Er ist der jüngste Stadtrat aus der Region

Das Beispiel von Simon Lang zeigt, wollen Parteien und Wählervereinigungen Nachwuchs, müssen sie auf die Jugendlichen zugehen.

Glauchau/Hohnstein-Ernstthal.

Simon Langs politische Karriere begann als Zufall. Er hatte Fahrstunden bei Uwe Tischendorf genommen. Der ist nicht nur Fahrlehrer, sondern auch Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler in Hohenstein-Ernstthal. Man kam ins Gespräch, über Politik und andere Dinge.

"Wäre Herr Tischendorf nicht auf mich zugekommen, hätte ich mich niemals als Kandidat aufgestellt", sagt Simon Lang. Auch für eine andere Partei oder Wählervereinigung wäre er möglicherweise angetreten, hätte man ihn denn gefragt. Seinen Klassenkameraden im Lessing-Gymnasium wollte der damals 18-Jährige zunächst nichts von der Kandidatur erzählen. "Ich hätte ja auch nie gedacht, dass ich tatsächlich gewählt werde." Doch bald war überall auf Wahlplakaten das Gesicht des jungen Mannes zu sehen. "Junge Leute wählen junge Leute", erklärt Simons Förderer Uwe Tischendorf. Und so war es dann auch: "Ein Großteil meiner Klassenkameraden hat mir die Stimme gegeben", sagt Simon Lang.

Offenbar waren es nicht die einzigen, denn von allen Kandidaten der Freien Wähler erhielt Simon Lang die viertmeisten Stimmen. Damit konnte er zwar nicht unmittelbar in den Stadtrat einziehen, doch es reichte, um nachzurücken als Achim Morawitz vor Kurzem seinen Platz aufgeben musste, da er aus der Stadt wegzog.

Auch in Glauchau hat sich der Stadtrat mit der Kommunalwahl letztes Jahr verjüngt. Langjährige Mitglieder wie Georg Graf von Schönburg, Ulrich Schleife (beide CDU) oder Helga Scheurer (SPD) traten nicht mehr an. Jüngere Leute rückten nach. Jüngster Stadtrat ist mit 22 Jahren der SPD-Mann Felix Beyer. Der Student war zuvor Vorsitzender im Glauchauer Jugendbeirat, ein zehnköpfiges Gremium, das aus Jugendlichen im Alter von 14 bis 21 Jahren besteht. Der Sprung vom Jugendbeirat zum gewählten Stadtrat ist jedoch eher die Ausnahme. Zahlreiche Mitglieder des Jugendbeirates wechseln auf Grund der beruflichen Entwicklung den Wohnort und können, da sie nicht mehr in Glauchau wohnen, auch nicht für den Stadtrat kandidieren. Neben Felix Beyer ist auch Stadtrat Eric Schramm von den Linken eine Ausnahme. Er war, bevor er 2014 erstmals in den Stadtrat gewählt wurde, Mitglied im Jugendbeirat.

Doch Simon Lang aus Hohenstein-Ernstthal hat noch einen anderer Beobachtung gemacht: "Die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, hat bei Jugendlichen nachgelassen". Auch deshalb ließ er sich zum Klassen- und später zum Schülersprecher wählen. "Du kannst gut organisieren", habe es immer wieder geheißen. Organisation, für Simon Lang heißt das vor allem, andere zu motivieren und ihnen auch mal zu sagen, wo es langgeht."

Doch wie Simon weiß, wäre er ohne den Anstoß von außen auch nicht im Stadtrat gelandet. Sein Rat an Parteien und Wählervereinigungen: "Wenn ihr junge Leute haben wollt, geht auf sie zu!"Als Bürgervertreter möchte Simon zunächst nicht allzu forsch auftreten. "Denn ich habe noch viel zu lernen." Bereits einmal hat er an einer Sitzung des Technischen Ausschusses teilgenommen. "Da geht es schon deutlich komplexer zu als bei einer Schülersprechersitzung." (mit sto)

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