Doerfel-Erbe hofft auf Käufer

Die Villa eines Ehren- bürgers von Kirchberg steht seit Jahren leer. Ein Jammer für den Urenkel, der die Ursache in den Grundstücksgrenzen sieht.

Kirchberg.

Mit großer Freude haben die Erben von Kommerzienrat Richard Doerfel die Nachricht zur Kenntnis genommen, dass eine Straße im neuen Wohngebiet am Schießhausberg in Kirchberg den Namen ihres Urgroßvaters und Ehrenbürgers der Stadt tragen soll. Bernhard Doerfel, der sich mit Bruder Hans-Richard um das Haus kümmert und in einer hessischen Kleinstadt zu Hause ist, fühlt sich noch sehr mit der Stadt Kirchberg verbunden. Würde sich nun noch ein Besitzer für die alte Doerfel-Villa an der Bahnhofstraße 23 finden, wäre Bernhard Doerfel überglücklich.

Die unter Denkmalschutz stehende Villa, die über 21 Zimmer verfügt, steht schon seit geraumer Zeit zum Verkauf. Bleiglasfenster, Stuckdecken, historische Parkettfuß- böden, Kamin von 1879 - das Haus verfügt über Kostbarkeiten. Der Sanierungsbedarf ist allerdings nicht zu übersehen. Doerfel zufolge scheitern Verkaufsversuche allerdings regelmäßig an einem bei der Restitution unglücklich gezogenen Grenzverlauf zu den Nachbarn.

Kommerzienrat Doerfel (1838-1915), 1912 zum Ehrenbürger der Stadt ernannt, hatte die Heizrohr- fabrik seines Vaters zu einem der größten Unternehmen der Stadt Kirchberg gemacht. Monteure erledigten Aufträge in China und St. Petersburg. 1878 ließ er auf dem Gelände gegenüber des heute noch produzierenden Werks jene Villa errichten, die inzwischen verlassen ist. Doerfel bezog sie damals selbst mit seiner Familie. Bis 1934 wohnte Sohn Franz in der Villa, danach teilten sich dessen Söhne Richard und Walter (Bernhard Doerfels Vater) das Haus. 1953 zogen alle aufgrund zunehmender Schikanen nach Westdeutschland. Die kommunale Wohnungsverwaltung richtete sechs Wohnungen in dem Haus ein und vermietete diese, die Fabrik wurde volkseigener Betrieb.

Nach der Wende wurde der Familie eine Teilfläche von 2500 Quadratmetern zugesprochen, den größeren Teil des rund 6000 Quadratmeter großen Areals gab die Treuhand- anstalt der Stuttgarter Firma Behr, heute Mahle. Dort stand das Werk II, das vor Jahren abgerissen wurde. Heute nutzt die Firma die Fläche als Parkplatz.

Die Grenzziehung damals bezeichnet Doerfel als irrsinnig. Allein der Wintergarten im ersten Stock ragt ins Nachbargrundstück hinein. Am 31. Juli 1997 setzten sich die Eigentümer erstmals mit der Geschäftsführung und dem damaligen Bürgermeister an einen Tisch. Es kam zu einer Vereinbarung über eine gemeinsame Vermarktung. Doerfel zufolge standen 2006 Investor und Betreiber für ein Altenheim mit 54 Plätzen parat, sprangen aber ab, nachdem sich das Unternehmen über elf Monate nicht äußerte. 2007 gab es Doerfel zufolge das selbe Spiel.

Die Firma Mahle benötigt das Gelände heute offenbar als Parkplatz. Doch der ließe sich Doerfel zufolge auch mit einer anderen Grenz- ziehung finden. Unternehmenssprecher Ruben Danisch erklärt, dass man den Eigentümern in der Vergangenheit schon sehr entgegengekommen sei. Darüber hinaus sehe man keine weiteren Möglichkeiten mehr.

Der Urenkel hofft weiter auf einen Kompromiss. Denn erst im Januar dieses Jahres kassierte seine Maklerin Anja Roocke erneut eine Absage von einem Interessenten, der die "großartige Villa" zum Ausspannen nutzen wollte, wegen der ungeklärten Grundstücksfragen aber davon Abstand nahm. Der Mann prophezeite: "In meinen Augen ist das Haus unverkäuflich."

Bernhard Doerfel: "Uns geht es darum, unser Elternhaus zu bewahren. Es schmerzt, wenn man sieht, dass in all den Jahren nichts passiert." Rund 60.000 Euro habe die Familie bereits hineingesteckt, um das Nötigste zu reparieren. Der 74-Jährige ist derzeit dabei, seine Angelegenheiten zu regeln. Er schließt nicht aus, das Haus einer Stiftung zu übertragen.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...