Einrichtung einer Babyklappe ordnet sich Baufortschritt unter

Im kommenden Jahr soll eine Aufnahmeeinrichtung in Zwickau in Betrieb gehen. Eine Alternative dazu gibt es jedoch bereits jetzt.

Zwickau.

Anfragen in Stadtrats-ausschüssen und sogar der Vorschlag, Geld über den Bürgerhaushalt beizusteuern: Es gibt in Zwickau ein gewisses Interesse daran, dass eine Babyklappe eingerichtet wird. Eine Möglichkeit also, Säuglinge an einer sicheren Stelle anonym abzugeben. Das Heinrich-Braun-Klinikum (HBK) soll diese Stelle sein. Allerdings gab es seit dem Aufkeimen der Debatte um eine Babyklappe unterschiedliche Angaben darüber, wann es soweit ist. Jetzt sagt HBK-Geschäftsführer Rüdiger Glaß: Die Einrichtung wird in Betrieb genommen, sobald die Zentrale Notaufnahme fertig um- und ausgebaut ist. Denn die Klappe, die eigentlich ein Türchen in einer Außenwand ist, wird zu diesem neu eingerichteten Komplex gehören. Laut Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) soll es im Frühjahr 2020 soweit sein.

Aufmerksamkeit bekam das Thema Babyklappe 2017, als eine Mutter aus Wilkau-Haßlau wegen Totschlags durch Unterlassen vor Gericht stand. Sie hatte heimlich ein Kind zur Welt gebracht. Wie die Mutter vor Gericht aussagte, war sie auf dem Weg zur Babyklappe am Auer Krankenhaus. Das Kind soll aber im Auto gestorben sein. Gefunden wurde die Leiche am Rande einer Wiese bei Culitzsch. Dieser Fall hatte damals für viel Aufsehen gesorgt, es gab erste öffentliche Fragen nach solch einer Einrichtung. Zu dieser Zeit, so Glaß, hatte er das Thema längst auf dem Schirm: "Um 2012 wurde ich von einem Chefarzt, aber auch von einem befreundeten Ehepaar angesprochen", sagt er. Man habe überlegt, ob sich eine Aufnahmeeinrichtung in der alten Geburtsklinik installieren lasse, sich dann aber entschieden, sie in die neue Klinik zu integrieren. Auf dem Gelände des HBK wurde in den zurückliegenden Jahren viel geschaffen, derzeit gibt es laut dem Geschäftsführer mehrere Baustellen auf dem Areal. Die unterschiedlichen Zeitangaben begründet Glaß mit Verzögerungen im Bauablauf.

Inzwischen ist die Babyklappe installiert -allerdings wird an der Notaufnahme bis über den Jahreswechsel noch gebaut. Hinter der Tür verbirgt sich eine Babyablage in einem temperierten Raum. Es soll dort auch ein Brief liegen, der in mehreren Sprachen darüber informiert, was mit dem Kind passiert und was die Mutter tun muss, wenn sie später Kontakt zu ihrem Kind aufnehmen möchte, erklärt HBK-Sprecherin Laura Kruckenmayer. Wird ein Baby auf diese Weise abgegeben, soll ein Signal die Fachleute in der Klinik informieren. Die erreichen den Säugling über ein Patientenzimmer, in das die Aufnahmeeinrichtung integriert ist. Der Patient in diesem Zimmer selbst bemerkt davon nichts, so Kruckenmayer.

"Die Babyklappe", stellt Geschäftsführer Glaß klar, "ist eine freiwillige Aufgabe." Das HBK sei nicht verpflichtet, solch eine Einrichtung vorzuhalten. "In Plauen beispielsweise wird die Klappe von einem Verein betrieben." Rein rechtlich ist die Babyklappe ohnehin umstritten. Zum einen beraubt sie die abgegebenen Kinder ihres Rechtes, zu wissen, wer Mutter und Vater sind. Zum anderen gibt es eine Meldepflicht für Neugeborene, zu der zwingend auch der Name der Mutter gehört.

Neben der rechtlichen Seite ist auch umstritten, ob Babyklappen wirklich Leben retten. Die Hilfsorganisation Terre des Hommes begründet auf ihrer Internetseite, warum sie das nicht glaubt und Babyklappen ablehnt, da sie Kindstötungen nicht verhindern. Auch Glaß ist skeptisch, wie er sagt. Am HBK gibt es deswegen die Möglichkeit für Mütter in Not, ihre Kinder anonym zur Welt zu bringen und zur Adoption freizugeben. Auf diese Weise ist die medizinische Versorgung von Mutter und Kind gewährleistet.

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