zertifizierung guckt der Prüfer quasi in jede Ecke. Dabei kommen nicht nur die technischen Anlagen auf den Prüfstand. In zweieinhalb Tagen werden das Qualitätsmanagement überprüft und sämtliche Betriebsprozesse analysiert. Vom Braukeller bis zur Flaschenabfüllung nimmt der sogenannte Hauptauditor alles unter die Lupe. Es werden sogar die verwendeten Rohstoffe untersucht. Auch die müssen das IFS-Prüfsiegel haben. Sämtliche Parameter werden kontrolliert, vom Produktschutz bis zum Krisenmanagement. Bei der Prüfung spielt natürlich die Hygiene eine herausragende Rolle, es geht hier schließlich um Lebensmittel.

Sie laufen dabei zweieinhalb Tage mit dem Prüfer durch die Brauerei?

Der Prüfer lässt sich alles zeigen, arbeitet dann seitenweise Fragen und Kriterien ab. Das ist unglaublich aufwendig. Je nach Bedarf werden die Braumeister dazugeholt.

Kann man da überhaupt durchfallen?

Oh ja. Zum Beispiel kauft der Prüfer auf der Anreise in irgendeinem Laden eine Flasche Bier oder ein anderes Produkt aus unserer Erzeugnispalette. Die stellt er dann auf den Tisch. An Hand der Kennzeichnung des Produktes müssen wir binnen 30 Minuten alle Fakten zum Produktionsprozess für dieses Erzeugnis ranschaffen. Die Zutaten, wann der Sud angesetzt wurde, wann und wieviel davon abgefüllt und an welche Abnehmer geliefert wurde. Für jedes Produkt ist der Entstehungsprozess im Computer genau nachvollziehbar. Wir müssen das vollständig belegen können.

Bei 100 Prozent gäbe es nichts zu meckern? Wo verstecken sich denn die fehlenden 1,77 Prozent?

Da geht es um Kleinigkeiten, die uns selbst im Betriebsalltag nicht so auffallen. Wir sind ja eine traditionsreiche Brauerei in einem historischen Gebäude. Wir haben in den vergangenen Jahren schon enorm modernisiert. Aber unsere baulichen Möglichkeiten sind eben begrenzt. Größere Mängel hat Auditor Dr. Wolfgang Sieber nicht gefunden. Dem Prüfprotokoll wird eine Art Mängelliste angehängt. Diese Mängel müssen wir jetzt abstellen.

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