Ein Maler macht Lust auf Arbeit

Zahlreiche Schüler informieren sich in dieser Woche der offenen Unternehmen über ihren vielleicht künftigen Beruf. Auch das gute alte Handwerk wirbt für sich.

Zwickau.

Es ist ja eine Entscheidung fürs Leben - oder zumindest für eine lange Zeit. Kein Wunder, dass fast ein Dutzend Jugendlicher mucksmäuschenstill zuhört, als Nico Künzel die Vorzüge aber auch Anforderungen des Malerberufs erläutert. Die eine Schülerin und die Schüler wollen sich darüber klar werden, ob in Künzels Unternehmen ihre Zukunft liegen könnte.

Künzel arbeitet für die Maler- firma Heinrich Schmid in Zwickau, mit 4500 Mitarbeitern in 120 Filialen einem der größten handwerk- lichen Familienbetriebe Deutschlands. Und er erzählt von dieser Arbeit, als gäbe es nichts Schöneres, berichtet von Fassadengestaltungen, Ausbauarbeiten, wechselnden Baustellen und stets neuen Aufgaben. Genau das, was junge Leute abschrecken könnte - glaubt man gängigen Vorurteilen über die Faulheit junger Leute. Doch die Gruppe, die hier am Tisch sitzt, hört interessiert zu. Am Ende sagt ein 13-Jähriger, genau diese Abwechslung wäre für ihn ein Grund, sich zum Maler und Lackierer ausbilden zu lassen. Jeden Tag am gleichen Band zu stehen, das wäre nicht seine Sache. Ein anderer junger Mann hingegen winkt ab. Ihm sind solche Aufgaben zu wenig künstlerisch, er wird sich wohl doch etwas anderes suchen.

Nico Künzel nickt: Besser, man verständigt sich gleich, als dass ein Azubi nach ein paar Monaten wieder aufhört. Das sei für beide Seiten nicht schön, immerhin koste es bis zu 60.000 Euro, einen Lehrling auszubilden. Die Anzahl der Abbrecher ist allerdings Künzel zufolge in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Denn man lernt sich inzwischen vorher kennen. Der Kundenmanager legt auch an diesem Tag den Schülern nahe, ein Praktikum auf einer der Baustellen zu absolvieren oder sich um einen Ferienjob zu bewerben. "Dann wisst ihr, was auf euch zukommt." Und die künftigen Ausbilder wissen es auch.

Für Mohammad Al Said ist es für einen Ferienjob schon zu spät. Der 16-Jährige aus Niederfrohna absolviert gerade ein berufsvorbereitendes Jahr in Limbach-Oberfrohna. Doch er interessiert sich für solch eine Ausbildung, würde auch über ein Praktikum nachdenken, sagt er nach der Veranstaltung.

Mehrere solcher Vorträge hält Nico Künzel während dieser Woche der offenen Unternehmen. "Erfahrungsgemäß kommen aus diesen Kreisen jährlich ein bis zwei Bewerbungen bei uns an", sagt er. Andere lernen Künzel und seine Kollegen auf Ausbildungsmessen kennen. Ohne solche Werbung und ohne vorherigen persönlichen Kontakt werde kaum einer mehr zum Vorstellungsgespräch gebeten. Denn eines hat Künzel festgestellt: "Die Lust auf richtige Arbeit hat merklich nachgelassen." Er möchte sie den jungen Leuten gern zurückgeben.


Offene Unternehmen

Mehr als 170 Unternehmen lassen sich im Landkreis Zwickau noch bis zum Samstag hinter die Kulissen schauen. Neben privaten Firmen stellen sich auch Polizeidienststellen, Drogeriemärkte, Bäckereien, Krankenhäuser, Agrarunternehmen, Stadtverwaltungen und Schulen den künftigen Auszubildenden vor.

52 Schulen in Westsachsen haben die Angebote angenommen und rund 1200 junge Leute auf Informationstour geschickt. Die Woche der offenen Unternehmen richtet sich an Jugendliche ab der 7. Klasse.

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