Die junge Frau, die das 18. Jahrhundert liebt

Alexandra Thümmler hat aus ihrer Doktorarbeit ein Buch über die Schönburgischen Herren im 18. Jahrhundert gemacht und stellte es erstmals der Öffentlichkeit vor. Das ist ihr bisheriges Lebenswerk.

Glauchau.

Im Eiltempo hat die Kutsche die Hoch-Reichsgräflich-Schönburgische Hauptstadt Glauchau verlassen. In dem schaukelnden Gefährt saß Gräfin Wilhelmine Christiane, Gemahlin des Grafen Otto Ernst von Schönburg-Hinterglauchau. Als geborene von Solms-Sonnenwalde war sie Anfang des Jahres 1730 auf dem Weg in ihre eigenen Güter. Den Mann und ihre acht gemeinsamen Kinder hatte sie einfach verlassen - in Anbetracht der Lebensumstände im Schloss Hinterglauchau. Ein regelrechter Skandal.

Mit dieser Szene beginnt Alexandra Thümmler ihr Buch "Reichsstand, Pracht und Frömmigkeit". Dabei geht es um die Repräsentationsformen der Grafen und Fürsten von Schönburg im 18. Jahrhundert. Nach der Fertigstellung ihrer Dissertation hat Alexandra Thümmler das Buch am Sonntagnachmittag im Schloss Hinterglauchau, gespickt mit der einen oder anderen Anekdote, vorgestellt. Was zunächst einmal hoch wissenschaftlich klingt und auch Ergebnis einer mehr als zehn Jahre andauernden Forschungstätigkeit ist, hat hoch spannende Elemente. Die Gräfin, die 1730 Schloss, Mann und Kinder verließ, war entsetzt drüber, dass ihr Mann, Graf Otto Ernst, das Schloss vernachlässigte und stattdessen den Wiederaufbau der St. Georgenkirche in Glauchau, die beim großen Stadtbrand 1712 zerstörte wurde, unterstützte. Das Schloss Hinterglauchau war nach einem Blitzeinschlag nur noch teilweise bewohnbar - die Repräsentation Schönburg-Hinterglauchauer litt, zumindest aus Sicht der Gräfin.

Dabei ist Graf Otto Ernst von Schönburg-Hinterglauchau einer von vielen Hausherren, die Alexandra Thümmler in ihrer Arbeit wissenschaftlich beleuchtet. Im 18. Jahrhundert gab es zeitweilig elf verschiedenen Linien und Herrschaften der Schönburger mit ebenso vielen Residenzen, von denen es heute noch einige gibt. Neben Glauchau sind das unter anderem Waldenburg, Lichtenstein, Stein, Rochsburg, Wechselburg, Hartenstein. Ebenso verschieden sind die Herrschaftsstile, die Repräsentationsformen, der Umgang mit Untertanen und der wirtschaftliche Erfolg oder Misserfolg. Und das alles vor dem Hintergrund des Kampfes der Schönburger um ihre Autonomierechte, die sie schließlich im 18.Jahrhundert verloren.

Doch wie kommt eine junge Frau wie Alexandra Thümmler - sie ist Jahrgang 1980 - dazu, sich ausgerechnet mit den Schönburger des 18. Jahrhunderts so intensiv zu befassen? "Ich liebe das 18. Jahrhundert", ist ihre spontane Antwort. Im Jahr 2005 schrieb sie als Studentin an der Universität Leipzig ihre Magisterarbeit über die Hofhaltung der Schönburger im 18. Jahrhundert. Das war aber erst der Beginn intensiverer und spannender Forschung, die schließlich jetzt als Doktorarbeit über knapp 700 Seiten in Buchform erschienen ist, nämlich als Band 59 der renommierten Reihe "Schriften zur Sächsischen Geschichte und Volkskunde". Zwischenzeitlich studierte Alexandra Thümmler, die im Museum Waldenburg arbeitet, Lehramt auf Geschichte und Spanisch.

Die Glauchauer Museumsleiterin Wiebke Glöckner - im Museum gibt es neben dem Staatsarchiv in Chemnitz noch zahlreiche Quellen zur Geschichte der Familie der Schönburger - freute sich am Sonntagnachmittag, dass Alexandra Thümmler gerade das Schloss Hinterglauchau als Ort für ihre Buchpräsentation ausgewählt hat. Alexandra Thümmler: "Wo, wenn nicht in der Hoch-Reichsgräflich-Schönburgischen Hauptstadt Glauchau sollte man so etwas machen?"

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