Fast 1000 Westsachsen dürfen Schreckschusspistole nutzen

Das Interesse am kleinen Waffenschein wächst im Kreis Zwickau. Im sachsenweiten Vergleich steht die Region an der Spitze.

Glauchau/Zwickau.

Das Sicherheitsbedürfnis der Westsachsen ist offenbar sehr hoch. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres hat sich die Zahl der von der unteren Polizeibehörde im Landkreis ausgestellten und an das nationale Waffenregister gemeldeten kleinen Waffenscheine gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt.

Insgesamt waren 964 Landkreisbewohner Ende Juni im Besitz eines solchen Dokumentes. Das sind 409 mehr als zum Jahreswechsel, heißt es aus dem Landratsamt. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 wurden insgesamt 139 kleine Waffenscheine bewilligt. Damit habe der Landkreis Zwickau den höchsten Anstieg in Sachsen zu verzeichnen. Inhaber des kleinen Waffenscheines dürfen Signal-, Reizgas- oder Schreckschusspistolen legal besitzen und außerhalb der Wohnung oder des Grundstückes mit sich führen.

Auch echte Schusswaffen wurden im Gegensatz zu den meisten anderen Landkreisen häufiger registriert. Seit dem Jahreswechsel wurden 150 Waffen, meist Gewehre, neu erfasst. Damit steigt die Zahl der erlaubten Waffen auf derzeit 10.509. Wie Ilona Schilk, Pressesprecherin des Landratsamtes, mitteilt, gibt es im Kreis Zwickau 1914 Schusswaffenbesitzer, die ihre Waffen im eigenen Haushalt aufbewahren. 15 von ihnen kamen bisher in diesem Jahr hinzu, sechs waren es 2015. Auch die Zahl der waffenrechtlichen Erlaubnisse ist um 450 angestiegen. Diese Genehmigung wird Personen erteilt, die zwar schießen dürfen, aber die Waffen zum Beispiel nur in Sportvereinen nutzen und dort auch aufbewahren. Insgesamt gibt es derzeit 2882 dieser Erlaubnisse in der Region. Abgelehnt wurden von der Polizeibehörde nur wenige Anträge. Die Pressesprecherin führt das darauf zurück, dass bereits bei Antragstellung geprüft wird, ob die Voraussetzungen für eine Erlaubnis erfüllt sind. "Versagungen beziehen sich hauptsächlich auf kleine Waffenscheine", sagte Schilk. Der Grund liege meist in der fehlenden Zuverlässigkeit des Antragstellers. Bei vorhandenen Vorstrafen oder laufenden Ermittlungsverfahren wird die Genehmigung verweigert.

Mehr Schusswaffen bedeuten für die Behörde auch mehr Kontrollen. Im Jahr 2015 wurden zwölf unangemeldete Kontrollen zur sicheren Unterbringung durchgeführt, im ersten Halbjahr 2016 waren es 27. Insgesamt sind in der Waffenbehörde drei Mitarbeiter beschäftigt. Dirk Thomas, Chef des Zwickauer Jagdverbandes, begrüßt die Kontrollen ausdrücklich. Er vertritt etwa 300 organisierte und 200 verbandslose Jäger. "Wir haben nichts zu verbergen", sagt er. Thomas sieht unter anderem in einer stärkeren Kontrolle der Grenzen eine Möglichkeit, für mehr Sicherheit zu sorgen. "Illegale Waffen vom Balkan sind in unseren Augen weitaus gefährlicher als die angemeldeten", sagt der Jagdverbandsvorsitzende.

Über die mögliche Dunkelziffer der in Westsachsen existierenden Schusswaffen will die Polizei nicht spekulieren. Im Jahr 2015 wurden von den Beamten insgesamt 25 Waffen beschlagnahmt, wie Polizeisprecherin Anett Münster sagt. Neben Schusswaffen waren das auch Messer, Schlagringe sowie Luftdruck- gewehre. (mit kru)

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