Ein besonderer Ort für die letzte Ruhe

Jahrzehntelang diente die alte Redehalle auf dem Zwickauer Hauptfriedhof als Garage und Lager. Jetzt ist der Umbau zum Kolumbarium abgeschlossen. Am Montag wurde die erste Urne beigesetzt.

Zwickau.

Nach mehreren Verzögerungen ist es nun so weit: Zwickau wartet auf dem Hauptfriedhof mit dem ersten Kolumbarium in der Region auf. Dabei handelt es sich um ein oberirdisches Bauwerk zur Aufbewahrung von Urnen. Die Stadt hat dafür die alte Redehalle gleich rechts am Eingang des Hauptfriedhofs umgebaut. Am Montag gab es die erste Beisetzung. Eine weitere ist für diese Woche geplant.

Der Ziegelbau ist am 18. November 1865 als Friedhofskapelle eingeweiht worden. 1866 kam die Leichenhalle nebenan dazu, die jetzt als Archiv und Werkstatt genutzt wird, und 1876 die Friedhofswärterwohnung, die nun die Friedhofsverwaltung beherbergt. Kornelia Weihbrecht von der unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt sagte, dass der Entwurf der Friedhofskapelle im Stil der Neogotik von Stadtbaurat Adalbert Schramm stammt, der auch den Umbau des Rathauses im neogotischen Stil geleitet hat.


Bis Mitte der 1950er- Jahre wurde das Gebäude für kirchliche und weltliche Trauerfeiern genutzt. Doch nachdem als logistischen Gründen eine neue Trauerhalle ans Krematorium kam, verwaiste das Haus. Später wurde es über Jahrzehnte als Garage und Lager genutzt. 1999 erhielt es ein neues Dach. "Mit der denkmalgerechten Sanierung ist der Bau nun vom Schandfleck wieder zum Kleinod geworden. Darüber sind wir sehr glücklich", sagte Martina Richter, Abteilungsleiterin im Garten- und Friedhofsamt. Laut Stadtverwal- tung ist der Kostenrahmen von 469.000Euro eingehalten worden.

Schon von außen ist die alte Redehalle mit ihrer gereinigten Fassade und dem aufgearbeiteten Sandstein eine Augenweide. Das Kreuz über dem Eingang, das in der Königin Marienhütte Cainsdorf gefertigt wurde, hat Schlossermeister Thomas Götz aus Langenbernsdorf aufgearbeitet, ehe es neu vergoldet wurde. Aufgearbeitet worden sind von dem Handwerker auch die beiden Türen links und rechts, die ebenfalls aus der Hütte stammen. Die mittlere Tür wurde aus Holz nachgebaut.

Noch original sind darüber hinaus die gusseisernen Fenster, die Lichtbögen über den Türen sowie die mit buntem Glas versehenen runden Fenster aus der Cainsdorfer Hütte, die mit speziellem Glas versehen worden sind. "Wir sind sehr froh, dass der Ausbau der Teile, ihre Aufarbeitung durch den Schlossermeister und der Wiedereinbau ohne Schäden geklappt hat", sagte Kornelia Weihbrecht. Sie berichtet, dass die Pläne des Gebäudes zum Glück noch im Bauaktenarchiv der Stadt vorhanden waren. Das habe die denkmalgerechte Sanierung erleichtert, beispielsweise die Ausmalung der Halle. Der stark geschädigte Fußboden aus Schiefer und Sandstein ist nach dem Verlegeplan aus dem Archiv mit Fliesen überbaut worden. Links und rechts an den Wänden sind die Urnenregale installiert worden. Später sollen noch Urnensäulen hinzukommen. Insgesamt sind etwa 400 Urnenstellen vorgesehen. Ein Aufzug und ein vergrößertes Podest vorm Eingang sorgen dafür, dass auch Menschen mit Behinderung ohne Probleme ins Kolumbarium gelangen können.

Das Kolumbarium auf dem Hauptfriedhof in Zwickau ist täglich von 7 bis 20 Uhr (imWinter bis 18 Uhr) geöffnet. Eine Urnenkammer darin kostet 1935Euro. Die Nutzungsdauer beträgt 20 Jahre.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...