Forscherin blickt hinter die Handschrift

Ute Scholz erkundet die Ideen von Robert Schumann

Zwickau.

Die gute Nachricht ist die: Die Orchester dieser Welt haben Schumanns 2. Sinfonie schon immer so gespielt, wie es sich der Komponist vorgestellt hatte. Das mag Menschen, die mit Musikforschung nichts zu tun haben, erstaunen. Doch Menschen, wie Ute Scholz fragen sich tatsächlich, wie ein Musikstück gedacht sein mag. Obendrein tun Menschen wie Ute Scholz alles, um den Gedanken des 1856 gestorbenen Komponisten auf die Spur zu kommen.

Aus diesem Grund ist die Mitarbeiterin der Schumann-Gesellschaft mit ihrer Regensburger Kollegin Ingeborg Maaß nach New York gereist. Tagelang steckten sie ihre Spürnasen in die Handschrift der 2. Sinfonie, drehten Notenblätter um, studierten Anmerkungen, begutachteten Ausstreichungen und versuchten dabei, sich ein Bild von der Sinfonie zu machen. Dabei stellten sie fest, dass gerade an diesem Werk vieles überklebt und geändert wurde. "Das kann man auf einer Kopie kaum sehen. Da braucht man das Original, manchmal auch nur, um einen Bleistifteintrag zu erkennen", erklärt sie. Das ist die Arbeit von Ute Scholz: Sie gehört zu den Leuten, die sich bemühen, für jedes Werk von Robert Schumann die vom Komponisten angestrebte Aufführungspraxis herauszufinden. Aus diesem Wissen entsteht die Gesamtausgabe von Robert Schumann - viele Bände mit den offiziellen Notensetzungen. Im Fall der 2. Sinfonie gibt es kaum nennenswerte Korrekturen an den bisher gebräuchlichsten Noten, sagt Ute Scholz. "Unsere Reise wird das Werk nicht verändern. Gott sei Dank." Manchmal ist das anders. "Es kommt vor, dass wir Hinweise finden, die ein Werk wirklich teilweise anders klingen lassen." Warum sie das tut - für sie aus dem gleichen Grund, warum andere nach schwarzen Löchern suchen. "Es ist Grundlagenforschung. Zudem hat es etwas mit unserem Verständnis für Kultur und Geschichte zu tun." Wohl auch mit dem Respekt vor dem Komponisten und dem Wunsch, seinen Ideen zu folgen. Eine Dienstreise nach New York ist für Ute Scholz kein Grund zum Neid. Denn tatsächlich haben die beiden Forscherinnen mehr Noten als Hochhäuser gesehen. Nach ihrer Reise war Ute Scholz vor allem eines: müde.

Dabei ist sie sonst gerade in dieser Zeit ganz besonders munter. Denn Ute Scholz engagiert sich zuhause in Irfersgrün für den Karneval - auch wenn dabei ihre Ohren ganz andere Klänge zu hören bekommen als solche vom Meister der Romantik. Es ist ein Ausgleich und eine Leidenschaft für die Musikwissenschaftlerin, die mit Hochdruck an Schumanns Gesamtausgabe mitarbeitet. Eigentlich sollte das Werk des berühmten Zwickauer Sohnes bis 2020 komplett aufgearbeitet sein. "Das werden wir nicht schaffen." Die Oper "Genoveva", die Chorwerke und einige andere Arbeiten sind bislang noch nicht durchleuchtet.

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