Gesangverein Lichtenstein löst sich auf

Ein schmerzhafte Entscheidung: Nach 73 Jahren ist für das Ensemble Schluss

Lichtenstein.

Die Bemühungen waren groß: Persönliche Kontakte wurden angesprochen, zahlreiche Telefonate mit Musiklehrern geführt. Auch Schüler versuchte man, für den Chor zu gewinnen. Alles vergebens. Daher ist es nun beschlossene Sache: Zum Jahresende ist für den Gesangverein Lichtenstein nach 73Jahren Sängergeschichte Schluss. Der gemischte Chor wird dann die Notenhefte an den Nagel hängen.

Das Ende des seit 1946 bestehenden Gesangvereins Lichtenstein hatte sich schon länger abgezeichnet. "Wir haben in den letzten Jahren einfach keinen Nachwuchs mehr gefunden. Die meisten Mitglieder sind über 60 Jahre alt", sagt Bernd Biel, der sich seit 29 Jahren als Vorsitzender für den traditionsreichen Gesangverein engagiert. Außerdem steht der Verein vor dem Problem, dass Chorleiterin Dagmar Hanf nach nunmehr zwei Jahrzehnten kürzer treten möchte. Es sei für den Vorstand wie auch für die 27 Chormitglieder ein schwerer Moment. "Natürlich war bei der Entscheidung Wehmut im Spiel. Wir hätten gerne weitergemacht. Aber man muss den Tatsachen ins Auge sehen", sagt Gudrun Biel, die ihren Mann in der Organisation der Vereinsfeste und Konzertreisen unterstützt. Die 66-Jährige ist bereits seit ihrem fünften Lebensjahr im Verein. "Meine Eltern waren beide Sänger im Chor. Ich bin mit dem Verein sozusagen aufgewachsen", sagt die Lichtensteinerin. Aus der Feder ihres Vaters Karl Hermann stammen die Zeilen des traditionsreichen Liedes "Gruß an Lichtenstein". "Den Liedtext hatte er 1958 geschrieben. Der ehemalige Chorleiter Heinz Schwalbe hat später die Melodie beigesteuert", erklärt die Sopranistin.

Künftig werden nur noch die Relikte von der Vereinsgesichte zeugen, die das Ehepaar in Schränken hütet - alte Fotoalben, Konzertankündigungen und Gründungsdokumente. Bernd Biel erinnert sich beim Durchblättern noch gern an ein Konzert in Paris. Dort hatte der Lichtensteiner Chor vor 20 Jahren an einem internationalen Chortreffen - damals organisiert von der Unesco - teilgenommen und ein anspruchsvolles Stück aus dem Musical "Phantom der Oper" zum Besten gegeben.

"Mir wird die Geselligkeit fehlen", weiß der Lichtensteiner jetzt schon. Daher planen die Mitglieder monatliche Treffen. Zuvor folgt aber ohnehin noch ein Abschiedskonzert - am 7. Dezember, 17 Uhr in der St.-Laurentius-Kirche in Lichtenstein. "Wir wollen uns schließlich mit Sang und Klang verabschieden", so der Vorsitzende. (sust)

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