Geschichten über Bauern, Christen und die eigenen Eltern

Joachim Krause erhält am Donnerstag in Leipzig einen Historikerpreis. Nicht die erste Auszeichnung, die der Schönberger verliehen bekommt.

Schönberg.

Eigentlich ist Joachim Krause in puncto Heimatforschung ein Spätzünder. "Das hat mich als junger Mensch überhaupt nicht interessiert", gibt der Schönberger zu, der derweil auf unzählige Publikationen verweisen kann. Erst mit dem Älterwerden sei die Neugier gekommen, hinter die Fassaden der Menschen in den Dörfern seiner Heimatregion zu schauen, die hier vor 100und mehr Jahren lebten.

Doch das ist nicht alles: Der 71-Jährige scheute sich nicht, die Gedankenwelt seiner Eltern, die sich im Nachhinein - wie viele Menschen in jenen Jahren - als Anhänger und Mitläufer des NS-Regimes herausstellten, aufzuschreiben und 2016 in dem Buch "Fremde Eltern - Zeitgeschichte in Tagebüchern und Briefen 1933-1945" zu veröffentlichen. Schließlich stolperte der Rentner bei den Recherchen zu seiner Familie und zum Nationalsozialismus über die "Deutschen Christen" im Wieratal und deren Siegeszug im Deutschen Reich bis 1945, denen er eine Dokumentation unter dem Titel "Im Glauben an Gott und Hitler" widmete. Nach wenigen Monaten musste bereits die zweite, nun erweiterte Auflage gedruckt werden, erklärt Krause, der erst vor wenigen Wochen für diese Arbeit mit dem Sächsischen Landespreis für Heimatforschung geehrt wurde. Eine weitere Auszeichnung kommt am 13. Dezember hinzu. Dann wird Krause, der aus dem thüringischen Ehrenhain stammt, innerhalb der Verleihung des 15. mitteldeutschen Historikerpreises "Ur-Krostitzer Jahresring" im Leipziger Gewandhaus geehrt. Neben den Arbeiten zu sechs Themenkategorien (Ortsgeschichte, Dokumentation, Lebenswerk, Industriegeschichte, Erinnerungskultur und Personengeschichte), die gewürdigt werden, vergibt die Jury noch einen Jugendsonderpreis und einen Sonderpreis zur Leipziger Musikgeschichte.

Welchen Preis der ehemalige Beauftragte für Glaube, Naturwissenschaft und Umwelt in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Sachsen am Donnerstag entgegennehmen darf, daraus macht allerdings die Krostitzer Brauerei als Initiatorin noch ein Geheimnis. Das Unternehmen bietet Freizeithistorikern seit 15 Jahren unter dem Motto "Zukunft braucht Herkunft" eine Plattform, ihre Ausarbeitungen über die mitteldeutsche Geschichte zu präsentieren.

Als Krause von der Preisverleihung erfuhr, habe er sich gefreut. "Das kam alles unerwartet und ist natürlich eine schöne Sache", sagt der Senior nicht ganz ohne Stolz. Denn er gehöre nicht zu jenen Heimatforschern, "die ihr Wissen unter Verschluss halten". Das wüssten nicht nur die Ortsansässigen, auch in der Region sei sein Forscherdrang, dessen Ergebnisse er regelmäßig in der Reihe "Schönberger Blätter" veröffentlicht, bekannt. So bekannt indes, dass Leute beim Finden von historischen Dokumenten bei Krause vorbeischauen. So ähnlich war es mit einer Lehrerin, die Krause schon als Schüler kannte und die auf ihrem Dachboden eine Truhe mit Rechnungen, Briefen und Protokollen entdeckt hatte. "Sie hatte als junge Frau in einen alteingesessenen Bauernhof in unserem Dorf eingeheiratet", blickt Krause zurück. Im Fazit dessen fasste er die Geschichte der Bauernfamilie Junghanns in Köthel im Heft 54 seiner "Schönberger Blätter" zusammen. Das sei schließlich der Auslöser gewesen, sich noch intensiver mit den hiesigen Bauern im 19. Jahrhundert zu beschäftigen, die zwar keine Reichtümer anhäufen konnten, die aber auch nicht Hunger leiden mussten. "Im Herzogtum Altenburg hat es einen gediegenen Reichtum gegeben", so Krause.

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