Einst gab es sogar ein Schloss

Kreisgeschichte(n): Woher Westsachsens Städte und Gemeinden ihre Namen haben. Teil 32: Rüsdorf

Rüsdorf.

Die kleine Ortschaft Rüsdorf, die schon seit 1936 ein Ortsteil von Bernsdorf ist, präsentiert sich unscheinbar. Egal, ob man sie aus Richtung Hermsdorf oder St. Egidien erreicht, fällt kaum auf, dass man sich in einem anderen Ort befindet.

Markante Gebäude gibt es wenige, auch eine eigene Kirche fehlt. "Ein Wahrzeichen hat Rüsdorf eigentlich nicht", sagt Regina Röhner. Allenfalls der Gasthof "Goldener Stern", der an der Hauptstraße und am früher bedeutenden Weg von Waldenburg nach Lichtenstein liegt, sei Leuten von außerhalb bekannt, schätzt die Buchautorin, die in Rüsdorf zuhause ist und 2012 auch ein Buch über die Ortschaft herausgab.

Mit dem Titel "Rüsdorf - Dorf eines Rudiger" gibt sie dabei auch schon einen der wenigen, aber entscheidenden Hinweise auf die Entstehung des Ortsnamens.

Wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erbauten die Schönburger das erste Glauchauer Schloss, und in dieser Zeit könnte auch die Besiedlung im Tal des Lungwitzbaches erfolgt sein. Orte wurden damals oft nach den Truppführern der Siedlerzüge benannt, doch Genaues ist über den mutmaßlichen "Rudiger" nicht bekannt.

In der ersten urkundlichen Erwähnung in Büchern der Zwickauer Franziskaner aus dem Jahr 1460 wird das Dorf "Rudigesdorff" oder "Rudigsdorff" genannt. In seinem Buch "Ortsnamen Südwestsachsens" nennt der bekannte Namensforscher Karlheinz Hengst auch die Namen "Rudesdorf", "Rugßdorff", "Rursdorff" und "Ruesdorff", die allesamt im 15. und 16. Jahrhundert verwendet wurden. Im Jahr 1822 soll es dann die heutige Bezeichnung gegeben haben. Wie Ausgrabungen in den 1960er-Jahren ergaben, wurde die Ortschaft wahrscheinlich etwa einen Kilometer weiter nördlich als heute gegründet.

So unscheinbar, wie das Dorf heute ist, war es nicht immer. Die Chronik erwähnt ein Vorwerk und das Rittergut. Sogar ein Schloss gab es in Rüsdorf einst. Nachdem der Ort im Jahre 1702 der schönburgischen Herrschaft Stein zugeschlagen wurde, soll um 1710 vom Herrschaftsbesitzer, Graf Ludwig Friedrich von Schönburg, das Rüsdorfer Schloss erbaut worden sein.

Bereits 1840 wurde das Gebäude, in dem auch die Freimaurerloge "Zu den drei Rosen" ihren Sitz hatte, wieder abgerissen.

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