Ein ausgezeichneter Christ

Ehrensache! Engagiert in Westsachsen. Heute: Andreas Sonntag hält mit anderen eine interessante Kirche in Hohenstein-Ernstthal offen.

Hohenstein-Ernstthal.

Der Satz "Zum Sonntag gehört die Kirche" trifft heutzutage nur noch für einen geringen Prozentsatz der Menschen zu. Er kann aber auch doppelt zutreffen. Andreas Sonntag aus Hohenstein-Ernstthal ist jeden Sonntag in der Kirche und fühlt sich dem Gotteshaus der St.-Christophori- Gemeinde auch sonst verpflichtet. Für seinen ehrenamtlichen Einsatz wurde er beim Neujahrsempfang "Warm Up" von Oberbürgermeister Lars Kluge wie andere Ehrenamtlern und Sportler der Karl-May-Stadt auch ausgezeichnet. "Das kam für mich völlig überraschend", sagt Andreas Sonntag, der nicht wusste, was in der Veranstaltung auf ihn wartet. Denn vorher hatten wirklich alle dicht gehalten.

Den Vorschlag für die Auszeichnung hatte Pfarrerin Anke Indorf bei der Stadtverwaltung gemacht. "Er hat es einfach verdient, denn er ist jemand, der in der Gemeinde ganz viel macht, ohne groß darüber zu reden", sagt sie. Davon profitieren ihrer Meinung nach nicht nur die Gemeindemitglieder, sondern auch die Bewohner der Stadt und deren Besucher.

Denn Andreas Sonntag hat vor einigen Jahren die Idee der offenen Kirche auf den Weg gebracht. Jetzt im Winter ist die Kirche an Sonntagen und an Feiertagen von jeweils 10 bis 15 Uhr geöffnet, in der warmen Jahreszeit täglich zwischen 10 und 18 Uhr. Wer Ruhe finden will, sich für das markante Bauwerk interessiert oder Erinnerungen damit verbindet, kann zu diesen Zeiten einfach in die Kirche gehen. "Bei einem Urlaub im Schwarzwald bin ich auch einmal an eine Kirche gekommen, die offen war. Man konnte reingehen und sich umschauen, das fand ich gut", sagt Sonntag und hatte wenig später das Ziel, diese Möglichkeit auch in der heimischen Christophorigemeinde zu schaffen, in der er schon immer seine Heimat hat. Zusammen mit seinen Mitstreitern kümmert sich Sonntag um den Schließdienst der Kirche. Bei besonderen Veranstaltungen in der Stadt wird auch noch der Kirchturm zugänglich gemacht. "Der ist immer gut besucht. Man hat einen wirklich schönen Blick über die Stadt und in Richtung Erzgebirge", findet der 53-Jährige, der bei solchen Anlässen gern mit den Besuchern ins Gespräch kommt.

Doch Andreas Sonntag packt auch anderswo mit an. Die sonntäglichen Gottesdienste verpasst er eigentlich nie und hilft danach gern beim Kirchencafé mit. Bei der Vorbereitung von Festen fehlt er genauso wenig wie bei Arbeitseinsätzen oder beim nicht immer ganz einfachen Transport des Weihnachtsbaumes in die Kirche. Der Baum steht derzeit noch, erst nach Lichtmess Anfang Februar wird er abgeschmückt. Beim Verteilen des Abendmahls hilft er gelegentlich ebenfalls, und früher war Sonntag auch noch Mitglied des Kirchenvorstandes.

"Solche Leute wünscht man sich einfach in seiner Gemeinde. Sie haben ganz viel vom Glauben verstanden", sagt Pfarrerin Anke Indorf über den stets freundlichen Helfer, für den all das selbstverständlich erscheint. "Ich lebe gerne als Christ. Dazu gehört für mich, ganz aktiv in der Gemeinde mitzuwirken. Die Kirche ist da so etwas wie das Wohnzimmer - und darum kümmert sich dann eben gern", erklärt der Hohenstein-Ernstthaler, der früher im Rettungsdienst gearbeitet hat, aber aufgrund von gesundheitlichen Problemen nun Erwerbsunfähigkeitsrentner ist. Ganz wichtig ist dem sympathischen Ehrenamtler zu betonen, dass er nur einer von vielen ist, die in der Gemeinde etwas tun. Deshalb will er sich auch etwas überlegen, wie alle etwas von der Prämie, die es bei der Auszeichnung für ihn gab, abbekommen können.

Was Sonntag weniger mag, ist es, vor einer großen Gruppe von Menschen zu stehen und zu reden. Deshalb sind beispielsweise die Lesungen im Gottesdienst nichts für ihn. Dennoch kommt er gern mit Menschen ins Gespräch und konnte so manchen Kirchenbesucher auch schon dazu animieren, sich ins Gästebuch einzutragen. "Ich staune manchmal, von wo die Leute überall herkommen", sagt Sonntag, der froh ist, dass er ihnen ein so schönes und obendrein mit viel Aufwand saniertes Gotteshaus zugänglich machen kann.


In St. Christophori heiratete Karl May

Die Kirche St. Christophori in Hohenstein-Ernstthal steht am Südhang des Pfaffenberges oberhalb von Rathaus und Altmarkt.

Ihr Turm entstand in der heutigen Form in den Jahren 1729 bis 1731. Das Kirchenschiff wurde 1756/57 auf den Grundmauern der vorherigen Kirche errichtet. Der Kircheninnenraum bekam sein heutiges Aussehen in den Jahren 1888/89 und auch die Türme, die sich an der Ostseite der Kirche befinden, entstanden damals als Aufgang zu den Emporen.

Ab den 1970er-Jahren fanden bis ins Jahr 1989 hinein umfangreiche Sanierungsarbeiten mit erneuten Umgestaltungen im Innenraum statt. Der Turm wurde nach dem Jahrtausendwechsel saniert, nach dem 250. Kirchenjubiläum folgten weitere Rekonstruktionen sowie die Fassadensanierung.

Die Orgelsanierung (2009/10) und das neue Chordachkreuz (2014) vollendeten die Bauarbeiten an der Kirche, in der am 12. September 1880 der Abenteuerschriftsteller Karl May als berühmtester Sohn der Stadt seine Frau Emma ehelichte. (mpf)

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1Kommentare
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  • 0
    0
    alibaba75
    28.01.2019

    Zusätzlich ein Bild von aussen hätte bestimmt nicht geschadet.
    So viel Platz wär auch gewesen .



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