Fabrikverkauf vorerst gestoppt

Die Stadt hat für das Ex-Möbelhaus eine Nutzungssperre verhängt. Der neue Betreiber lässt dennoch weiter einräumen.

Zwickau.

Das geplante Fashion- Outlet-Center im ehemaligen Möbelhaus Werner an der Schubertstraße in Pölbitz darf vorerst nicht öffnen. Denn das Bauordnungsamt der Stadtverwaltung hat am Freitag eine Nutzungsuntersagung erlassen. Das wurde nach einer nichtöffentlichen Sitzung des Bauausschusses bekannt. Hintergrund ist die bisher ungeklärte Frage, ob das Vorhaben, dort künftig Kleidung zu verkaufen, eine genehmigungspflichtige Nutzungsänderung ist.

1992 wurde an diesem Standort ein Fachmarkt genehmigt, das spätere Möbelhaus Werner. Den Verkauf von Möbeln sah man offenbar als unproblematisch. Anders hingegen ist es bei Textilien und Schuhen. Diese stehen auf der Liste zentrumsrelevanter Sortimente, sollen also vor allem in der Innenstadt und nicht auf der Grünen Wiese angeboten werden.

Bisher, so Rathaussprecher Mathias Merz, sei keine Änderung für das Ex-Möbelhaus beantragt worden. Dabei hat der Betreiber Schmid Outlet aus Augsburg in den letzten Wochen bereits mit dem Einrichten der 8000 Quadratmeter großen Verkaufsfläche begonnen. Darauf hat die Stadt mit der Untersagung reagiert. "Das Verfahren zur Nutzungsänderung ist sehr umfangreich und gleichzusetzen mit einem Baugenehmigungsverfahren", sagte Merz.

Das eigentliche Problem ist damit allerdings nicht geklärt. Der 1992 aufgestellte Bebauungsplan für das Einkaufszentrum ist wegen eines formalen Fehlers nichtig. Das war bei einer Beratung zum Thema in der Landesdirektion Sachsen am Donnerstag aufgefallen. Die damalige Stadtverordnetenversammlung hatte den Vorhabens- und Erschließungsplan beschlossen, bevor die Stadt mit dem Eigentümer des Areals einen Vertrag über das Gesamtvorhaben vereinbart hatte. Die korrekte Vorgehensweise wäre andersherum gewesen. Nun muss ein neuer Plan erarbeitet werden. Auswirkungen auf andere Firmen im Einkaufszentrum habe das nicht.

Tristan Drechsel, Fraktionschef von BfZ/Grüne, sieht in dem jetzigen Problem einen Fehler der Verwaltung. "Unmittelbar nach dem Auszug von Möbel Werner hätte man reagieren und den Bebauungsplan anpassen müssen." Die Industrie- und Handelskammer (IHK) hat das Verbot positiv aufgenommen. "Wir begrüßen die Entscheidung der Stadtverwaltung und das weitere Vorgehen", sagte die Referatsleiterin für Handel und Dienstleistungen, Kathrin Stiller. Jens Preißler, Center-Manager der Zwickau-Arcaden, sieht das genauso. "Laut dem Einzelhandels- und Zentrenkonzept der Stadt gehören großflächige innenstadtrelevante Sortimente wie Textilien in die Innenstadt und nicht an den Rand", sagte er. Niemand wolle das Outlet-Center verhindern. "Wenn sich das Unternehmen zum Beispiel im ehemaligen Kaufhaus Joh ansiedeln würde, wären wir die Ersten, die jubeln", so Preißler.

Tatsächlich habe man sich das Kaufhaus Joh angesehen, sagte Bernhard Ciniawsky, der im Outlet-Center das Einräumen verantwortet. "Die finanziellen Vorstellungen der Schweizer Eigentümer sind jedoch für uns völlig unrealistisch", betonte er. Erst vor Kurzem habe man zum Beispiel in der Innenstadt von Augsburg eine ehemalige Kaufhof-Filiale übernommen und umgestaltet. "Wir sind sehr enttäuscht über die Nutzungsuntersagung", so Ciniawsky weiter. Diese komme vor allem sehr überraschend. Dennoch werde weiter eingeräumt. "Wir hoffen, am Monatsende damit fertig zu sein." Dann wolle man abwarten, was passiert. "Aufgeben werden wir jedenfalls nicht." 35Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen bereits. "Der Inhaber hat das Möbelhaus aus dem Bauch heraus gemietet", so Ciniawsky. "Das Projekt begeistert uns. Wenn wir nicht hier sind, dann kommt ein anderer."

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