Funkmast: Wahl zwischen Pest und Cholera

Für den Standort in Jerisau legen die Betreiber eine Alternative vor. Doch auch die kommt bei Anwohnern nicht gut an.

Jerisau.

Für Andreas Reinhold ist es "dumm gelaufen". Er und auch andere Einwohner des Glauchauer Ortsteils Jerisau werden künftig mit dem Anblick eines 35 Meter hohen Stahlgittermastes leben müssen. Daran will die Telekom Mobilfunkantennen hängen, um die Versorgung im Norden Glauchaus zu verbessern. Der geplante Standort gilt als Ersatz für die seit drei Jahren stillgelegte Antenne auf dem Gebäude der alten Kammgarnspinnerei an der gleichnamigen Straße. Ein Ersatz in dortiger Nähe wurde nicht gefunden, weil die Stadt Glauchau seinerzeit zum Beispiel einen Funkmast im Bereich des Umspannwerkes abgelehnt hatte. Daraufhin suchte die Funkturm GmbH, eine Tochter der Telekom, einen Standort in Jerisau und wurde fündig.

Für diesen - auf der Grafik als Standort B bezeichnet - bekam das Unternehmen von der Stadt Glauchau eine Baugenehmigung. Dagegen liegen mehrere Widersprüche von den Anwohnern im Rathaus vor. Weil sich die Bewohner und auch die Ortschaftsräte in die Entscheidungen nicht einbezogen fühlten und ihrem Ärger darüber Luft machten, zog sich Oberbürgermeister Peter Dresler (parteilos) das Problem auf den Tisch. Er handelte mit den Betreibern einen alternativen Platz im Gewerbegebiet aus (Standort A). Doch der ist nur etwa 90 Meter vom ursprünglichen Platz entfernt - für die Anwohner nicht akzeptabel, wie sie in der Sitzung des Ortschaftsrates am Dienstagabend deutlich machten. "Für uns ist es eine Wahl zwischen Pest und Cholera", sagte Ortschaftsrätin Katrin Paur.


Doch für die Telekom kommt nur einer von beiden Standorten in Frage. "Wir arbeiten seit drei Jahren an dem Projekt und werden nicht noch einmal mit der Standortsuche von vorn beginnen", sagte Bolko Weilandt von der Telekom. Das heißt: Es kommt entweder Standort A in Frage, wenn am 29. Mai der Technische Ausschuss die Regeln für die Bebauung im Gewerbegebiet ändert. Wenn nicht, wird der Mast am Standort B gebaut. Die Telekom geht davon aus, dass die Widersprüche gegen die Baugenehmigung abgeschmettert werden. Es könnte deswegen lediglich länger dauern, bis mit dem Bau begonnen werden kann.

"Wir haben ja nichts gegen einen Funkmast", sagt Anwohner Andreas Reinhold und fügte hinzu: "Wir wollen ihn bloß nicht sehen müssen." Ortsvorsteher Matthias Holzmüller sagte, dass die Bewohner schon viele Kröten schlucken und Belastungen in Kauf nehmen mussten. Dazu gehören der Lärm von der Autobahn und dem Gewerbegebiet, der nächtliche Lkw-Verkehr auf der Waldenburger Straße und künftig der weithin sichtbare der Mobilfunkmast.

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