Der zerplatzte Traum der Kunstlehrerin

Ahed Najem hat an der Meeraner Tännichtschule als Seiteneinsteigerin unterrichtet. Nun hat sie keinen neuen Vertrag, die Schule keinen neuen Kunstlehrer. Wie kann es in Zeiten des Lehrermangels dazu kommen?

Meerane.

Es schien zu passen: Ahed Najem, die einst an der Universität von Damaskus Kunst studiert hatte, flüchtete wie so viele Landsleute vor drei Jahren aus Syrien nach Deutschland und suchte zu Beginn des Jahres 2017 einen Job. Und an der Meeraner Tännichtschule suchte man zu dieser Zeit erfolglos einen Kunstlehrer. Da Najems Lebensgefährte damals beim Landesamt für Schule und Bildung arbeitete, war der Kontakt schnell hergestellt. Sie erhielt einen befristeten Vertrag und arbeitete fortan als Seiteneinsteigerin an der Oberschule.

Heute, nach zwei Jahren Unterricht in allen Klassenstufen und intensivem Einarbeiten in den Lehrerberuf, ist Ahed Najem arbeitslos. Ihr Vertrag lief Ende 2018 aus. Dabei hätte sie gerne weiter gelehrt, die Schule sie gerne behalten. Einen neuen Kunstlehrer gibt es hier nicht. Eine Situation, die nur Verlierer hat. Wie kann es in Zeiten des Lehrermangels dazu kommen?

Beim Gespräch mit Najem und ihrem Partner Tino Ludwig, der inzwischen nicht mehr im Schulamt arbeitet, gibt es viel Kopfschütteln. "Die letzten zwei Monate waren für mich eine Katastrophe", sagt sie. "Im Dezember habe ich meiner 5. Klasse erklären müssen, dass ich im neuen Jahr nicht wiederkomme. Sie haben das nicht verstanden."

Zweimal wurde der Vertrag der 34-Jährigen vom Schulamt verlängert. Eine dritte Verlängerung war nicht möglich. Najem hätte gerne einen unbefristeten unterzeichnet. "Ich wollte gerne ein begleitendes Studium für Seiteneinsteiger absolvieren", sagt sie. Voraussetzung dafür ist aber ein fristloser Kontrakt. Warum der nicht zustande kam?

Das Schulamt führt drei Gründe an: Erstens benötigt Ahed Najem für eine unbefristete Anstellung einen Sprachnachweis des Goethe-Instituts mit der Niveaustufe C1. Den hat sie nicht. Zweitens musste ihr Studienabschluss aus Damaskus erneut geprüft werden. Und drittens: Ihr Aufenthaltsstatus in Deutschland ist derzeit nur befristet, da sie wegen der schwierigen Situation in ihrem Heimatland unter subsidiärem Schutz steht. Zwar hat sie ihren Partner inzwischen geheiratet, doch eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis geht damit nicht sofort einher.

Ehemann Tino Ludwig, der frühere Schulamtsmitarbeiter, kann diese Gründe so nicht nachvollziehen. "Ihr Abschluss ist bereits vor zwei Jahren von der Universität Leipzig geprüft worden", sagt er und zeigt das entsprechende Dokument. Darin steht: "Während des Druckgrafikstudiums erwarb die Bewerberin alle erforderlichen praktischen Fähigkeiten für die Tätigkeit als Kunstlehrerin." Ein abschließendes Urteil über die erneute Prüfung ihres Studiums hat sie nie erhalten.

Manko Sprachzertifikat: Ahed Najem legte eine Sprachprüfung ab, die mit dem geforderten C1-Nachweis vergleichbar war. Dem Schulamt reichte das nicht, es forderte eine Gleichwertigkeitsbescheinigung vom Goethe-Institut. "Für so etwas sehe ich gar keine Rechtsgrundlage", so Ludwig. Tatsächlich lehnte der Sprachanbieter das ab. "Wir beurteilen grundsätzlich keine Zeugnisse anderer Institutionen", teilt das Goethe-Institut auf Nachfrage mit. Auch über die langen Wartepausen und die Art der Kommunikation mit dem Schulamt ärgert sich das Ehepaar. Tino Ludwig: "Wir hätten etwas Fingerspitzengefühl erwartet."

Der Fall ist kompliziert, sagt Arndt Schubert vom Landesamt für Schule und Bildung, Standort Zwickau. "Das Thema Seiteneinsteiger gehört zum Komplexesten, mit dem wir es zu tun haben: unterschiedlichste Werdegänge und Abschlüsse." Der Vertrag mit Najem habe aus rechtlichen Gründen nicht verlängert werden können. So seien die Regeln im öffentlichen Dienst. "Für ein unbefristetes Verhältnis musste ihr Abschluss noch mal geprüft werden, weil es mittlerweile einen neuen Erlass dafür gibt", so Schubert. Das Problem: "Selbst wenn Sprachabschluss und Studienprüfung da wären, würde es aufgrund des befristeten Aufenthaltsstatus' nicht reichen." Man habe die junge Seiteneinsteigerin nicht fallen gelassen, so Schubert. "Wir haben alles versucht, es war nichts zu machen. Der Freistaat macht die Regeln. Für die Öffentlichkeit ist es sicher schwer nachzuvollziehen." Tino Ludwig sieht das anders: "Mit etwas Willen wäre mehr möglich gewesen." Die Leitung der Tännichtschule wollte sich zum Fall nicht äußern. Ein Fachkollege wollte mit der "Freien Presse" sprechen, das Schulamt erteilte dem eine Absage.

Für den Kunstunterricht an der Tännichtschule soll ein Lehrer einer anderen Schule aushelfen, teilt das Schulamt mit. Ahed Najem nützt das nichts mehr. Ihren Traumberuf Kunstlehrerin muss sie wohl begraben. "Ich habe mich woanders beworben, auch an privaten Schulen", sagt sie. Bislang noch ohne Erfolg.

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1Kommentare
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  • 4
    2
    Kastenfrosch
    18.01.2019

    "Wir haben alles versucht, es war nichts zu machen. Der Freistaat macht die Regeln." sagt Arndt Schubert vom Landesamt für Schule und Bildung, und scheint nicht zu merken, dass er den Freistatt vertritt. Wie heißt es so schön: wo ein Wille ist, ist ein Weg.



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