Fernab der Heimat: Junge Leute feiern chinesisches Neujahrsfest

Xian Nian Kuai Le. So sagt man frohes neues Jahr auf Chinesisch. Die Internatsschüler des Waldenburger Gymnasiums haben am Samstag mit Karaoke und Köstlichkeiten das chinesische Neujahrsfest begangen.

Waldenburg.

Während in der Bundesrepublik das neue Jahr schon knapp einen Monat alt ist, wurde in vielen asiatischen Ländern das Neujahrsfest, auch Frühlingsfest genannt, erst am Samstag gefeiert.

Währenddessen in China Millionen Chinesen für die Feiertage in die Heimatorte zurückkehren, um im Kreise der Familie zu feiern, ist das für die Internatsschüler des Europäischen Gymnasiums in Waldenburg nicht möglich. "Von den 113 Schülern, die bei uns im Internat leben, kommen rund 90 Prozent aus dem asiatischen Raum wie China, Vietnam, Korea oder Myanmar. Da die Winterferien, die viele Schüler nutzen, um ihre Familien zu besuchen, erst im Februar beginnen, haben wir uns entschieden, dieses Jahr ein gemeinsames Fest zu organisieren", erklärte Andrea Schere, die seit 2010 als Internatsleiterin in Waldenburg tätig ist.

Mit einem Kickerturnier, einem landestypischen Festessen und einer Karaokeparty wurde der gemeinsame Abend gefeiert. "Das Essen ist ein Highlight für die Schüler", sagte die Internatsleiterin. Denn Salzfleisch steht normalerweise nicht auf der Speisekarte in Waldenburg. Es folgten ein Kickerturnier und eine Karaokeparty. Eine Veranstaltung mit großer Bedeutung für die Jugendlichen, denn gerade zu solch einem Festtag in ihrem Heimatland kommt bei einigen großes Heimweh auf. "Wir sind für die Schüler das zweite Zuhause, da ist es umso wichtiger, dass sie sich hier wohlfühlen. Aufgrund des Coronavirus in China können viele Schüler im Februar nicht ihre Familien besuchen", ergänzte Andrea Schere.

Seit rund vier Jahren lernen Likuan Wang aus der chinesischen Millionenstadt Hangzhou und Nhi Le Phuong aus der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi am Europäischen Gymnasium in Waldenburg. Beide sind aus einem Grund in Deutschland: Sie wollen eine solide Schulausbildung und vielleicht danach an einer deutschen Universität studieren. "Hier wird bei der Bildung mehr Wert auf Individualität und eine eigene Meinung gelegt als in Vietnam", sagte die 19-jährige Nhi und fügte hinzu: "In vietnamesischen Schulen gibt es nur eine richtige Antwort." Ihr Mitschüler Likuan sieht das ähnlich. "Bei Klassengrößen von rund 50 Schülern in China ist es für die Lehrer nur schwer möglich, individuell auf jeden einzugehen. Und nach der Schule sehen sich die Schüler mit den Problem konfrontiert, dass es nur wenige Studienplätze an guten Universitäten gibt", sagte der Chinese. Das sei aber nicht der einzige Unterschied zwischen den Ländern, sondern auch die Einstellung zum Lernen. "In China ist es wichtig, der Beste zu sein. Viele junge Leute, die als Einzelkinder aufwachsen, sind regelrechte Einzelkämpfer. Ich finde es immer wieder schön zu beobachten, wie sie sich hier im Internat entwickeln und untereinander beispielsweise bei den Hausaufgaben helfen", sagte Internatsleiterin Andrea Schere.

Ein Jahr, bevor Nhi und Likuan nach Deutschland gekommen sind, haben die Schüler in ihren Heimatländern Deutsch gelernt. "Als ich aber nach Deutschland kam, ist mir bewusst geworden, wie wenig ich verstehe. Das erste Jahr in Waldenburg haben wir intensiv Deutsch gelernt", sagte Lukan, dessen Cousin auch schon in Waldenburg unterrichtet wurde. Die beiden 19-Jährigen haben schon einige Ideen für ihre Zukunft, wenn sie dieses Jahr ihr Abitur beenden. "Ich könnte mir vorstellen, in Deutschland zu studieren. Beispielsweise etwas im Bereich Mathematik", sagte Likuan. Nhi würde gern Grafikdesign studieren. Ob in Deutschland oder Vietnam, wisse sie noch nicht.


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