Fußballclub legt Fall Krügel zu den Akten

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Über ein Jahr hat eine Arbeitsgruppe in Magdeburg zur Vergangenheit des aus Zwickau stammenden Kulttrainers Heinz Krügel geforscht. Ergebnis: Das ehemalige Mitglied der Waffen-SS darf als Idol auf einem Sockel bleiben.

Magdeburg/Zwickau.

Wie geht man mit einem Fußball-Idol um, das einen ganz dunklen Fleck in seiner Vita hat? Der so groß ist, dass man gar nicht umhin kommt, sich mit ihm zu befassen.

Es geht um Heinz Krügel (1921 bis 2008), einst legendärer Trainer des 1. FC Magdeburg, der 1974 mit dem Klub den Europacup und damit einen der größten Erfolge für die DDR erkämpfte. In Magdeburg steht seit Jahren ein mannshohes Denkmal am Stadion: der hemdsärmelige Krügel mit dem Pokal in der linken Hand. Aber während des Zweiten Weltkrieges war Krügel auch Mitglied der berüchtigten Waffen-SS. Das Fußball-Idol stammt aus Zwickau und holte mit der SG Planitz als Spieler nach dem Krieg auch die Ostzonenmeisterschaft. Deshalb ist das Leben Krügels auch eng mit der Region Westsachsen verbunden.

Die "Freie Presse" hatte im Januar 2021 über dieses finstere Kapitel in der Vita des Trainers berichtet. Im Umfeld des 1. FC Magdeburg gründete sich unmittelbar danach eine Arbeitsgruppe, zu der auch der damalige Vereinspräsident Peter Fechner gehörte, um sich näher mit diesem Lebensabschnitt Krügels zu befassen. Inzwischen hat der Verein ein erstes Ergebnis seiner Recherchen bekanntgegeben. Weil Krügel keine persönliche Beteiligung an Kriegsverbrechen nachzuweisen sei, gebe "es aus Sicht des 1. FC Magdeburg keinen Anlass, das Andenken von Heinz Krügel als ehrenvoller Trainer des 1. FC Magdeburg infrage zu stellen". Fechner bezeichnete die Recherchen als "die ersten umfassenden historischen Forschungen zu diesem Thema".

Das ist falsch. 2014 hatte der inzwischen verstorbene Professor Otto Altendorfer von der Hochschule Mittweida eine umfangreiche Arbeit verfasst - die aber von der Öffentlichkeit weitestgehend unbemerkt blieb. Die "Freie Presse" hatte sich in ihrem Beitrag 2021 auf diese Arbeit bezogen. Demnach war Krügel bereits seit August 1940 bei der Waffen-SS und gehörte dem Verband der 5. SS-Division Wiking an, der viele Kriegsverbrechen wie der Ermordung geflohener KZ-Häftlinge zur Last gelegt werden. Der Internationale Militärgerichtshof erklärte die Waffen-SS nach dem Krieg zu einer verbrecherischen Organisation. Da es laut Altendorfer erst gegen Ende des Krieges Fälle gegeben hat, bei denen Soldaten in die Waffen-SS gezwungen wurden, ging der Professor in seiner Arbeit davon aus, dass Krügel freiwillig in die Kampftruppe eingetreten sein müsse.

Der 1. FC Magdeburg und die Arbeitsgruppe halten aber dennoch an seinem früheren Erfolgstrainer und an dessen Denkmal neben dem Stadion fest, räumen aber ein, dass "gleichwohl die Vergangenheit von Heinz Krügel in der Waffen-SS zu seiner Biografie gehört und auch nicht verschwiegen werden soll". An dem Denkmal soll nun eine Informationstafel mit Krügels gesamter Biografie angebracht werden.

Nicht wenige sind überrascht mit einem derart laxen Umgang. "Damit verkommt dieses wichtige Kapitel im Leben von Heinz Krügel zu einer kleinen Fußnote. Wer in der Waffen-SS war, der war kein Mitläufer", sagt Dietrich Schulze-Marmeling. Er gehört zu den bekanntesten Fußball-Historikern in Deutschland. Allerdings sei das Recherche-ergebnis der Magdeburger Arbeitsgruppe für ihn eher erwartbar gewesen. "Keine persönliche Beteiligung an Kriegsverbrechen nachweisbar" - dabei handele es sich seiner Auffassung nach um eine inzwischen längst inflationär verwendete Formulierung.

Auch der Verein "Zwickauer Fußballgeschichten" hat sich zu der Causa Krügel geäußert. In einer Pressemitteilung heißt es etwas vorsichtig: "Wir hoffen, dassauf der Infotafel am Denkmal auch dieser Lebensabschnitt ausreichend Erwähnung findet und eine weitere Aufarbeitung seines Wirkens stattfindet."

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