Die Kehrseite des Glyphosatverzichts

Glauchau versteht sich als pestizidfreie Kommune. Doch der Aufwand, der dahintersteckt, fällt der Stadt jetzt auf die Füße.

Glauchau.

Die Worte waren eindeutig. "Ja, wir sind nicht mehr in der Lage, die Grünpflegearbeiten komplett zu erledigen", sagte Glauchaus Oberbürgermeister Peter Dresler (parteilos) während der Einwohnerversammlung diese Woche. Und er setzte noch einen drauf: "Und ja, seit dem Glyphosatverzicht hat sich die Situation verschärft." Die Stadt habe massive Probleme mit der Grünpflege. "Da ist so, alles andere wäre gelogen", sagte der OB.

Der im Stadtrat beschlossene Verzicht auf den Einsatz von Pestiziden bei der Unkrautbekämpfung fällt der Stadt jetzt offenbar auf die Füße, weil der Aufwand weitaus größer geworden ist, die Areale vom Unkraut frei zu halten. Die Mitarbeiter des Bauhofes setzen dafür heißes Wasser ein oder kratzen mit den Händen das Grüne aus den Fugen, wie letztens auf dem Glauchauer Schlossvorplatz. Und während der Einwohnerversammlung gab es Kritik. Familie Riedel von der Theaterstraße zum Beispiel beklagte den Zustand des Hangs gleich hinter dem Stadttheater. Der ist völlig mit Gestrüpp und Brennnesseln zugewachsen. Besucher des Theater können das nicht sehen, weil sie meist von vorn kommen, aber von hinten sehe es am bedeutsamen Haus der Stadt Glauchau verwildert aus. Der Weg am Grünstreifen zwischen der Auesiedlung und dem Gewerbegebiet Grenayer Straße ist nach den Worten von Anwohner Gerhard Freund zugewachsen. "Wenn das dürre Zeug Feuer fängt, brennt die Siedlung ab", sagte er.

Im Frühjahr 2019 hat der Glauchauer Stadtrat die Grünflächenstrategie beschlossen. Die legt bestimmte Vorgehensweisen auf städtischen Grünflächen verbindlich fest. Neben dem Glyphosatverzicht gehört dazu auch das Anlegen von Blühwiesen an geeigneten Stellen. Grünflächen außerhalb von Parks werden pro Jahr maximal zweimal gemäht, oft auch nur einmal. Naturnahe Wiesen bekommen Blühstreifen, bei der Anlage solcher Blühstreifen solle nach Möglichkeit Schulen beziehungsweise Kindertagesstätten einbezogen werden als Beitrag zur Umweltbildung. Die Grünflächenstrategie ist Bestandteil im derzeit laufenden Labeling-Verfahren "Stadtgrün naturnah", an dem sich die Stadt Glauchau als eine von 15 deutschen Kommunen beteiligt.

Die Initiative pestizidfreien Kommune kam bereits im Jahr 2018 von der damaligen Stadtratsfraktion der Linken. Der Einsatz von Pestiziden, die unter dem Verdacht stehen, krebserregend zu sein, sind für viele Tier- und Pflanzenarten im städtischen Raum ein Verhängnis, argumentierten die Linken. Die Folge davon sei das Insektensterben. Glauchau sollte beim Artenschutz eine Vorreiterrolle spielen und statt mit Chemiekeule lieber "mechanische und thermische Verfahren" anwenden, begründeten die Linken ihren Vorstoß.

Wenn aber der Bauhof nicht alles bewältigen kann, müsste die Stadt entweder mehr Personal einstellen, was höhere Kosten verursache, oder Fremdfirmen beauftragen, sofern sie welche finde, sagte Oberbürgermeister Peter Dresler. Für ihn besteht das Problem aber nicht nur bei der Grünpflege, sondern auch bei anderen Aufgaben des Bauhofes, etwa die Pflege der Gewässer, für die Stadt Glauchau zuständig ist.

Bewertung des Artikels: Ø 4 Sterne bei 2 Bewertungen
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...