"Die Nachfrage steigt"

Bernhard Schareck von der Schönburgischen Schloßcompagnie über den Aufwärtstrend bei Barockfesten

Glauchau.

Die "Gräflich Schönburgische Schloßcompagnie" hat eine lange Saison hinter sich. Christian Meyer sprach mit dem Vereinsvorsitzenden Bernhard Schareck (70) über die Stellung des Vereins - und einem besonderen Auftritt in Glauchau.

Freie Presse: Herr Schareck, hinter Ihnen liegt eine lange Saison. Wie viel Auftritte hat die Schloßcompagnie 2018 hingelegt?

Bernhard Schareck: Im aktuellen Jahr hatten wir 40 Auftritte in unserem Kalender stehen. Das kann von Zwei-Mann-Formationen bis zur kompletten Compagnie reichen.

Was treibt Sie eigentlich dazu, sich in historische Kostüme zu werfen als Musketier, Hofdame und so weiter?

Angefangen hat ja alles mit dem Tag der Sachsen im Jahr 2000. Nachdem einige Interessierte bei dieser Veranstaltung Napoleons Armee in geliehenen Uniformen spielten, entstand die Idee, eine historische Darstellergruppe zu gründen. Aber mit originalgetreuen, rekonstruierten Kostümen, kein billiger Abklatsch aus dem Internet. Dass die Nachfrage dann in den folgenden Jahren ein solches Ausmaß annimmt, damit hätten wir nie gerechnet.

Woher bekommen Sie die Kostüme?

Man kann das natürlich im Internet finden, aber da ist viel Schrott dabei. Auch den Theaterfundus von Zwickau haben wir inzwischen leer geräumt (lacht). Inzwischen sind die meisten Kleidungen Auftragsarbeiten von Schneidern, nach originalgetreuen Skizzen. Da legt man schon mehrere Hundert Euro auf den Tisch - nach oben gibt es da keine Grenze. Wer uns da sehr unterstützt ist Ilona Jäschke in Glauchau.

Wie viele Mitglieder mischen denn derzeit im Verein mit?

Wir sind derzeit 56 Mitglieder. Darunter auch viele junge Leute.

Warum ist die Compagnie bei den jungen Menschen so erfolgreich?

Zum einen kümmern wir uns um den Nachwuchs, da sind wir im Vergleich zu anderen gut aufgestellt. Zum anderen sind die Kostüme für junge Leute, gerade Mädchen natürlich reizvoll, Stichwort Prinzessinnentraum. Mit 13, 14 Jahren legt sich das meistens. Dennoch bleiben einige dabei. Nicht selten steigen auch Familienmitglieder, Geschwister oder Eltern mit ein, wenn sie sehen, was bei uns los ist.

Wie und wann proben die Vereinsmitglieder?

Meist wöchentlich. Ich unterrichte selbst eine Tanz- und Musikgruppe. Da gibt es bei uns zwei unterschiedliche Leistungsbereiche. Außerdem haben wir externe Lehrer.

Verlangt der Verein ein Honorar für seine Auftritte?

In Glauchau nicht. Aufwandsentschädigungen gibt es ansonsten je nach Örtlichkeit. Wir haben ja auch Kosten wie die Kostüme oder auch das Engagement von Maskenbildnern, die wir für Auftritte buchen, und die sich dort um die Frisuren und die Schminke kümmern. Unterm Strich kommen wir auf eine schwarze Null.

Was war für Sie der Höhepunkt der aktuellen Saison?

Das Orangenfest in Dresden, ein Barockfest im Zwinger mit sehr vielen Zuschauern.

Hat man in der Barockstadt Dresden keine eigenen historischen Darstellergruppen?

Doch, aber die sind nicht so gut wie wir (lacht). Wir heben uns von vielen ähnlichen Gruppen ab, weil wir auch gute Live-Musik mit Trommeln und Flöten bieten. Das haben andere meist nicht im Repertoire.

Sehen Sie bei historischen Festen eine Tendenz nach oben?

Ja, die sehe ich. Es sind in den vergangenen Jahren eben auch viele Schlösser in Deutschland saniert worden, das sind für solche Feste ideale Kulissen. Die Nachfrage für Gruppen wie unsere steigt.

Dabei tritt die Schloßcompagnie gar nicht so häufig in Glauchau auf.

Es gab Auftritte, aber meist waren wir mit kleineren Formationen beteiligt wie am Spieletag. Laut unserer Satzung ist es aber ausdrückliches Ziel, in Glauchau und vor allem im Schloss präsent zu sein. Eine tolle Gelegenheit, uns in Glauchau zu erleben, wird es aber noch dieses Jahr geben. Am 18. November gestalten wir mit der Chursächsischen Philharmonie einen Galaabend im Stadttheater.

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