Filmreife Geschichten rund ums Autokino

90 Jahre Kober Mit einer transportablen Kinoanlage begann die Erfolgsgeschichte des Kinos an der Talsperre. Nun ist es mit drei Leinwänden an einem Standort die Nummer 1 in Deutschland.

Langenhessen.

Es gibt Dinge, die gibt es nur im Film. Es gibt aber auch Ereignisse, die sich in der 28-jährigen Geschichte des Autokinos in Langenhessen ereignet haben und genug Stoff für einen Hollywoodstreifen bieten würden. Andreas Osse kennt all diese Geschichten.

Ein Ereignis, das sich der 54-jährige Kinobetreiber besonders gemerkt hat, fand während einer Vorstellung Ende August 2002 statt. Da machte Thomas Glück aus dem thüringischen Reudnitz seiner Andrea einen Heiratsantrag, und alle Besucher wurden zu Zeugen. Es war bereits der dritte Anlauf, den der 33-Jährige unternahm. Beim ersten Mal sagte sie Nein, beim zweiten Versuch er. Als Amor seine Pfeile im Autokino verschoss, kam dann das lang ersehnte Ja-Wort. Oder 2005. Im September staunten die Besucher nicht schlecht, als auf dem Gelände des Autokinos schwere Technik der Nationalen Volksarmee der DDR vorgefahren war und sie beim Einlass von Armeeangehörigen kontrolliert wurden. Ein Gag, den sich Andreas Osse passend zu der in der Woche gezeigten Komödie "NVA" einfallen ließ. Mit einem ganz anderen Spaß überraschte das Team im Juni 2006 zur Premiere von "Ab durch die Hecke" die Besucher: Es empfing die Gäste in Tierkostümen.


Manchmal kam sich aber auch Andreas Osse selbst vor wie in einem Film. "Als wir 2003 im Autokino den Film ,Good Bye, Lenin!' zeigten, rief am Nachmittag ein Mann aus Nürnberg an, ob wir den Streifen auch wirklich spielen würden. Nachdem ich das bestätigte, setzte sich der Mann ins Auto, kam in die Vorstellung und fuhr danach wieder nach Nürnberg. Der Film lief in den Kinos in Bayern erst einige Wochen später", erinnert sich der Kinobetreiber. Für ihn war der Mann aus Nürnberg der Besucher mit der bisher weitesten Anreise.

Und noch ein Ereignis hat sich Andreas Osse ganz besonders gemerkt: den Tag der Premiere des Autokinos. "Das war am 4. Juli 1991 mit dem Streifen ,Friedhof der Kuscheltiere'". Zu dem Zeitpunkt war der Crimmitschauer bereits ein alter Hase in der Branche. Der gelernte Anlagentechniker fing 1987 als Quereinsteiger im Kino seiner Heimatstadt, dem Capitol, an. "Damals gehörte auch noch die Abteilung Landfilm dazu. Mit einer stationären Vorfilmanlage waren wir in den Dörfern unterwegs und haben dort Filme gezeigt", sagt Osse. Zu den Plätzen, an denen er einst seine Technik in Position brachte, gehörte an den Wochenenden auch die Talsperre. "Die Wiese, auf der wir eine sieben Meter große Leinwand und die Technik aufbauten, befand sich damals ungefähr dort, wo heute der Eingang zum Parkplatz ist. Einige Besucher kamen schon damals mit dem Auto und verfolgten mit heruntergelassen Seitenscheiben das Geschehen auf der Leinwand", sagt Osse. Dabei entstand der Gedanke, am Standort ein Autokino aufzubauen.

Nach dem Ende der DDR setzte der Crimmitschauer seine Idee um und begann an der Kober mit einer Leinwand. "1996 wurde der Parkplatz neu gestaltet und erweitert. Dadurch war es mir möglich, ein Gestell für eine größere Leinwand zu errichten und daneben noch eine zweite Leinwand für ein weiteres Kino zu installieren", erinnert sich Osse. 2002 eröffnete er am gleichen Standort noch ein drittes Kino. Damit war das größte Autokino in Deutschland entstanden. "Nicht in Bezug auf die vorhandenen Stellplätze, sondern auf die Anzahl der Leinwände an einem Standort." Eine Entscheidung und Investition, die sich lohnte. Ein Jahr später zählte das Autokino insgesamt mehr als 40.000 Besucher. Bisheriger Rekord.

Die Genehmigung für die Errichtung einer vierten Leinwand hatte Osse bereits in der Tasche. Da machte ihm die Digitalisierung in der Filmbranche einen Strich durch die Rechnung. Fördermittel für die Umstellung der Kinos von analoger auf digitale Technik gab es zwar für die kleinen Betreiber, jedoch nicht für die von Autokinos. Doch ohne moderne Technik wäre Osse nicht mehr an die aktuellen Streifen gekommen. Also musste er selber in die Tasche greifen und für die Umrüstung der Technik einen Kredit aufnehmen. Den zahlt er noch immer zurück. Damit ist der Plan, das Kino um ein Besuchermodul zu ergänzen, in dem die Gäste in einer Art Container sitzen und durch eine Scheibe das Geschehen auf der Leinwand erfolgen, vorerst in der Warteschleife. Andererseits könnte damit die Saison verlängert werden. "Das Vorhaben ist nicht ad acta gelegt, sondern nur verschoben", sagt Osse.

Saisonbeginn im Autokino ist am 14.März. Gestartet wird in der ersten Woche mit vier verschiedenen Filmen.

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