Ein letzter Blick in die Brache

In den letzten Wochen ist es ganz schnell gegangen: Meerane hat die frühere Kammgarnspinnerei gekauft. Wie geht es weiter?

Meerane.

Die Tore der ehemaligen Kammgarnspinnerei in Meerane sollen sich noch einmal für Besucher öffnen. Damit gibt es für Hunderte Frauen und Männer wohl eine allerletzte Chance, um einen Blick auf ihren einstigen Arbeitsplatz zu werfen. Die Mitarbeiter stellten bis Juli 1990, als die Produktion im Betriebsteil in Meerane beendet wurde, unter anderem Zwirne und Garne her. "Der Komplex befindet sich in einem sehr schlechten Zustand. Wir prüfen momentan, ob wir wenigstens einen Teil der Hallen noch einmal für die Bevölkerung öffnen können", sagt Bürgermeister Lothar Ungerer (parteilos). Er trägt seit wenigen Tagen die Verantwortung für die ehemalige Kammgarnspinnerei. Die Stadtverwaltung in Meerane hat das Grundstück vom bisherigen Eigentümer - dabei handelt es sich um eine französische Aktiengesellschaft - für einen symbolischen Preis gekauft. "Die entsprechenden Verträge sind unterschrieben", sagte Ungerer, der die Stadträte zur jüngsten Sitzung im nicht öffentlichen Teil der Beratung und im Anschluss die "Freie Presse" über den Immobilien-Deal informierte.

Damit kommt nun viel Arbeit auf die Stadtverwaltung in Meerane zu. Das Areal der ehemaligen Kammgarnspinnerei umfasst eine Fläche von rund 3,9 Hektar, teilt Medienreferentin Heike Hönsch mit. Dabei handelt es sich um die Grundstücke zwischen Leipziger Straße und Rosa-Luxemburg-Straße. Der Stadtrat hat bereits auf seiner August-Sitzung, als die Stadt noch nicht Eigentümerin war, die Weichen für die Entwicklung an dem Standort gestellt. Damals wurde ein Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan mit dem Titel "Ehemalige Kammgarnspinnerei" gefasst. Eine Teilfläche, die sich im südöstlichen Bereich befindet, soll als Wohnungsbaustandort ausgewiesen werden. Parallel zur Gerberstraße können laut Bebauungsplan zwischen sechs und sieben Einfamilienhäuser entstehen. Um die Erschließung und Vermarktung soll sich ein privater Investor, dessen Name noch nicht genannt wird, kümmern. Die Stadt konzentriert sich dagegen auf die Restfläche mit einer Größe von 3,1 Hektar. "Nach dem Abbruch und der Beräumung möchte die Stadt die Fläche zum größten Teil als Grünfläche herstellen und zur Erweiterung des sich nördlich anschließenden Meerchenwaldes für weitere Baumpflanzungen nutzen", sagt Medienreferentin Heike Hönsch. Interessant: Das Gelände soll nicht nur mit Bürgerbäumen, die an Hochzeiten, Ehejubiläen und runde Geburtstage erinnern, bepflanzt werden. Hier sind auch sogenannte Ausgleichsmaßnahmen für die Versiegelung von Flächen im neuen Gewerbegebiet zwischen Meerane und Crimmitschau vorgesehen.

Die Kosten für den Abriss der ehemaligen Kammgarnspinnerei wurden in der Vergangenheit stets auf rund 1,5 Millionen Euro beziffert. Die Stadt rechnet mit einem 90-prozentigen Zuschuss. Die Finanzspritze für den Abriss kann dabei aus den Töpfen des "Europäischen Fonds für regionale Entwicklung" (kurz: Efre) kommen.


Historie reicht bis 1872 zurück

Der Antrag für die Errichtung einer mechanischen Weberei in der Leipziger Straße 42 (ehemals Fabrikstraße) mit einem Saal für 408 Webstühle wurde am 23. Februar 1872 von Baumeister Staffs eingereicht. Die Stadtverordneten erteilten am 15. März 1872 die Genehmigung für das Projekt. Zu den Auflagen gehörte der Abbau der Gerberschen Ziegelei und die Verlängerung der Schützenstraße. Schon 1882 gab es einen Schichtbetrieb, weshalb die Firma einen Antrag für den Ausbau der Beleuchtung bis zur Bahnunterführung gestellt hat. (hof)

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