"Geipel war ein systematischer Sammler"

Der Glauchauer Museologe Robby Joachim Götze über Meteoriten und versteinerte Pflanzen im Schloss Hinterglauchau

Glauchau.

Wie kamen eigentlich versteinerte Bäume und Bergkristalle in den Sammlungsbestand des Dresdner Kunstsammlers Paul Geipel? Das hat Susanne Streicher den am Schloss Hinterglauchau tätigen Museologen Robby Joachim Götze gefragt.

Freie Presse: Herr Götze, wie kommt es, dass der Dresdener Kunstsammler Paul Geipel neben Kunst auch fossile Objekte und Mineralien gesammelt hat?


Robby Götze: Paul Geipel hatte ein breit gefächertes Interesse. Der passionierte Sammler hat sich nicht nur für Kunst, sondern auch für Naturwissenschaften interessiert. Bedingt durch seinen Beruf als Pathologe wollte er Dingen auf den Grund gehen.

Welche besonderen Objekte begegnen den Besuchern in der Sonderausstellung "Nur das Beste" anlässlich des 150. Geburtstages des Sammlers ?

Wir haben beispielsweise einen 250 Kilogramm schweren Meteoriten in der Ausstellung. Er ist einer von 70 Stücken, die im heutigen Namibia gefunden wurden. Der Sammler hat ihn in den 1930-Jahren für 2500 Reichsmark erworben. Außerdem befinden sich in unserer Sammlung auch seltene Knochen von Sauriern und die größte Scheibe eines versteinerten Baumes.

Ein Konvolut an 2300 Mineralien und Fossilien hat Geipel während seiner Sammeltätigkeit zusammengetragen. Wie kam es zu so einer Fülle?

Beim Aufbau seiner Sammlung profitierte der gebürtige Zwickauer von der Verbindung zu seinem Bruder Max, der als Bergingenieur tätig war. Ansonsten hat er bei dutzenden Händlern Objekte erworben. Beispielsweise bei einer Mineralienniederlage in Freiberg. Dort hat er viele Bergkristalle erworben. Von seinen Reisen, beispielsweise in die Schweiz, hat er auch das eine oder andere Stück mit nach Hause gebracht.

Woher rührt Geipels Interesse an Mineralien und Fossilien?

Mit Mineralogie und Geologie beschäftigte sich Geipel schon als Schüler. Das Interesse teilte er in seiner Jugendzeit mit seinem Bruder. Mit ihm besuchte er oft die Rittersche Gesteinssammlung in seiner Heimatstadt Zwickau. Später hatte er Verbindungen zu Wissenschaftlern wie Paläobotanikern und Mineralogen. Geipels Vater war außerdem Mitglied im Verein für Naturkunde in Zwickau. Sein Interesse liegt daher schon im Elternhaus begründet.

Wie hat der passionierte Mineraliensammler den Überblick über seine umfangreiche Sammlung bewahren können?

Der Naturforscher war ein sehr systematischer Sammler. Quarze, wie Bergkristalle, hat er unter anderem nach ihren Herkunftsorten katalogisiert. Von seinen Sammelobjekten hat er teilweise fotografische Abbildungen gemacht. Das war vor 100 Jahren nicht selbstverständlich, weil die Fototechnik damals noch in den Kinderschuhen steckte. Schon als Medizinstudent kam er in Kontakt mit verschiedenen bildgebenenden Verfahren.

Demnächst findet im Schloss ein Vortrag mit den Paläontologen Frank Löcse und Dr. Silvio Brandt zum Thema "Versteinerte Bäume und Saurierknochen" statt. Werden die beiden Männer neue Erkenntnisse präsentieren?

Dr. Brandt hat während seinen Untersuchungen an der Geipelschen Sammlung festgestellt, dass wir den größten Kupferschieferabdruck eines Saurierknochens in Europa haben. Für uns ist die Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und Forschern immer eine Win-win-Situation. Den Wissenschaftlern stellen wir Forschungsobjekte zur Verfügung, und wir als museale Einrichtung erhalten weitere Aufschlüsse über unseren Sammlungsbestand. Derzeit befindet sich unsere über 100 Jahre alte Kieselholz-Sammlung im Museum für Naturkunde in Chemnitz. Übrigens haben wir neben Chemnitz weltweit eine der umfangreichsten Sammlungen an Kieselhölzern.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit dem Naturkundemuseum in Chemnitz?

Vor etwa zwei Jahren nahm Frank Löcse Kontakt auf. Er hatte in einem Fachartikel aus den 1960er-Jahren Verweise zu Paul Geipel gefunden. Daraufhin erfuhr der Direktor, Ronny Rößler, von den Kieselhölzern.

Der Vortrag "Von versteinerten Bäumen und Saurierknochen" beginnt am 21. September 15 Uhr im Schloss Hinterglauchau. Der Eintritt kostet 5 Euro. Die Sonderausstellung ist bis zum 22. September verlängert.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...