Einwohnerrückgang belastet Vermieter

Die Meeraner Wohnungsgenossenschaft will gegensteuern und holt ihre Mitglieder ins Boot. Konkrete Umbauprojekte könnten für Entspannung sorgen.

Meerane.

Preiswerte Mieten, attraktives Umfeld, sicheres Wohnen, stabile Nachbarschaften: Dennoch steht die Westsächsische Wohnbaugenossenschaft (WSWBG) in Meerane in den nächsten Jahren vor gewaltigen Herausforderungen. "Unser Hauptrisiko liegt weiterhin im Leerstand", stellte Vorstandsvorsitzender Jürgen Morgner klar. Denn damit seien Mietausfall und unnötige Kosten für den Großvermieter verbunden, der derzeit 1139 Wohnungen bewirtschaftet. Davon seien mehr als 251 unbewohnt.

Eine Trendwende sei nicht in Sicht. Davon ist auch Jürgen Prée, ebenso Vorstand, überzeugt. "Nach wie vor gibt's mehr Sterbefälle als Geburten", begründete der Senior. Zwar würden sich die Zu- und Wegzüge die Waage halten. Das aber könne das Schrumpfen nicht stoppen, nur verlangsamen. So prognostizierte Rathauschef Lothar Ungerer (parteilos), dass sich Meerane in zehn Jahren bei 12.000 Einwohnern einpegelt - derzeit sind es 14.320.


Daher komme auch die WSWBG auf Dauer nicht um Abriss herum. So sind Morgner zufolge in den Vorjahren rund 400 Wohnungen zurückgebaut worden. Da sich der Leerstand vor allem auf die oberen Etagen verlagert, hatte die WSWBG einen Teilrückbau der vierten bis sechsten Etagen anvisiert. Doch daraus wird vorerst nichts. "Die Kosten für einen Teilrückbau liegen derzeit um das Dreifache höher gegenüber einem Komplettabriss", sagte Morgner. Zudem gebe es nicht genügend Ersatzwohnungen, um einen Komplettabriss ins Auge zu fassen.

Probleme, die ebenso beim Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften angekommen sind. Der Verband vertritt 209 Genossenschaften, die 18,1 Prozent des Mietwohnbestandes in Sachsen bewirtschaften. "Der Leerstand beschränkt sich zunehmend auf die oberen Etagen - ohne Aufzug", so Verbandschef Axel Viehweger. Früher sei oft das gesamte Gebäude betroffen gewesen. Auch Viehweger wies darauf hin, dass "der erhöhte Aufwand für den Rückbau nicht in den Förderungen berücksichtigt ist". So würden beim Rückbau die Kosten nach oben gehen, da umfangreiche Sicherungen nötig seien.

Ähnlich sieht das der Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft. So forderte Verbandschef Rainer Seifert "eine üppige Förderkulisse". Denn zum Stadtumbau gehöre weiter "die Unterstützung von Rückbau in ganz Sachsen". Nur so könnten Mieter gehalten, zurück- und hinzugewonnen werden.

Bei all diesen Themen wollen Morgner und sein Team die Mitglieder mitnehmen. "Transparenz ist uns sehr wichtig", betont der 57-Jährige. So hat der Großvermieter in seinem Info-Blatt sechs Grundrisse von Wohnungen in den vierten und fünften Etagen der Blöcke am Westring vorgestellt, die nach dem Umbau attraktiver werden sollen - vor allem für Singles, junge Familien und Senioren-Wohngemeinschaften. Dies könnte mit dem Anbau eines Fahrstuhls außen am Block sogar kombiniert werden, der einen barrierefreien Zugang schafft. Letzteres geht laut Morgner aber nicht ohne Kosten, die auf viele Wohnungen verteilt werden müssten. Daher hat die WBG unter den Mitgliedern eine Umfrage gestartet, die auch diese Ideen des Großvermieters aufgreift: Könnten Sie sich vorstellen, trotz Mehrkosten in den oberen Etagen zu wohnen, sofern ein Fahrstuhl vom Fußweg bis zur jeweiligen Etage fährt? Was bevorzugen Sie: Wanne oder Dusche? Oder: Welcher Grundriss ist für Sie interessant? Die Meinung der Mitglieder ist Morgner wichtig, auch der Zusammenhalt.

So soll das Glühweinfest am 6.Dezember erstmals in dem Flachbau am Westring 160 stattfinden. "Wir bauen dort einen Versammlungsraum, wo zum Beispiel Vorträge für die Mitglieder stattfinden können", sagte Morgner. Auch in die Blöcke an der Ringstraße 9-11 und 13-15 wird investiert. Die sollen Balkone erhalten.

Zahlen & Fakten Derzeit zählt die Westsächsische Wohnbaugenossenschaft Meerane (WSWBG ) 983 Mitglieder. Mit 1139 Wohnungen, darunter befinden sich 20 Gästewohnungen, gehört die WSWBG zu den Großvermietern in Meerane. Für die Instandhaltung wurden im Vorjahr 526.000 Euro ausgegeben.

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 8
    4
    WolfgangPetry
    17.08.2019

    Machen Sie es wie in Chemnitz: reißen Sie trotz Bürgerprotesten Lücken mitten in die Wohnbebauung, umzäunen Sie die entstandenen Brachflächen damit nicht mal Kinder auf der Wiese spielen können und bauen Sie nach 10 Jahren, wenn plötzlich Wohnungen knapp werden, anderswo neu und stöhnen Sie über die gestiegenen Kosten, die leider leider eine gewisse Kaltmiete erforderlich machen, da könne man nun nichts dran ändern.



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