Experte sagt: "Noch ist das Pilzjahr nicht verloren"

Uwe Vogel aus Mülsen über erfolglose Suchaktionen, fehlende Niederschläge und ausgefallene Ausstellungen

Zwickau.

Uwe Vogel (52) aus Mülsen St. Micheln gehört zu den 24 Pilzberatern im Kreis. Viola Martin hat mit ihm darüber gesprochen, wie sich der heiße und trockene Sommer auf das laufende Pilzjahr auswirkt und ob es noch Hoffnung auf eine erfolgreiche Schwammesuche im Herbst gibt.

Freie Presse: Herr Vogel, haben Sie dieses Jahr schon Pilze gefunden?

Uwe Vogel: Hier in der Region nicht. Nach den starken Niederschlägen im Erzgebirge und im Vogtland im Juni hat es für kurze Zeit dort einige Steinpilze und Pfifferlinge gegeben. Aber durch die extreme Trockenheit wachsen zurzeit nirgendwo mehr welche. Ich habe schon Jahre erlebt, in denen es von Juli bis September trocken, jedoch wenigstens der Mai nass war. Doch diesmal herrscht praktisch seit April ein trockener Sommer. Ich kann mich nicht erinnern, dass es so etwas hier schon einmal gegeben hat. Da können sich natürlich keine Pilze entwickeln.

Das heißt, Sie hatten dieses Jahr auch noch keine Beratungen?

So gut wie keine. Lediglich im April gab es zwei. Da ging es allerdings um Baumpilze, die eigentlich bereits im Herbst wachsen.

Können wir also 2018 als Totalausfall abhaken?

Nein, so würde ich das nicht sagen. Noch ist das Pilzjahr nicht verloren. Es braucht aber einen Wetterumschwung. Und der ist derzeit nicht in Sicht. Die wenigen Niederschläge in der vergangenen Woche reichen nicht aus, um die Pilze sprießen zu lassen. Es müsste schon ein paar Tage lang intensiv regnen. Und anschließend müsste es weiterhin mehrfach Niederschläge geben. Dann könnten sich innerhalb einer Woche die ersten Wiesenchampignons aus der Erde schieben. Und frühestens nach zwei Wochen könnte man dann vielleicht auch in Wäldern fündig werden.

Jedes Jahr bieten die Pilzberater des Landkreises in der Region mehrere Ausstellungen an, die immer gut besucht werden. Wie handhaben Sie das angesichts fehlender Waldfrüchte?

Wenn wir keine Schwamme finden, können wir natürlich auch keine ausstellen. Die ersten Schauen haben wir absagen müssen, auch die zu den Waldtagen dieses Wochenende in Langenbernsdorf. Aber wir hoffen immer noch auf Regen und sprießende Pilze. Vielleicht können wir ja in der zweiten Septemberhälfte und im Oktober mit Ausstellungen aufwarten.

Sie sind einer von 24 Pilzberatern im Landkreis Zwickau und erstellen jedes Jahr eine Bilanz über deren Arbeit. Wie ist die 2017 ausgefallen?

Wir hatten 2600 Beratungen mit insgesamt fast 6000 Bestimmungen.

Wie viele Giftpilze haben Sie im Sammelgut entdeckt?

Sage und schreibe 923, darunter 69 Pantherpilze, acht Grüne Knollenblätterpilze und 34 Fliegenpilze.

Fliegenpilze? Erkennt man die nicht an ihrer roten Kappe mit den weißen Punkten?

Es gibt auch braune Fliegenpilze. Die kommen vor allem im Erzgebirge häufig vor. Und mancher verwechselt diese mit dem Perlpilz.

Bei Kremplingen sind sich die Sammler immer wieder uneins, ob diese gegessen werden können oder ob man die Finger davon lassen soll. Wie sehen Sie das?

Ich kann nur dringend davon abraten, Kremplinge zu essen. Auch wenn sie früher als essbar angesehen worden sind. Sie sind giftig. Durch ausgiebiges Erhitzen werden zwar die im rohen Pilz enthaltenen Gifte zerstört, aber große Gefahr geht auch von einem darin enthaltenen Allergen aus. Dass sich viele dieser Gefahr nicht bewusst sind, zeigt sich daran, dass wir voriges Jahr 162 Kremplinge aus dem Sammelgut aussortieren mussten. Gefährlich ist es übrigens auch, angeschimmelte Pilze nur auszuschneiden. Sie sollten im Ganzen weggeworfen werden. Das Schimmelmyzel durchzieht schnell den ganzen Pilz. Und das Gift verschwindet auch beim Kochen oder Braten nicht.

Ist der Landkreis mit 24 Pilz- beratern gut aufgestellt?

In einigen Gegenden wie Langenweißbach, Mülsen und Crimmitschau sowie Werdau schon. Aber in Kirchberg, Hartenstein und Wilkau-Haßlau brauchen wir dringend noch welche. Interessenten können sich bei den Beratern melden. Sie erhalten eine theoretische und praktische Ausbildung, die etwa zwei Jahre dauert. Dann müssen sie eine Prüfung ablegen.


Pilzberater im Landkreis

Glauchau: Manfred Erber, Hufelandstraße 14, 03763 16075; Inge Kopale, Wettinerstraße 57, Ruf 03763 16945; Achim Heimer, Straße des Frie- dens 64, Niederlungwitz, Ruf 03763 710290;

Limbach-Oberfrohna: Frank Dämmrich, Ingelheimer Straße 3, Ruf 03722 95752 und Katrin Redl, Rotdornstraße 44, OT Pleißa, Ruf 03722 409888.

Crimmitschau: Sabine und Stefan Riedel, Uferstraße 3, Ruf 03762 45723;

Fraureuth: Werner Krönert, Fritz-Heckert-Ring 18, Ruf 03761 85101;

Hohenstein-Ernstthal: Siegfried Spindler, Südstraße 43, Ruf 03723 413378; Werner Stolpe, Südstraße 5, Ruf 03723 414791;

Werdau: Frank Schuster, Perlquellenweg 4, Ortsteil Leubnitz-Forst, Ruf 03761 6135

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