Geschichtsschreiber kramen wieder viele Erinnerungen hervor

Bevor die fünfte Ausgabe der "Zeittafel der Stadt Meerane" in Druck geht, braucht es Geldgeber. Fest steht: Der neue Band wird bunter als seine Vorgänger.

Meerane.

Zufall hin oder her. Die Vorstellung des neuen und nunmehr fünften Bandes der "Zeittafel der Stadt Meerane" ist erstmals am Donnerstag während der Adventsveranstaltung des Bürgervereins im "Hotel Meerane" vorgestellt worden. Also in jenem Gebäude, das selbst zum Inhalt der vierten "Zeittafel" beigetragen hatte, die die Jahre von 1990 bis 1999 beleuchtete. Denn die Grundsteinlegung für den Neubau des Hotels erfolgte 1992.

Dort hatte Ortschronist Joachim Friedrich bei Kaffee und Stollen ausgewählte Ereignisse, die diesmal die Zeit zwischen 2000 und 2009 betreffen, mit einem Beamer an die Wand projiziert. "Völlig wertfrei", erklärt Friedrich. "Wir kommentieren die Ereignisse nicht, sondern erinnern an das, was gewesen ist." Das hat der 76-jährige Senior nicht allein vollbracht. "Bei uns gibt es keine Einzelkämpfer. So etwas lässt sich nur in der Gemeinschaft auf die Beine stellen", betont der ehemalige Lehrer, der für die knapp 300 Seiten mit bis zu 600 Bildern die Ortschronisten Gerda Bräunlich, Lieselotte Miller, Bärbel Puhane, Markus Rech, Heinz Seidel und Helga Zipfel an seiner Seite hatte, die wiederum allesamt als Gruppe dem Bürgerverein angegliedert sind.

Dass alle Frauen und Männer der Arbeitsgruppe zudem zu aufmerksamen Zeitungslesern gehören, verstehe sich von selbst, meint Friedrich. Denn ein Teil der Recherche ist Zeitungsarbeit. Daher verwundert es wohl kaum , dass die Ortschronisten neben der Tageszeitung "Freie Presse" auch Artikel in anderen Zeitungen, Zeitschriften und Amtsblättern penibel studieren. Andererseits fügt der Senior an, dass die Ortschronisten viele Ereignisse aus eigenem Erleben beisteuern könnten. So erinnerten sich alle recht gut an die Bürgermeisterwahl, die laut Friedrich natürlich auch in der lokalen Presse eine Rolle spielte. Und auch der gebürtige Werner Bochmann, der unter anderem die Musik für den Spielfilm "Die Feuerzangenbowle" komponierte und am 17. Mai 2000 seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte, kommt in der fünfte "Zeittafel" vor.

Nicht nur das: Viele kulturelle Höhepunkte, zu denen die Heimatforscher auch den Straßenfasching zählen, die Kleingartenanlagen, die neue Sporthalle, die Errichtung des Neuen Rathauses und nicht zuletzt die Winkler-Drogerie, die ihr 125-jähriges Bestehen feierte und noch heute mit dem schon fast legendären Kräuterlikör "Draufgänger" für sich wirbt, haben die Stadt Meerane innerhalb dieser zehn Jahre geprägt. Vier Jahre haben die Ortschronisten an der aktuellen "Zeittafel" gearbeitet, die im Vergleich zu den bisherigen vier Büchern fast nur aus Farbbildern besteht. Noch aber steckt die "Zeittafel" im Computer, denn für den Druck des Bandes, der eine Auflage von 300 Exemplaren umfassen soll, sind die Geschichtsschreiber auf Geldgeber angewiesen. So rechnen die Macher mit Kosten zwischen 5000 und 6000 Euro. Doch Friedrich und seine Mitstreiter, die sich immer mittwochs treffen, sind auch in dem Punkt zuversichtlich.


Kommentar: Nichts für Schubladen

Sie sind das Gedächtnis der Kommunen, arbeiten zumeist im Stillen. Ohne die Ortschronisten würde vielleicht das eine oder andere Ereignis lediglich in der Schublade landen. Niemand würde davon Notiz nehmen. Doch die Heimatforscher leisten weit mehr, als die Allgemeinheit annimmt. Die Geschichtsschreiber erfassen nicht nur die Ereignisse, sie stellen Zusammenhänge und Entwicklungen dar. Und genau das macht die Arbeit der Ortschronisten so wertvoll. Denn eine reine Faktensammlung ist für die Nachkommen oft wenig interessant. Angesichts dessen kann die umfangreiche Recherche der Meeraner nicht hoch genug eingeschätzt werden. Dass sie konsequent über die vielen Jahre hinweg an einem Strang ziehen, ist bemerkenswert.

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