Ein Herz für Menschen aus der letzten Reihe

Ehrensache! Engagiert in Westsachsen. Heute: Michael Strzelczyk. Er gibt gemeinsam mit anderen dem längst abgeschriebenen Handwerkerhaus eine Zukunft.

Die meisten Planitzer hielten den umgangssprachlich als Handwerkerhaus bezeichneten Gebäudekomplex an der Inneren Zwickauer Straße wohl für nicht mehr zu retten. Zu sehr hatte der Zahn der Zeit an der Bausubstanz genagt. Aber da gab es noch ein Häufchen Visionäre, die sich partout nicht damit abfinden wollten. An ihrer Spitze Michael Strzelczyk.

"Wir hatten uns innerhalb der evangelisch-freikirchlichen Baptistengemeinde Zwickau-Planitz seit mehreren Jahren Gedanken über ein Projekt gemacht, mit dem wir jungen Menschen helfen könnten, die keine Zukunft auf dem Arbeitsmarkt für sich sehen. Denen wollten wir durch gemeinsames Arbeiten, Begegnung, Bildung und Erholung eine neue Lebensaufgabe und -orientierung bieten", sagt der 62-Jährige. Das marode Handwerkerhaus bot dafür gute Voraussetzungen. 2011 konnten die ersten Arbeiten in Angriff genommen werden. Ein Jahr später erfolgte die Gründung des Vereins "Das Handwerkerhaus Planitz". Zunächst standen die Beseitigung des Wildwuchses sowie die Beräumung des Geländes und des Hauses vom Unrat auf dem Programm.


Von der anfänglich noch sehr optimistischen Terminplanung mussten sich die aktuell 14 Vereinsmitglieder recht schnell verabschieden. "Wir haben zu Beginn 100.000 Euro vom Stadtumbauprogramm und auch Zuschüsse vom Denkmalschutz und der Stadt erhalten. Das deckt aber bei Weitem nicht den Bedarf an finanziellen Mitteln. Inzwischen haben wir in den Bau und die Betreibung des Handwerkerhauses rund 370.000 Euro investiert", berichtet Michael Strzelczyk. Zugleich stellt er klar, dass der Verein nur Geld ausgeben kann und will, über das er wirklich verfügt. Spendengelder sind die Haupteinnahmequelle. "Dadurch zieht sich das Vorhaben eben ein wenig in die Länge. Immerhin ist das kleinere der beiden Häuser inzwischen weitestgehend fertig. Aber es gibt noch viel zu tun. Aktuell sind wir mit dem Ausbau des zweiten Hauses beschäftigt. Auch freiwillige Helfer sind dazu jederzeit willkommen."

Christina Strzelczyk steht voll und ganz hinter dem Engagement ihres Mannes. "Wir machen das ja alles nicht für uns, sondern um Menschen zu helfen, die aus den unterschiedlichsten Gründen am Rand der Gesellschaft leben. Dafür schlägt auch mein Herz. Die Betroffenen sollen wissen, hier ist jemand, der sie unterstützt, ihnen zuhört und auch etwas zu essen gibt."

Selbst wenn die geplante christliche Lebenswerkstatt noch nicht fertig ist, erfüllt sie dennoch schon ihren Zweck. Zu verdanken ist das auch Heiko Fritzsche (53), dem einzigen Angestellten des Vereines. Er betreut und leitet die Leute an, die in der Regel vier Stunden pro Tag am Handwerkerhaus arbeiten. "Es sind Menschen, die bedingt durch körperliche Leiden, aber auch durch Alkohol- oder Drogenmissbrauch kaum noch eine Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt haben. Andere leisten Sozialstunden ab. Hier bei uns erhalten sie eine Aufgabe, finden vielleicht wieder etwas Selbstvertrauen und Lebensmut", sagt er. Wenn die Arbeiten am Handwerkerhaus abgeschlossen sind, sollen dort einmal fünf Zimmer für die vorübergehende Unterbringung von Menschen in Notsituationen zur Verfügung stehen.


Ursprünge liegen vor einem halben Jahrtausend

Die Geschichte des Grundstückes Innere Zwickauer Straße 70a lässt sich fast 500 Jahre zurückverfolgen. Erstmals erwähnt wird das Areal im Türkensteuerregister - einer Auflistung für die Vermögens- und Kopfsteuer zur Finanzierung der Türkenkriege. Demnach befand sich dort ein "Ganzer Hof" mit etwa 25 Hektar im Besitz der Familie Schneider.

Noch 1909 weist das Besitzstandsverzeichnis neben den Gebäuden, Feld und Wiesen auch einen Teich und einen Erlenniederwald aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgten die Teilung des Grundstückes sowie die Abtrennung von Bauland. 1952 enden die Eintragungen. Zu DDR-Zeiten war dort ein Stützpunkt der Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft. (awo)

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